Bei OHB verdichtet sich vor der Hauptversammlung ein ungewöhnlicher Mix: Aktionärsschützer stellen zentrale Beschlussvorschläge infrage, der Streubesitz ist extrem klein, und die Aktie schwankt heftig. Im Mittelpunkt steht nicht die Dividende. Es geht um den Spielraum des Managements bei Vergütung und künftigen Kapitalmaßnahmen.
Der Termin am 8. Juni wird damit zum Governance-Test. Kein Wunder, dass der Markt nervös reagiert.
DSW stellt sich gegen zentrale Punkte
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz empfiehlt ein Nein zu den Tagesordnungspunkten 3 und 7. In beiden Fällen verweist die DSW auf den Deutschen Corporate Governance Kodex. Nach ihrer Darstellung fehlt bei OHB weiterhin ein individueller Maximalbetrag in Euro pro Vorstandsmitglied.
Das trifft einen sensiblen Punkt. Vergütungssysteme sind bei kleinen Streubesitzquoten besonders heikel, weil freie Aktionäre ohnehin nur begrenzten Einfluss haben. Die Abstimmung wird damit zu einem Signal, wie viel Kontrolle die Minderheitsaktionäre tatsächlich einfordern können.
Kapitalrahmen rückt in den Mittelpunkt
Schwerer wiegt Tagesordnungspunkt 9. OHB will sich ermächtigen lassen, Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtnennbetrag von bis zu 1,2 Milliarden Euro zu begeben. Die Ermächtigung soll bis 2031 laufen.
Flankierend plant der Raumfahrtkonzern ein Bedingtes Kapital 2026/I, das 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals entspricht. Ein weiteres Bedingtes Kapital für ein Aktienoptionsprogramm erlaubt die Ausgabe von bis zu 576.447 neuen Aktien, gedeckelt auf 3,0 Prozent des Grundkapitals.
Damit geht es um deutlich mehr als Formalien. Der Vorstand möchte für die kommenden Jahre einen breiten Finanzierungsrahmen schaffen. Die DSW-Kritik zeigt, dass ein Teil des Marktes diese Flexibilität enger kontrolliert sehen will.
Zum Stand 31. Mai lagen auf der HV-Seite noch keine Beschlüsse vor. Die Abstimmungsergebnisse sollen nach der Versammlung veröffentlicht werden.
Enge Aktie, starke Ausschläge
Am 29. Mai schloss die OHB-Aktie bei 442,50 Euro, ein Minus von 5,25 Prozent. Auffällig war nicht nur der Schlusskurs.
Die Bewegung fiel ohne neue Unternehmensmeldung aus. Das spricht dafür, dass die Marktstruktur selbst eine wichtige Rolle spielt.
Die Handelsspanne reichte im Tagesverlauf von 420,50 Euro bis 477,50 Euro. Umgesetzt wurden 14.873 Aktien.
Der Grund liegt in der Eigentümerstruktur. Nur 6 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz, während die Familie Fuchs 65 Prozent kontrolliert und KKR weitere 29 Prozent hält. Schon kleine Orderströme können deshalb große Kursausschläge auslösen.
KKR-Platzierung bleibt offen
KKR hält rund 29 Prozent an OHB und will etwa 20 Prozentpunkte davon platzieren. Damit würde die Beteiligung des Finanzinvestors auf eine einstellige Quote sinken.
Der geplante Verkauf wurde kurzfristig ausgesetzt. In dasselbe Zeitfenster fällt der Börsengang von SpaceX, der Aufmerksamkeit, Kapital und Bankenkapazitäten bindet. Für kleinere Platzierungen ist das ein klarer Nachteil.
Gelingt die Transaktion bis zum 30. Juni, könnte der Streubesitz von derzeit 6 Prozent auf rund 26 Prozent steigen. Das würde die Handelbarkeit der Aktie spürbar verbessern und die extremen Schwankungen zumindest dämpfen.
Operativ liefert OHB
Die Governance-Debatte trifft nicht auf operative Schwäche. Im ersten Quartal 2026 steigerte OHB die Gesamtleistung um 15,2 Prozent auf 279,3 Millionen Euro.
Das operative Ergebnis zog ebenfalls kräftig an. Das EBITDA sprang um 48 Prozent auf 25,7 Millionen Euro.
Auch unter dem Strich legte der Konzern deutlich zu. Das Konzernergebnis stieg um 150 Prozent auf 9,94 Millionen Euro.
Für 2026 plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro. Ein Jahr später sollen 1,7 Milliarden Euro erreicht werden.
Für 2028 peilt das Unternehmen mehr als 2,0 Milliarden Euro an. Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei 11 Prozent.
Am 8. Juni rückt damit vor allem Tagesordnungspunkt 9 in den Mittelpunkt. Stimmen die Aktionäre dem Kapitalrahmen zu, erhält OHB erheblichen Finanzierungsspielraum; Widerstand würde dagegen zeigen, dass die Governance-Debatte den engen Aktionärskreis erreicht hat.
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