Bei OHB ist es still geworden. Nach Wochen mit Großauftrag, Indexaufnahme und Raumfahrt-Meilensteinen liefert das Bremer Unternehmen derzeit keine neuen Fakten mehr – und die Aktie zahlt dafür einen Preis.
Der Kurs schloss am Freitag bei 177,80 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt jedoch ein anderes Bild: Auf Monatssicht steht ein Minus von 32 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro liegt das Papier sogar rund drei Viertel niedriger. Der Höchststand stammt aus dem Frühjahr, seither hat sich die Bewertung deutlich normalisiert.
Eine Rally verdaut sich selbst
Der SES-Vertrag über knapp eine Milliarde Euro für 18 Satellitenplattformen im Rahmen des europäischen Programms IRIS² hatte die Aktie Ende August zeitweise um fast 10 Prozent nach oben katapultiert und OHB zum Spitzenreiter im SDAX gemacht.
Vor gut drei Wochen unterzeichnet, notiert das Papier seither jedoch rund 10 Prozent niedriger. Auch der rund zwei Wochen zurückliegende Auftrag für die Satellitenplattformen selbst hat den Abwärtstrend nicht stoppen können – seit Bekanntgabe steht ein Minus von 2,8 Prozent.
Ähnlich verhält es sich mit der SDAX-Aufnahme, die STOXX bereits Mitte August außerplanmäßig vollzogen hatte: Seit rund einem Monat hat die Aktie 31,4 Prozent verloren.
Auch der Vertrag der OHB-Beteiligung Rocket Factory Augsburg mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA im Rahmen der European Launcher Challenge, unterzeichnet vor rund zwei Wochen, konnte den Trend nicht drehen – seither liegt das Minus bei 5,8 Prozent. Die Vereinbarung sieht die Weiterentwicklung der Trägerrakete RFA ONE Block 2 sowie den Ausbau der Bodeninfrastruktur bis Mitte 2029 vor.
Das Muster ist damit erkennbar: Jede positive Meldung hat kurzfristig für Kurssprünge gesorgt, wurde aber anschließend abverkauft. Anleger scheinen die vorangegangene Kursvervielfachung – auf Jahressicht steht trotz der jüngsten Schwäche noch immer ein Plus von 166 Prozent zu Buche – als Gelegenheit zur Gewinnmitnahme zu nutzen.
Technisches Bild spricht für Konsolidierung
Der Titel notiert derzeit rund 23 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und ebenso deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der Relative-Stärke-Index von 33,3 signalisiert eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 76 Prozent die Nervosität im Handel widerspiegelt. Beides deutet darauf hin, dass der Ausverkauf der vergangenen Wochen fortgeschritten ist, ohne dass sich bislang eine klare Stabilisierung abzeichnet.
Fundamentale Anhaltspunkte für eine kurzfristige Trendwende fehlen derzeit. Der nächste terminierte Fixpunkt für Anleger ist die Analystenveranstaltung von Berenberg am 21. September, gefolgt von den Quartalszahlen am 12. November.
Bis dahin dürfte die Aktie vor allem von der allgemeinen Risikobereitschaft am Markt und der Nachwirkung der zurückliegenden Auftragsmeldungen getrieben werden – konkrete neue Unternehmensnachrichten liegen derzeit nicht vor.
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