Die extrem hohe Volatilität der OHB-Aktie nimmt einfach kein Ende. Nachdem der Kurs des deutschen Raumfahrtunternehmens gestern um über sieben Prozent zugelegt hat, geht es am Freitag wieder um mehr als fünf Prozent nach unten. Was steckt hinter den Kursschwankungen?
Das hat die Börse kalt erwischt
Der heutige Kursrückgang der OHB-Aktie ist wahrscheinlich der überraschenden Meldung geschuldet, dass die vom zweiten Haupteigentümer, dem Finanzinvestor KKR, geplante großvolumige Aktienplatzierung vorerst gestoppt wurde. Diese Nachricht hat die Börse kalt erwischt.
Derzeit sind aufgrund der Eigentümerstruktur nur sechs Prozent der OHB-Aktie frei an der Börse handelbar. Das Ziel war es, den freien Streubesitz der Aktie mittelfristig von mageren auf rund 20 Prozent anzuheben.
Weder die Gründerfamilie Fuchs noch KKR haben bisher ein offizielles, detailliertes Statement abgegeben. Marktbeobachter sehen jedoch einen der drei folgenden Hauptgründe für die plötzliche Notbremsung heraus.
Erstens: Das Umfeld für Rüstungsaktien hat sich kurzfristig abgekühlt. OHB ist längst kein reines ziviles Raumfahrtunternehmen mehr. Durch das geplante Megaprojekt SATCOMBw-Stufe-4 (ein milliardenschweres militärisches Satellitennetzwerk, das OHB gemeinsam mit Rheinmetall aufbauen will) wird die Aktie am Markt stark als Verteidigungs- und Rüstungstitel eingestuft.
Zweitens: Es besteht möglicherweise Uneinigkeit über die finale Bewertung. Der Finanzinvestor KKR ist 2023/24 zu einem Kurs von gerade einmal 44 Euro je Aktie eingestiegen. Beim aktuellen Kursniveau bedeutet das eine Verzehnfachung des Kapitals durch KKR. Vielleicht waren einige institutionelle Großinvestoren (Fonds und Versicherungen), die die neuen Aktienpakete hätten kaufen sollen, nicht bereit, einen so hohen Preis zu bezahlen.
Drittens: Am 8. Juni 2026 findet die ordentliche Hauptversammlung von OHB statt. Bei diesem Treffen müssen die Aktionäre formell wichtige Beschlüsse fassen – unter anderem über die Schaffung des neuen genehmigten Kapitals, das für die Ausgabe der neuen Aktien im Rahmen der Kapitalerhöhung zwingend notwendig ist. Es gilt in Finanzkreisen als wahrscheinlich, dass die Banken dem Unternehmen geraten haben, die rechtlichen Beschlüsse der Hauptversammlung sauber abzuwarten und das regulatorische Fundament zu gießen, anstatt die Platzierung mitten in einer ohnehin extrem volatilen Handelswoche durchzuprügeln.
Aufgeschoben, nicht aufgehoben
Der Stopp der Kapitalmaßnahme ist kein Zeichen operativer Schwäche, sondern ein taktisches Manöver. Das Vorhaben ist nicht aufgehoben, sondern aufgeschoben.
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