Erstmals seit der Kapitalerhöhung im Juni musste die OHB-Aktie am Montag ohne Schutz auskommen. Die Bank J.P. Morgan hatte den Kurs wochenlang stabilisiert. Jetzt bestimmen allein Angebot und Nachfrage den Preis — und das Papier hält sich knapp über einer entscheidenden Marke.
Die Stützung fällt weg
Am Freitagabend endete die vertraglich vereinbarte Stabilisierungsphase. Seit dem Abschluss der Kapitalerhöhung am 24. Juni 2026 hatte J.P. Morgan als koordinierende Bank übermäßige Kursausschläge abgefedert. Nötig wurde das, weil OHB 1.702.480 neue Aktien zu einem Bezugspreis von 300 Euro platziert hatte.
Der Montag war damit der erste Handelstag ohne dieses Sicherheitsnetz. Die Aktie schloss bei 242,50 Euro und legte um 1,04 Prozent zu. Sie notiert damit weiterhin deutlich unter dem Ausgabepreis der Kapitalerhöhung.
Die 200-Tage-Linie entscheidet
Der Zeitpunkt für das Ende der Stützung ist brisant. Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei 241,40 Euro. Mit dem Schlusskurs vom Montag liegt die Aktie nur 0,46 Prozent darüber.
Für Charttechniker ist das eine schmale Sicherheitsmarge. Der RSI liegt bei 34,4 und deutet auf eine beginnende überverkaufte Zone hin. Seit dem 52-Wochen-Hoch bei 688 Euro im Mai hat die Aktie rund 65 Prozent verloren. Eine Bodenbildung auf dem aktuellen Niveau gilt unter Marktbeobachtern als Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung.
Operatives Geschäft liefert Rückenwind
Während die Charttechnik im Vordergrund steht, kommen aus dem operativen Geschäft positive Signale. OHB erhielt im Rahmen der geplanten ESA-Mondmission eine Vorab-Genehmigung für MDA Space UK. Das unterstreicht die Rolle des Bremer Konzerns als Systemanbieter für komplexe Weltraum-Infrastruktur.
Zusätzlichen Rückenwind brachte der Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Der Minister signalisierte Unterstützung für den Ausbau deutscher Startkapazitäten. OHB begrüßte die Pläne und treibt über die European Spaceport Company eigene Vorbereitungen für flexible Startplattformen voran.
Was jetzt zählt
Für den weiteren Wochenverlauf ist entscheidend, ob die Aktie oberhalb der 200-Tage-Linie bleibt — nun ohne institutionelle Stützungskäufe. Der Auftragsbestand von zuletzt 3,35 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals bietet ein fundamentales Polster.
Das erhöhte Angebot an frei handelbaren Aktien nach der Kapitalerhöhung muss der Markt aber erst verdauen. Bei einer 30-Tage-Volatilität von über 70 Prozent bleiben kurzfristig kräftige Kursausschläge wahrscheinlich.
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