Im Reinraum des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB haben Anfang Juni 2026 die Montagearbeiten an der Weltraumsonde RAMSES begonnen. Das Projekt steht unter außergewöhnlichem Zeitdruck – der geplante Start der Sonde muss spätestens im Frühjahr 2028 erfolgen, damit sie den Asteroiden Apophis rechtzeitig vor dessen Erdvorbeiflug im April 2029 erreicht.
OHB-Aktie: Sonde soll Asteroiden beim Erdvorbeiflug aus nächster Nähe beobachten
RAMSES – kurz für „Rapid Apophis Mission for Space Safety“ – ist eine gemeinsame Planetenverteidigungsmission der europäischen Weltraumorganisation ESA und ihrem japanischen Pendant JAXA.
Im Mittelpunkt steht der rund 375 Meter große Asteroid Apophis, der am 13. April 2029 die Erde in einem Abstand von etwa 32.000 Kilometern passieren wird – näher als viele Kommunikationssatelliten und mit bloßem Auge sichtbar. Wissenschaftlich besonders interessant ist dabei die Frage, wie die Schwerkraft der Erde das Innere des aus lockerem Gestein, Staub und Eis bestehenden Himmelskörpers verändert. Zwei Kleinstsatelliten sollen dazu detaillierte Daten liefern, einer davon soll auf der Oberfläche des Asteroiden landen.
OHB-Aktie: Drei Jahre Bauzeit – und ein bewährtes Vorgängerprojekt als Vorlage
Den Auftrag für den Bau der Sonde hat die ESA an OHB Italia vergeben. OHB in Bremen verantwortet die Strukturintegration und arbeitet derzeit mit rund 35 Fachkräften an der tragenden Grundstruktur des Raumfahrzeugs. Die gesamte Entwicklung, Integration und Erprobung muss binnen 3,5 Jahren abgeschlossen sein – ein äußerst enger Zeitrahmen für ein Projekt dieser Komplexität, der nur dank der engen technischen Anlehnung an die ESA-Mission Hera realistisch erscheint, die OHB ebenfalls gebaut hatte.
Das Antriebsmodul soll Ende Juni zu ArianeGroup nach Lampoldshausen geliefert werden. Das zweite Hauptmodul mit der zentralen Bordelektronik entsteht parallel bei OHB Italia in Mailand. Beide Einheiten sollen Anfang 2027 bei der ESA-Technologiebasis ESTEC zusammengeführt werden. RAMSES-Projektleiter Diego Calzolaio zeigte sich zuversichtlich, den Zeitplan einhalten zu können.
OHB-Aktie: Starkes Kerngeschäft, aber Kapitalsorgen belasten den Kurs
Die positive operative Entwicklung des Konzerns – ein Auftragsrekord von 3,35 Milliarden Euro und ein Umsatzwachstum von 15 Prozent im ersten Quartal – steht derzeit im Schatten kapitalmarktbezogener Belastungsfaktoren.
Der Finanzinvestor KKR hält rund 29 Prozent an OHB und muss davon etwa 20 Prozentpunkte bis Ende Juni platzieren – eine Blocktransaktion, die den Markt mit einem großen Aktienpaket flutet. Hinzu kommt eine auf der Hauptversammlung am 8. Juni beschlossene Kapitalermächtigung, die Aktionärsschützer wegen des Verwässerungsrisikos für Bestandsaktionäre kritisieren.
Die Aktie verlor allein in der vergangenen Woche fast 15 Prozent und notiert derzeit rund 46 Prozent unter ihrem Allzeithoch von 688 Euro vom Mai 2026. Am Dienstagmorgen stand der Titel mit 7,4 % im Minus (Stand: 09.06.2026, 9:30 Uhr).
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