Der Kurssturz der OHB-Aktie setzt sich unvermindert fort. Nachdem die Aktie des deutschen Raumfahrtunternehmens bereits in den letzten fünf Tagen um 15 Prozent eingebrochen ist, geht es auch am Freitag um weitere zwölf Prozent nach unten. Was steckt hinter der dramatischen Kursentwicklung von OHB?
Eine für Kleinanleger ungünstige Kapitalmaßnahme
Der weitere Einbruch der Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns ist die direkte Konsequenz aus einer fundamentalen und für Kleinanleger schmerzhaften Unternehmensentscheidung der letzten Tage. OHB hat am Montag eine massive Kapitalerhöhung im Volumen von bis zu 510,7 Millionen Euro beschlossen, um frisches Geld für die Expansion, den Ausbau der Produktion und neue Trägersysteme einzusammeln.
Der Knackpunkt: Die neuen Aktien wurden zu einem Festpreis von 300 Euro ausgegeben. Da die Aktie vor der Ankündigung noch deutlich höher notierte, zog dieser tiefe Ausgabepreis den Kurs wie ein Magnet nach unten. Am heutigen Freitag hat der Handel der ersten, riesigen Tranche dieser neuen Aktien begonnen. Dieses plötzliche Überangebot an Papieren drückt den Kurs folgerichtig direkt auf den Ausgabepreis von 300 Euro.
Was die Börse und vor allem die Privatanleger im Streubesitz so massiv verärgert hat, ist die Struktur dieser Kapitalmaßnahme. Die beiden größten Hauptaktionäre – die Gründerfamilie Fuchs sowie der Finanzinvestor KKR – haben freiwillig auf ihre Bezugsrechte verzichtet. Dadurch wanderte die erste Tranche (über 94 Prozent der neuen Aktien) direkt via beschleunigtem Verfahren an große, internationale institutionelle Investoren.
Für die freien Kleinanleger bleibt nur ein winziger Krümel von mageren 5,7 Prozent der neuen Aktien übrig. Das bedeutet im Klartext: Der Anteil der normalen Aktionäre am Unternehmen wird massiv verwässert, während sie gleichzeitig kaum eine Chance haben, günstig junge Aktien nachzukaufen.
Das verschärft den Verkaufsdruck
Im Zuge der Platzierung wurde bekannt, dass KKR nicht nur keine neuen Aktien bezieht, sondern parallel auch noch bis zu 1,2 Millionen bestehende Aktien aus dem eigenen Bestand auf den Markt wirft. Wenn ein so finanzstarker Insider im großen Stil Kasse macht, wertet der Markt das selten als Vertrauensbeweis, was den Verkaufsdruck der letzten 48 Stunden zusätzlich drastisch verschärft hat.
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