Für den Bremer Raumfahrtkonzern OHB wird es diese Woche ernst. Die Hauptversammlung am Montag entscheidet über einen milliardenschweren Kapitalrahmen. Gleichzeitig öffnet die ILA Berlin ihre Tore – und der Jungfernflug der Raketentochter Rocket Factory Augsburg (RFA) steht für Juli an. Drei Termine in vier Wochen, die den Aktienkurs massiv beeinflussen könnten.
Am Freitag schloss die OHB-Aktie bei 372,50 Euro – ein Tagesminus von über 9 Prozent und ein Wochenverlust von rund 14 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 688 Euro ist der Titel fast 46 Prozent entfernt. Seit Jahresanfang notiert er dennoch mehr als 200 Prozent im Plus.
Hauptversammlung und ILA: Zwei Bühnen für den Konzern
Die Aktionäre stimmen am Montag über den Kapitalrahmen ab. Das genaue Volumen ist nicht öffentlich, aber der Konzern braucht Finanzierungsspielraum für sein Wachstum. Direkt im Anschluss startet die ILA Berlin. OHB will dort neue Missionsverträge präsentieren.
Die ESA nennt für die Messe drei Schwerpunkte: Autonomy and Resilience, Exploration und Planet and Climate. In diesen Feldern ist OHB mit mehreren Programmen aktiv. Treiber des Auftragsbestands sind ESA-Aufträge und steigende Verteidigungsbudgets in der EU.
RFA: Ein Erstflug mit hohem Risiko
Der spektakulärere Termin kommt Anfang Juli. RFA hat ein Startfenster ab dem 1. Juli am SaxaVord Spaceport in Schottland beantragt. Ein festes Datum ist das nicht – bei Erstflügen sind Verzögerungen normal. Die Rakete soll sieben Satelliten ins All bringen.
Ein erfolgreicher Start würde OHB im Bereich „Access to Space“ stärken. Zugleich würde die Abhängigkeit von Fremdraketen im Kleinsatellitengeschäft sinken. Allerdings dämpft OHB selbst die Erwartungen: Historisch gelingen weniger als 30 Prozent der Erstflüge neuer Startsysteme. Ein Fehlschlag ist statistisch wahrscheinlicher.
Zudem: RFA wird at equity konsolidiert – Raketenstarts tauchen nicht direkt in der Konzern-Guidance auf. RFA bleibt vorerst eine Zusatzoption, kein Kerntreiber.
Enger Streubesitz: 800 Aktien lösen Sell-off aus
Ein strukturelles Problem der OHB-Aktie ist die extrem niedrige Liquidität. Von 19,2 Millionen Aktien sind nur rund 1,09 Millionen frei handelbar – etwa 5,7 Prozent. Der jüngste Kursrutsch wurde laut Unternehmensangaben von lediglich 800 Aktien ausgelöst. Bei einer Marktkapitalisierung von über zehn Milliarden Euro ist das ungewöhnlich sensibel.
Verkäufer ist der Finanzinvestor KKR. Er hält rund 29 Prozent an OHB und will etwa 20 Prozent davon platzieren. Die Gründerfamilie Fuchs behält mit 65 Prozent der Stimmrechte die klare Kontrolle. Die Transaktion soll über eine Milliarde Euro einbringen. Ziel ist der Abschluss noch vor dem 30. Juni. Im Erfolgsfall steigt der Free Float auf rund 26 Prozent – eine massive Veränderung.
Operative Basis bleibt solide
Trotz der Kursverwerfungen liefert das Kerngeschäft starke Zahlen. Im ersten Quartal 2026 wuchs die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT legte um 63 Prozent auf 16,8 Millionen Euro zu.
Für das Gesamtjahr plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro. Bis 2028 soll die Marke von zwei Milliarden Euro fallen, bei einer EBITDA-Marge von 11 Prozent.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Kurskatalysatoren zünden – oder ob die Risiken rund um RFA und den KKR-Verkauf die Aktie weiter unter Druck setzen. Die Hauptversammlung am Montag gibt den Startschuss für eine entscheidende Phase.
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