Ölpreis-Hoffnung und dichteste Berichtswoche des Sommers!

Zum Wochenstart rückt die Ölpreis-Entspannung in den Fokus, während die dichteste Berichtswoche des Sommers mit Palantir, AMD, Pfizer und Disney beginnt.

Auf einen Blick:
  • Ölpreis fällt nach Trump-Ankündigung
  • Halbleiterindex SOX verliert 21 Prozent
  • Palantir, AMD, Pfizer und Disney legen vor
  • SpaceX erstmals als börsennotiertes Unternehmen

Der Start in die neue Börsenwoche steht im Zeichen zweier Themen: der Hoffnung auf eine Entspannung im Ölmarkt und dem Beginn der wohl dichtesten Berichtswoche des Sommers. US-Präsident Trump hat für heute neue Gespräche mit dem Iran angekündigt, woraufhin der Ölpreis über Nacht deutlich zurückgegangen ist. Die Terminmärkte, insbesondere aus den USA, signalisieren für den Wochenstart zusätzlich einen freundlichen Einstieg.

Halbleiter erleben schwärzesten Monat seit der Finanzkrise

Der Rückblick auf den Juli fällt turbulent aus. Der Halbleiterindex SOX verlor im vergangenen Monat rund 21 Prozent – der schlechteste Monat seit Herbst 2008, also seit der Finanzkrise. An fast jedem zweiten Handelstag schwankte der Index um mehr als 4 Prozent in die eine oder andere Richtung, was einem regelrechten Nervenkrieg an den Märkten gleichkam.

Hintergrund ist ein Umdenken der Anleger. Monatelang galten Wetten auf Halbleiterwerte praktisch als Einbahnstraße, getragen von milliardenschweren Investitionsplänen der Hyperscaler und einem extremen Nachfragedruck. Unternehmen und Analysten hatten wiederholt signalisiert, dass die Nachfrage bis ins Jahr 2028 stark bleiben könnte. Inzwischen stellen Investoren jedoch infrage, ob die Investitionen der großen Technologiekonzerne in dieser Höhe tragfähig bleiben. Hinzu kommt, dass chinesische Konkurrenz sowohl bei der Hardware als auch bei KI-Modellen deutlich aufgeholt hat und diese Modelle zunehmend effizienter werden. Eine Theorie besagt, dass dadurch die Nachfrage nach Rechenzentren nachlassen könnte – dem steht die Gegenposition entgegen, dass effizientere Technologien die Nachfrage durch breitere Zugänglichkeit sogar anheizen könnten. Welche These sich durchsetzt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.

Der Ölmarkt bleibt dabei einer der sensibelsten Bereiche, da er nicht nur Unternehmenskosten, sondern auch Verbraucherpreise und damit die Inflation beeinflusst. Sollten die angekündigten Gespräche tatsächlich zu einer Entspannung führen, würde das Anleihen und Aktien gleichermaßen stützen. Angesichts der als erratisch beschriebenen politischen Kommunikation bleibt allerdings offen, ob Anleger dieser Entwicklung tatsächlich trauen oder eine abwartende Haltung einnehmen, die den positiven Impuls verpuffen lassen könnte.

Palantir, AMD, Pfizer und Disney im Fokus

Die Berichtssaison erreicht diese Woche einen ihrer Höhepunkte. Den Anfang macht Palantir, das nach US-Börsenschluss Zahlen vorlegt. Der Markt rechnet mit einem Umsatz von rund 1,81 Milliarden Dollar, einem Plus von etwa 80 Prozent zum Vorjahr, sowie einem Gewinn je Aktie zwischen 34 und 35 Cent. Im ersten Quartal hatte Palantir mit einem Umsatzwachstum von 85 Prozent das stärkste Wachstum seiner Geschichte verzeichnet, das kommerzielle Geschäft legte damals um über 100 Prozent zu. Palantir konnte in den vergangenen acht Quartalen in Folge die Erwartungen übertreffen, dennoch liegt die Aktie rund 40 Prozent unter ihrem Höchststand und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Minus von rund 30 Prozent. Die Aktie wird weiterhin mit einem hohen Vielfachen des Umsatzes bewertet, was den Spielraum für Enttäuschungen gering hält. Analysten hatten zuletzt Kursziele im Bereich von 200 Dollar genannt. Die Optionsmärkte preisen für den Abend eine Kursbewegung von rund 12 Prozent ein.

AMD legt morgen nach Börsenschluss Zahlen vor. Für das zweite Quartal erwartet der Markt einen Umsatz von rund 11,3 Milliarden Dollar, ein Plus von etwa 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen Gewinn je Aktie von 1,61 Dollar – mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts. In den vergangenen vier Quartalen übertraf AMD stets die Umsatzerwartungen. Die Aktie legte seit Jahresbeginn trotz eines jüngsten Rücksetzers um über 100 Prozent zu. Auf der eigenen Hausmesse im Juli hatte AMD die nächste Generation seiner KI-Beschleuniger vorgestellt, direkt positioniert gegen die Spitzenmodelle von Nvidia. Mehrere Banken haben ihre Kursziele zuletzt angehoben. Auch hier signalisieren die Optionsmärkte eine Bewegung von gut 12 Prozent.

Pfizer berichtet morgen vor US-Handelsstart. Der Konzern steht vor einer bedeutenden Patentklippe: Produkte mit auslaufendem Patentschutz bis 2030 stehen für rund 17 Milliarden Dollar Umsatz, die in den kommenden Jahren wegbrechen könnten, hinzu kommt das schrumpfende Covid-Geschäft. Der Markt erwartet einen Umsatz von 14,4 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von rund 68 Cent. Im Fokus steht, wie das Management die Lücke mit der Krebssparte und neuen Abnehmmedikamenten schließen will. Analysten rechnen mit einem im Rahmen der Erwartungen liegenden Umsatz, eventuell mit einer leichten Gewinnenttäuschung.

Walt Disney berichtet am Mittwoch vor Börseneröffnung – das erste volle Quartal unter dem neuen Konzernchef Josh D’Amaro. Der Markt erwartet einen Gewinn von rund 1,85 Dollar je Aktie und einen Umsatz von etwa 25,4 Milliarden Dollar, das stärkste Umsatzplus seit mehr als drei Jahren. Die Aktie verzeichnet seit Jahresbeginn ein Minus von mehr als 15 Prozent. Entscheidend wird sein, ob Stärke im Streaming- und im Erlebnisgeschäft den erwarteten Rückgang im Sportgeschäft ausgleichen kann. Eine Großbank hatte zuletzt vorgerechnet, dass ein Rückzug aus dem kostenintensiven Streaming zugunsten des Lizenzgeschäfts den Aktienkurs beflügeln könnte.

SpaceX vor der ersten Zahlenvorlage als börsennotiertes Unternehmen

Am Dienstag legt SpaceX erstmals als börsennotiertes Unternehmen Quartalszahlen vor. Das Unternehmen wird mit rund anderthalb Billionen Dollar bewertet, wobei sich diese Bewertung fast vollständig auf Starlink stützt. Starlink steuerte im vergangenen Jahr über 60 Prozent des Umsatzes bei und ist der einzige operativ profitable Bereich. Die Raumfahrtsparte und das nach der Fusion mit xAI hinzugekommene KI-Geschäft verbrennen dagegen Milliarden – die KI-Sparte verzeichnete im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von über 6 Milliarden Dollar, insgesamt stand ein Nettoverlust von fast 5 Milliarden Dollar.

Für das anstehende Quartal erwartet der Markt einen Umsatz von knapp 7 Milliarden Dollar, erneut bei tiefroten Zahlen. Die Schätzungen zum Ertrag je Aktie liegen so weit auseinander, dass sich kein klarer Konsens bilden lässt. Die Aktie notierte Ende letzter Woche bei gut 108 Dollar, deutlich unter dem IPO-Preis von 135 Dollar. Am Donnerstag läuft zudem die erste Sperrfrist für Mitarbeiter und frühe Investoren aus, was im Extremfall über 900 Millionen zusätzliche Aktien in den Markt drücken könnte. Das würde einerseits die Handelsliquidität erhöhen, andererseits in der aktuell nervösen Börsenlage für erhebliche Volatilität sorgen. SpaceX zählt bereits zu den am stärksten leerverkauften Werten am Markt.

Rocket Lab und AST SpaceMobile: Boden in Sicht?

Neben SpaceX richtet sich der Blick auf etablierte Weltraumwerte, die in den vergangenen Monaten deutlich korrigiert haben. Rocket Lab fiel von Höchstkursen um die 130 Dollar auf zuletzt rund 65 Dollar. Das Unternehmen wandelt sich vom reinen Raketenstartanbieter zu einem breiter aufgestellten Weltraumkonzern. Treiber sind die geplante Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium, die wiederkehrende Kommunikationsumsätze mit hohen Margen bringen soll, sowie das wachsende Verteidigungsgeschäft – Rocket Lab gewann jüngst einen Auftrag der US-Weltraumstreitkräfte über 266 Millionen Dollar. Der Gesamtrahmen des Startprogramms der Streitkräfte wurde von 5,5 auf 17 Milliarden Dollar angehoben. Iridium setzte im vergangenen Jahr rund 872 Millionen Dollar um, bei einer operativen Marge von etwa 57 Prozent. Rocket Lab legt am 10. August Zahlen vor, die Wall Street erwartet rund 60 Prozent Umsatzwachstum.

AST SpaceMobile verzeichnete den härtesten Kursrückgang der Branche, von über 120 auf zuletzt knapp 60 Dollar. Auslöser waren ein Fehlstart eines Satelliten, ein schwaches erstes Quartal und eine Kapitalerhöhung über eine Milliarde Dollar. Das Geschäftsmodell basiert auf Satelliten, die sich direkt mit herkömmlichen Smartphones verbinden können. Das Unternehmen verfügt über rund 3,5 Milliarden Dollar an Barmitteln, genug, um über 100 Satelliten zu bauen. Mehr als 60 Mobilfunkpartner mit Zugang zu über 3 Milliarden Nutzern sowie vertraglich zugesagte Aufträge von über 1,2 Milliarden Dollar unterstreichen die Geschäftsbasis. Für dieses Jahr erwartet das Management einen Umsatz zwischen 150 und 200 Millionen Dollar, im kommenden Jahr könnte die Milliardengrenze erreicht werden. Die Bewertung mit dem 100-Fachen des erwarteten Umsatzes gilt als hoch, würde sich bei Erreichen der Milliardengrenze aber relativieren. Die Quartalszahlen stehen am 11. August an.

Ausblick auf eine ereignisreiche Woche

Neben den genannten Schwergewichten berichten in dieser Woche weitere prominente Namen wie Merck, Gilead, BP, Airbnb und Uber. Die Berichtssaison dürfte damit ein klares Bild liefern, welche Sektoren derzeit in guter und welche in fragwürdiger Verfassung sind. Ölpreis, globale politische Entwicklungen und die Volatilität an den Märkten werden die Woche zusätzlich begleiten.

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