Die Tochtergesellschaft OHB Italia hat von der italienischen Raumfahrtagentur ASI den Zuschlag als Hauptauftragnehmer für die Erdbeobachtungsmission „PRISMA Second Generation“ erhalten. Das Unternehmen teilte am Donnerstag mit, dass der Start des Satelliten für Ende 2031 geplant ist. Als Unterauftragnehmer sind Thales Alenia Space Italia für die Satellitenplattform sowie Leonardo für das hyperspektrale Instrument an Bord.
Der Auftrag reiht sich in eine Serie positiver Nachrichten der vergangenen Wochen ein. Bereits am Mittwoch hatte OHB einen Rekord-Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro vermeldet. Die Aktie reagierte am Donnerstag mit einem Kursplus von 2,38 Prozent und notiert bei 236,50 Euro – nach einem Schlusskurs von 231,00 Euro am Mittwoch.
Kapitalerhöhung als Kehrseite der Wachstumsstory
Der frische Großauftrag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie noch immer die Folgen der jüngsten Wachstumsfinanzierung verarbeitet. Anfang Juli hatte OHB den erfolgreichen Abschluss einer im Juni beschlossenen Kapitalerhöhung bekanntgegeben, bei der neue Aktien ausgegeben und zusätzlich bestehende Anteile aus dem Bestand des Finanzinvestors KKR über dessen Gesellschaft Orchid Lux platziert wurden. Der Streubesitz der Aktie erhöhte sich dadurch spürbar. Brutto flossen dem Konzern nach eigenen Angaben rund 484 Millionen Euro zu.
Vorausgegangen war ein Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat vom 22. Juni, unter teilweiser Ausnutzung des Genehmigten Kapitals 2025 bis zu 1.702.480 neue Aktien gegen Bareinlagen auszugeben. Die Großaktionäre – die Familie Fuchs und KKR – verzichteten dabei auf ihre Bezugsrechte. Wie die Kanzlei Hengeler Mueller mitteilte, veräußerte KKR über Orchid Lux HoldCo im Zuge einer Privatplatzierung zusätzlich Anteile zwischen rund 4,5 und 6,4 Prozent des Grundkapitals an internationale Investoren, zum Platzierungspreis von 300 Euro je Aktie.
Die Kombination aus Verwässerung und Gewinnmitnahmen nach dem steilen Kursanstieg der vergangenen zwölf Monate hinterlässt Spuren im Chartbild. Der Titel notiert derzeit rund 65,62 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch und liegt damit auch klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Gemessen am 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand dagegen nur noch 2,85 Prozent – die Aktie hat sich dem längerfristigen Trend also wieder angenähert, nachdem sie zwischenzeitlich weit darüber gehandelt wurde.
Politische Rückendeckung und Wachstumszahlen
Verteidigungsminister Boris Pistorius besuchte den Bremer Standort im Juli bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Bei seinem Werksbesuch am 14. Juli informierte er sich über militärische Raumfahrtprogramme und die technologische Entwicklung zur Sicherung deutscher Souveränität im All. Am vergangenen Freitag folgte im Rahmen seiner Sommerreise ein weiterer Termin in Bremen, bei dem OHB gemeinsam mit der European Spaceport Company die Pläne des Ministeriums zum Ausbau nationaler Startkapazitäten für Trägerraketen begrüßte.
Operativ untermauerte der Konzern die politische Aufmerksamkeit mit soliden Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das Periodenergebnis der Aktionäre kletterte um 165 Prozent auf 9,89 Millionen Euro. Auf der Hauptversammlung Anfang Juni beschlossen die Aktionäre zudem eine Dividende von 0,60 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 und wählten Theodor Weimer, früherer Chef der Deutschen Börse, neu in den Aufsichtsrat.
Blick nach vorn
Der Rekord-Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro und der neue italienische Erdbeobachtungsauftrag liefern Argumente für die Wachstumsstory, während die Kapitalerhöhung das Aktienangebot kurzfristig belastet hat. Ob sich der operative Rückenwind auch in der Kursentwicklung durchsetzt, dürfte sich am 6. August zeigen: Dann veröffentlicht OHB die Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Anleger werden dabei besonders auf die Entwicklung von Umsatz und Auftragseingang im militärischen Raumfahrtsegment achten, das durch die politische Unterstützung aus Berlin zunehmend in den Fokus rückt.
OHB-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue OHB-Analyse vom 30. Juli liefert die Antwort:
Die neusten OHB-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für OHB-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
