OHB kämpft an einer entscheidenden Marke. Die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns fällt am Donnerstag um 2,41 Prozent auf 242,50 Euro. Damit nähert sich der Kurs dem 200-Tage-Durchschnitt bei 240,11 Euro – der Trennlinie zwischen langfristigem Aufwärts- und Abwärtstrend.
Steiler Absturz nach starkem Lauf
Der Rückgang kommt nach einer heftigen Korrektur. Binnen 30 Tagen hat die Aktie fast 36 Prozent verloren.
Vom Mai-Hoch bei 688 Euro trennen den Kurs inzwischen fast 65 Prozent. Das zeigt, wie schnell sich die Stimmung gedreht hat.
Rutscht die Aktie nachhaltig unter die 200-Tage-Linie, rückt eine deutlich tiefere Marke in den Blick. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 64 Euro. Der RSI von 33,7 signalisiert bereits eine überverkaufte Lage, ohne dass eine Bodenbildung bestätigt ist.
Kapitalerhöhung schürt Nervosität
Der Verkaufsdruck hat eine klare Ursache: Die Aktionärsstruktur von OHB verändert sich gerade grundlegend. Im Juni sammelte das Unternehmen rund 482 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung ein und platzierte dafür etwa 1,7 Millionen neue Aktien zu je 300 Euro.
Parallel dazu reduzierte der Finanzinvestor KKR seinen Anteil. Der Streubesitz wuchs dadurch von rund 6 Prozent auf offiziell 19,2 Prozent bei voller Ausübung der Greenshoe-Option. Die Familie Fuchs bleibt mit über 60 Prozent weiterhin klare Mehrheitsaktionärin.
Ein weiterer Termin dürfte die Nervosität zusätzlich verstärken. Die Stabilisierungsphase der Bank J.P. Morgan SE endet planmäßig an diesem Freitag, dem 24. Juli. Bis dahin stützte die Bank den Kurs nach der Platzierung – danach fehlt dieser Puffer.
Auftragsbestand als Gegengewicht
Trotz der Kursschwäche liefert das operative Geschäft weiter positive Signale. Erst vor zwei Tagen konkretisierte OHB auf der Farnborough International Airshow seine Rolle in der europäischen Mondmission Argonaut. Die Tochter OHB System AG erteilte MDA Space UK einen Vorab-Auftrag für die Entwicklung der LEIA-LiDAR-Sensoren.
Diese Sensoren sollen künftigen ESA-Mondlandern eine autonome Gefahrenerkennung ermöglichen. OHB verantwortet im Argonaut-Programm zusätzlich Navigation, Kommunikation und Stromversorgung.
Auch der Auftragsbestand liefert Rückhalt. Er kletterte zuletzt auf ein Rekordniveau von rund 3,35 Milliarden Euro und sichert damit hohe Sichtbarkeit für die Umsätze der kommenden Jahre.
Ob dieser fundamentale Rückhalt reicht, um die 200-Tage-Linie zu verteidigen, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen. Mit dem Ende der Stabilisierungsphase am 24. Juli und einer annualisierten Volatilität von fast 80 Prozent bleibt der Handel angespannt.
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