Ocugen hat am Donnerstag vergangener Woche Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorgelegt und zugleich einen wichtigen klinischen Meilenstein bestätigt: Die FDA hat den Start der Phase-3-Studie zu OCU410 freigegeben. Das Präparat richtet sich gegen geografische Atrophie infolge trockener altersbedingter Makuladegeneration. Ocugen erklärte, die Studie noch in diesem Quartal beginnen zu wollen.
Kapitalpolster deutlich aufgestockt
Zum 30. Juni verfügte das Unternehmen über 100,4 Millionen Dollar an Zahlungsmitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und zweckgebundenen Barmitteln – zum 31. März waren es noch 32,2 Millionen Dollar. Der sprunghafte Anstieg geht auf eine im selben Zeitraum abgeschlossene Wandelanleihe über 130 Millionen Dollar zurück.
Ocugen teilte mit, dass die Liquidität nun bis in das Jahr 2028 reicht. Für ein Unternehmen, das sich mitten in einer teuren Zulassungsstudie befindet, ist das ein zentraler Faktor: Anleger bewerten Biotech-Werte häufig danach, wie lange das Geld bis zu den nächsten Studiendaten reicht.
Die Kehrseite zeigt sich in der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Nettoverlust je Aktie lag im zweiten Quartal bei 0,07 Dollar, nach 0,05 Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz belief sich auf 1,49 Millionen Dollar, während die operativen Aufwendungen auf 17,9 Millionen Dollar kletterten. Ocugen begründete den Anstieg mit höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung – ein direkter Ausdruck der anlaufenden Phase-3-Aktivitäten für OCU410.
RMAT-Status als regulatorischer Rückenwind
Bereits Ende Juli hatte die FDA OCU410 den RMAT-Status (Regenerative Medicine Advanced Therapy) für die Behandlung der geografischen Atrophie zuerkannt. Diese Einordnung kann die Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde beschleunigen und eröffnet unter bestimmten Voraussetzungen einen schnelleren Zulassungsweg.
In Kombination mit der nun erteilten Freigabe für den Phase-3-Studienstart bündelt sich damit innerhalb weniger Wochen mehrfach positive regulatorische Nachrichtenlage für das Präparat.
Ocugen kündigte zudem Veränderungen im Management an, ohne dass bislang weitere Details zur personellen Neuausrichtung vorliegen.
Kurs reagiert verhalten
An der Börse zeigt sich die Nachrichtenlage bislang nur gedämpft im Kursverlauf. Die Aktie notiert aktuell bei 1,18 Euro und damit rund die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2,35 Euro, das im März markiert wurde.
Auf Sicht von sieben Tagen steht dagegen ein Plus von 13 Prozent – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der jüngsten Meldungen bereits eingepreist wurde, bevor die Quartalszahlen selbst am Kapitalmarkt vergleichsweise nüchtern aufgenommen wurden.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweischneidig: Der verlängerte Cash-Runway bis 2028 nimmt kurzfristigen Finanzierungsdruck von der Aktie, während die klinische Story mit dem Start der Phase-3-Studie in eine entscheidende Phase eintritt. Ob sich die regulatorischen Fortschritte in einer nachhaltigen Kursbewegung niederschlagen, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie zügig erste Studienergebnisse folgen.
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