Öl treibt die Angst, Apples 2.000-Dollar-Wette und ein Börsengang durch die Hintertür

Öl über 100 Dollar belastet den DAX, Apple setzt auf teure Faltmodelle und Innok plant den Börsengang über eine bestehende Hülle.

Auf einen Blick:
  • DAX fällt unter 26.000 Punkte
  • Brent-Preis überschreitet 100-Dollar-Marke
  • Apple präsentiert faltbares iPhone Duo
  • Innok plant Börsenhüllen-Transaktion im Oktober

Politisches Zwischenspiel mit Marktreaktion

Der US-Präsident hat auf einem Parteitag der Republikaner in Dallas eine Idee präsentiert, die selbst hartgesottene Beobachter aufhorchen ließ: 5000 Dollar für jeden erwachsenen Amerikaner, sollte seine Partei bei den Zwischenwahlen im November beide Kammern des Kongresses halten. Er selbst nannte den Vorschlag „Trump-Dividende“. Die amerikanische Staatsverschuldung hat erst vor wenigen Wochen erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Ein Scheck über 5000 Dollar an jeden erwachsenen Bürger würde nach Berechnungen von Nachrichtenagenturen deutlich mehr als eine Billion Dollar kosten. Selbst Parteifreunde reagierten verhalten – Senator Ted Cruz aus Texas brachte stattdessen eine Steuerrückerstattung mit Arbeitsnachweis ins Spiel.

Der Anleihenmarkt nahm die Ankündigung praktisch nicht zur Kenntnis: Die Terminkontrakte auf US-Staatsanleihen blieben nach der Rede ruhig, was als Zeichen dafür gilt, dass Profis dem Vorschlag kaum Realisierungschancen einräumen.

DAX unter 26.000 Punkten – Ölpreis als Belastungsfaktor

Der gestrige Handelstag war für deutsche Anleger ungemütlich. Der DAX verlor 1,66 Prozent und schloss bei 25.576,45 Punkten – damit deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 26.000 Punkten und auf dem Niveau von Ende Juli. Bemerkenswert war das hohe Handelsvolumen, das auf breites Verkaufsinteresse und nicht nur auf vereinzelte Nervosität hindeutet. Der MDAX gab um 1,4 Prozent nach.

Ursache war erneut der Ölpreis: Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete erstmals seit Mai wieder mehr als 100 Dollar, raffinierte Produkte legten sogar noch stärker zu. Hintergrund ist die Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, die sich inzwischen bis ins Rote Meer nahe Saudi-Arabien ausgeweitet hat. Die bekannte Kette lautet: steigende Energiepreise, steigende Inflation, potenziell steigende Zinsen.

Diese Entwicklung dürfte in den kommenden Tagen relevant bleiben. Die Europäische Zentralbank entscheidet heute über die Zinsen, erwartet wird die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Am Freitag folgen die amerikanischen Preisdaten, die möglicherweise die Grundlage für einen ähnlichen Zinsschritt der US-Notenbank liefern. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag zuletzt bei rund 4,85 Prozent – ein Niveau, das seit langem nicht mehr erreicht wurde. Das US-Finanzministerium hatte zur Wochenmitte versucht, mit einem aufgestockten Rückkaufprogramm für länger laufende Anleihen gegenzusteuern. Finanzminister Bessent äußerte sinngemäß, er bestimme die Regeln. Trotz eines Volumens von 6 Milliarden Dollar für Aufkäufe reagierte der Markt kaum – die Aktion wurde vielfach als Symbolpolitik gewertet, die am eigentlichen Problem steigender Finanzierungskosten des Staates nichts ändert.

Apple stellt erstes faltbares iPhone vor – neuer Chef auf der Bühne

Apple hat am Mittwoch seine Herbstshow abgehalten – ein Abend mit doppelter Bedeutung. Zum einen präsentierte der Konzern sein erstes faltbares iPhone, das iPhone Duo. Zum anderen stand erstmals ein neuer Mann im Rampenlicht: John Ternus hat am 1. September die Konzernführung übernommen, während der langjährige Chef Tim Cook als Executive Chairman an Bord bleibt und die Präsentation aus dem Publikum verfolgte.

Das iPhone Duo klappt auf einen Bildschirm von 7,6 Zoll auf – das größte Display, das je in einem iPhone verbaut wurde. Zusammengeklappt zeigt das Gerät einen äußeren Bildschirm von 5,4 Zoll. Ternus bezeichnete faltbare Geräte der Konkurrenz sinngemäß als „umständlich zusammengeklebte Telefone“ und versprach ein stabileres Gefühl mit deutlich weniger Knick in der Bildschirmmitte.

Der Preis beginnt auf hohem Niveau für die Variante mit 256 GB Speicher und steigt für die Version mit 2 TB deutlich weiter an. Vorbestellungen starten am 16. Oktober, der Verkauf beginnt am 23. Oktober. Zusätzlich wurden neue Pro-Modelle vorgestellt: Das iPhone 18 Pro und das Pro Max sind beide teurer als ihre Vorgänger. Ein reguläres iPhone 18 zum Einstiegspreis fehlte in der Präsentation und soll erst im Frühjahr folgen.

Preisstrategie statt Stückzahlwachstum

Apple scheint den Durchschnittspreis pro verkauftem Gerät erhöhen zu wollen, ohne zwingend mehr Geräte absetzen zu müssen. Aus dem Analystenlager kam die Rechnung, dass der Umsatz steigen kann, selbst wenn die Stückzahlen stagnieren oder leicht sinken – solange der Anteil teurer Modelle zunimmt.

Hintergrund dürfte ein Kostenproblem sein: Die Preise für Speicherchips sind seit einem Jahr massiv gestiegen. Aus dem Umfeld einer amerikanischen Wirtschaftszeitung war zu hören, dass sich die Speicherkosten für manche Konfigurationen verdrei- bis vervierfacht haben könnten. Apple kann diese Mehrkosten selbst tragen oder an Kunden weitergeben. Übersteigt der Pro-Aufschlag die tatsächlichen Mehrkosten für Speicher, verdient Apple pro Gerät sogar mehr als zuvor.

Das faltbare iPhone selbst gilt als Risiko: Faltbare Telefone haben trotz jahrelanger Vorstöße von Samsung und anderen Herstellern bislang nie richtig abgehoben, die weltweiten Auslieferungen sind im ersten Halbjahr sogar geschrumpft. Auch an das teure Vision-Pro-Headset, das ein Nischenprodukt blieb, wird in diesem Zusammenhang erinnert.

Marktbeobachter skizzieren drei Szenarien: Im vorsichtigen Fall verkauft Apple nur wenige Millionen Duos jährlich mit kaum spürbarem Effekt auf den Konzernumsatz. Im mittleren Szenario könnte das Gerät einen überschaubaren Beitrag von geschätzt rund 3 Prozent des Konzernumsatzes liefern. Im optimistischsten Fall könnte das Duo eines Tages 5 bis 6 Prozent zum Umsatz beisteuern.

Zwei Faktoren bleiben zentral: Erstens das Dienste-Geschäft, in dem Apple über App Store und Abonnements Margen jenseits der 70 Prozent erzielt und das verlässlich weiterwächst. Zweitens die Bewertung: Apple wird derzeit mit dem rund 33-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, gegenüber einem historischen Durchschnitt von etwa dem 30-fachen. Die Aktie gilt damit als ambitioniert bewertet.

Reverse-IPOs: Die Rückkehr der Börsenhülle

Eine Mitteilung wirft ein Schlaglicht auf eine besondere Entwicklung an den Kapitalmärkten. Die Innok Robotics GmbH aus der Oberpfalz, ein Hersteller autonomer mobiler Roboter für den Außeneinsatz, plant den Sprung an die Börse – jedoch nicht über den klassischen Weg eines Börsengangs. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ein Rekordjahr hinter sich, der Auftragseingang wurde zuletzt verdoppelt, zu den Kunden zählen Siemens, BASF, Bosch, ABB, Mercedes und Volvo.

Innok will in die bereits börsennotierte Hülle der Yggdrasil SPAC 1 AG aus Augsburg schlüpfen, eine Gesellschaft, die einzig zu diesem Zweck an die Börse gebracht wurde. Die Hauptversammlung soll am 21. Oktober zustimmen. Anschließend übernimmt Innok-Gründer und -Chef Alwin Heerklotz die Führung, das bisherige Management der Hülle zieht sich zurück, und die Gesellschaft soll in Innok Robotics Group AG umbenannt werden. Technisch läuft die Transaktion über eine Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage mit rund 10 Millionen neuen Aktien. Ein Wirtschaftsprüfer hat den Mindestwert von Innok auf rund 94,6 Millionen Euro taxiert. Die Altgesellschafter unterliegen einer 18-monatigen Verkaufssperre für ihre neuen Aktien.

Dieser als „Reverse IPO“ bezeichnete Weg ist kein Einzelfall. In den USA erlebt das verwandte SPAC-Vehikel – eigens gegründete Blankoscheck-Gesellschaften zur späteren Übernahme eines Unternehmens – eine Wiederauferstehung: Bis Anfang September gab es in diesem Jahr je nach Zählung 148 oder 149 neue SPAC-Börsengänge, verglichen mit 144 im gesamten Jahr 2025. Auffällig ist, dass zunehmend europäische Technologiefirmen aus Bereichen wie Quantencomputing, autonomen Systemen und Biotech diesen Weg wählen.

Drei Beispiele verdeutlichen den Trend: IQM Quantum Computers aus Finnland, 2018 gegründet und mit großen Standorten unter anderem in München, ging über eine Fusion mit dem SPAC Real Asset Acquisition Corp. an die Nasdaq. Seit dem 2. Juli wird die Aktie unter dem Kürzel IQMX gehandelt, durch Fusion und begleitende Privatplatzierung flossen netto 233 Millionen Dollar zu. IQM gilt als erstes börsennotiertes europäisches Quantenunternehmen an der Nasdaq und wird im mittleren Milliardenbereich bewertet, wobei der Kursverlauf bislang verhalten ausfiel.

Einride aus Schweden, Spezialist für autonome und elektrische Lastwagen, vollzog die Fusion mit einem amerikanischen SPAC im Juni und wird seither unter dem Kürzel ENRD gehandelt. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr spürbar, für das zweite Halbjahr wurde weiteres Wachstum in Aussicht gestellt, unter anderem mit Projekten für Amazon. Autonomes Fahren im Schwerlastverkehr bleibt jedoch ein kapitalintensives Geschäft.

Pasqal aus Frankreich, ein Quantencomputerspezialist mit Fokus auf Neutral-Atome, ging Ende August unter dem Kürzel PSQL an die Börse. Am ersten Handelstag schoss die Aktie um rund 60 Prozent nach oben. Das Unternehmen wird mit rund 1,7 Milliarden Dollar bewertet.

Eine Auswertung von fast 700 abgeschlossenen SPAC-Fusionen zeigt, dass nur ein kleiner Teil dieser Aktien über dem ursprünglichen Ausgabepreis von 10 Dollar notiert – der Großteil dieser Konstruktionen hat einen erheblichen Teil seines Wertes verloren. Für die Unternehmen selbst ist die Kapitalbeschaffung meist erfolgreich, für später einsteigende Anleger dagegen häufig ein Verlustgeschäft. Die aktuelle SPAC-Welle gilt als thematisch anspruchsvoller als frühere Zyklen, da sie echte Spitzentechnologie an die Börse bringt – die strukturellen Risiken, etwa durch abziehende Ursprungsinvestoren, bleiben jedoch bestehen.

Im Fall Innok bleiben die weiteren Details zur Hauptversammlung im Oktober abzuwarten. Das Unternehmen verfügt im Gegensatz zu manchen Konstrukten über ein reales Geschäft mit bestehenden Kunden und wachsenden Aufträgen.

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