OHB SE zeigt operativ ein starkes Bild – und trotzdem gibt die Aktie weiter nach. Der Widerspruch zwischen Geschäftsverlauf und Kursentwicklung prägt derzeit das Bild des Bremer Raumfahrtkonzerns.
Im ersten Halbjahr 2026 steigerte OHB seine Gesamtleistung auf 628 Millionen Euro, ein zweistelliges Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA kletterte um mehr als 30 Prozent auf 60 Millionen Euro.
Möglich wurde diese Entwicklung auch durch eine Kapitalerhöhung über 480 Millionen Euro, die die Nettoverschuldung auf das 1,1-fache des EBITDA drückte und die Eigenkapitalquote auf über 40 Prozent hievte – ein Wert, den das Unternehmen selbst als Zeichen finanzieller Robustheit wertet.
Auftragsbestand auf Rekordniveau
Bereits im ersten Quartal 2026 hatte OHB einen Auftragsbestand von 3.354 Millionen Euro gemeldet, den bislang höchsten Stand der Firmengeschichte. Den Löwenanteil davon steuert das Segment Space Systems mit 2.683 Millionen Euro bei, gefolgt von Access to Space mit 362 Millionen Euro und dem Digital-Segment mit 309 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr bestätigte das Management eine Gesamtleistung von rund 1,4 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent.
Hinter diesen Zahlen steht ein deutlich gewachsenes Unternehmen: Die Mitarbeiterzahl legte binnen eines Jahres um 50 Prozent auf knapp 4.100 zu, vor allem in operativen Funktionen. Parallel dazu bezifferte das Management die Pipeline an neuen Projekten auf rund 20 Milliarden Euro, mit Schlüsselverträgen bei ESA, EU und deutschen Verteidigungsprogrammen, die sich in finalen Verhandlungen befinden.
Milliardenauftrag verpufft an der Börse
Am vergangenen Dienstag unterzeichnete OHB mit dem europäischen Satellitenbetreiber SES einen Auftrag über knapp eine Milliarde Euro für die Entwicklung und den Bau von 18 Satellitenplattformen im Rahmen des europäischen Sicherheitsprogramms IRIS². Es ist der erste Großauftrag im Rahmen der IRIS²-Konzession, die Anfang August offiziell in ihre Umsetzungsphase gestartet war. Seit der Meldung legte die Aktie um 1,4 Prozent zu – angesichts der Auftragsgröße eine verhaltene Reaktion.
Deutlicher fiel die Reaktion auf den vor rund einem Monat vermeldeten Auftrag der italienischen Raumfahrtagentur ASI aus: OHB Italia erhielt den Zuschlag für die Erdbeobachtungsmission PRISMA Second Generation, geplant bis Ende 2031. Seither verlor die Aktie 19,3 Prozent an Wert.
Kurs unter Druck trotz operativer Stärke
Der aktuelle Kurs von 185,60 Euro liegt rund 23 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 241,53 Euro – ein deutliches Zeichen für den anhaltenden Abwärtstrend der vergangenen Wochen. Am Vortag hatte die Aktie noch bei 186,40 Euro geschlossen, die Bewegung der letzten Handelstage bleibt also moderat, während der mittelfristige Trend klar nach unten zeigt.
Anfang August hatten mehrere Analysten die Coverage für OHB aufgenommen, mit Kurszielen zwischen 250 und 360 Euro – Werte, die deutlich über dem aktuellen Niveau liegen. Ob diese Einschätzungen angesichts der jüngsten Kursverluste weiter Bestand haben, bleibt offen, zumal die Einstufungen inzwischen älter als vier Wochen sind.
Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld: Auftragsbestand, Umsatzwachstum und Profitabilität entwickeln sich positiv, während die Aktie unter dem Eindruck eines volatilen Marktumfelds und offenbar hoher Erwartungen leidet, die selbst milliardenschwere Neuaufträge nicht mehr erfüllen können.
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