OHB SE hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die nach einem der stärksten Halbjahre der Firmengeschichte aussehen: Die Gesamtleistung stieg im ersten Halbjahr 2026 um 11 Prozent auf 628 Millionen Euro, nach 564 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA kletterte um 31 Prozent auf 60 Millionen Euro, die entsprechende Marge verbesserte sich von 8,2 auf 9,6 Prozent. Trotz der frisch abgeschlossenen Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro legte damit auch die operative Ertragskraft zu. Der Markt reagierte darauf zunächst verhalten – die eigentliche Bewegung fand in den Tagen davor statt, ausgelöst durch eine Welle neuer Analystenbewertungen.
Auftragsbestand auf Rekordniveau, Prognose bestätigt
Der Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern bekräftigte seine Jahresprognose für 2026: Eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent sollen erreicht werden. Der Auftragsbestand erreichte laut Unternehmensmeldung nach sechs Monaten des Geschäftsjahres einen Rekordwert von 3,30 Milliarden Euro. Das Management sprach zudem von einer Projektpipeline im Umfang von rund 20 Milliarden Euro. CFO Tim Tecklenburg bezifferte den Anteil verteidigungsbezogener Aktivitäten an dieser Pipeline auf etwa 40 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark sich OHB inzwischen als Rüstungswert positioniert. Für dieses Jahr rechnet das Unternehmen zudem mit einer Aufnahme in SDAX und TecDAX.
Politische Rückenwind kommt unmittelbar aus Berlin: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte OHB vor wenigen Wochen und ließ sich Fortschritte beim Satellitenprogramm Sparrow zeigen. Parallel verhandelt OHB aktiv über das EU-Satellitenkommunikationsprogramm IRIS², wo das Unternehmen im Segment der mittleren Erdumlaufbahn mit 18 Satelliten eingebunden ist. Die Europäische Kommission hatte die Ambition geäußert, die Verhandlungen zur breiteren Konstellation noch über den Sommer abzuschließen. OHB positioniert sich im Zuge dieser Entwicklungen selbst als „europäischer Champion in der wachsenden Weltraumwirtschaft“ und verweist darauf, einer von nur drei großen Systemintegratoren für Raumfahrtsysteme in Europa zu sein.
Kapitalerhöhung verändert die Eigentümerstruktur
Im Juni hatte OHB eine Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro abgeschlossen und dabei 1.613.023 neue Aktien ausgegeben. Die Gründerfamilie Fuchs hält weiterhin 60,3 Prozent der Anteile, der Finanzinvestor KKR über seine Orchid Lux HoldCo 19,7 Prozent. Der Streubesitz stieg im Zuge der Transaktion ebenfalls auf 19,7 Prozent – eine Voraussetzung für die angestrebte Indexaufnahme. Die Bilanz befindet sich nach der Kapitalspritze inzwischen in einer Netto-Cash-Position, was dem Unternehmen Spielraum für die geplante Kapazitätsausweitung verschafft. Konkret sichtbar wird das etwa bei OHB Space UK, das sein Team von 14 auf über 100 Ingenieure aufstockt und in Bristol einen der größten Reinräume Englands errichtet – nachdem bereits ein Auftrag über 24 Millionen Euro für die ESA-Mission EnVision gesichert wurde. Auch die italienische Tochter OHB Italia baute ihr Geschäft aus: Sie erhielt von der Raumfahrtagentur ASI den Auftrag für die zweite Generation der hyperspektralen Erdbeobachtungsmission PRISMA, mit geplanter Mission bis Ende 2031, und agiert dabei als Hauptauftragnehmerin neben Thales Alenia Space Italia und Leonardo.
Analysten uneins über die Bewertung
Am 6. und 7. August meldeten sich zwei Häuser mit frischen Einschätzungen. Die Deutsche Bank nahm die Coverage mit „Buy“ und einem Kursziel von 275 Euro auf und begründete dies mit rund 35 Milliarden Euro, die allein Deutschland in den kommenden fünf Jahren für verteidigungsbezogene Raumfahrtausgaben vorgesehen habe – ein Volumen, das nach Einschätzung der Bank eine bedeutende Auftragspipeline für heimische Anbieter wie OHB schaffe. Das Management strebe demnach mittelfristig sogar eine Verdreifachung des Umsatzes an. NuWays AG bestätigte am 7. August sein „Buy“-Votum mit einem Kursziel von 340 Euro auf Basis eines DCF-Modells und verwies auf die Margenausweitung im zweiten Quartal bei moderaterem Wachstum – die für die Investment-These entscheidenden Großaufträge stünden aber weiterhin aus. Weitere Häuser nahmen die Coverage Anfang August mit Kurszielen zwischen 250 und 360 Euro auf, wobei ein Institut ein „Neutral“-Votum abgab und damit auf Bewertungs- und Ausführungsrisiken hinwies.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse zeigt sich diese Skepsis in der jüngeren Kursentwicklung. Zum Handelsschluss am Freitag stand die OHB-Aktie bei 235,00 Euro, nach einem Rückgang von knapp 13 Prozent über die vergangenen 30 Tage. Auf Jahressicht liegt das Papier trotz des jüngsten Rücksetzers noch immer mehr als 100 Prozent im Plus. Die Diskrepanz zwischen Rekordzahlen und fallendem Kurs verdeutlicht, dass der Markt die milliardenschwere Pipeline erst dann honorieren dürfte, wenn daraus tatsächlich unterschriebene Großaufträge werden. Der nächste Blick auf die Umsetzung folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 11. November terminiert sind.
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