Oatly wächst weiter, verdient aber weniger als gedacht. Die Schweden senken ihre Prognose für das bereinigte EBITDA 2026 drastisch, und die Aktie gab im Handel zeitweise rund 30 Prozent nach. Ausschlaggebend sind Fracht- und Kraftstoffkosten in Nordamerika.
Wachstum und Marge legen zu
Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 9,1 Prozent auf 243,1 Millionen Dollar und übertraf damit die Erwartungen leicht. Die Bruttomarge kletterte auf 34,1 Prozent, ein Plus von 4,4 Prozentpunkten. Das bereinigte EBITDA lag bei 9,4 Millionen Dollar, nach 3,1 Millionen im Vorjahr.
Der Nettoverlust halbierte sich auf 27,5 Millionen Dollar. Je Aktie fiel der Verlust mit 0,86 Dollar allerdings höher aus als von Analysten mit 0,80 Dollar erwartet.
Treiber ist Europa. Dort wuchs der Umsatz währungsbereinigt um 20,4 Prozent, vor allem dank der Barista-Produkte. In Deutschland stieg die Haushaltsdurchdringung binnen eines Jahres von 7,0 auf 9,1 Prozent. Nordamerika legte moderat zu und erreichte erstmals ein leicht positives Segment-EBITDA.
Greater China bleibt Sorgenkind
Schwach läuft es in Greater China. Der Umsatz sank währungsbereinigt um 19,3 Prozent, der Wettbewerb im Foodservice drückt auf die Mengen. Das Segment rutschte in die Verlustzone. Die strategische Überprüfung des Geschäfts soll nach Unternehmensangaben im Jahr 2026 abgeschlossen werden. Weitere Updates will Oatly erst nach einem Verwaltungsratsbeschluss liefern.
Die Prognose belastet
Das Umsatzziel bleibt bei 8 bis 10 Prozent währungsbereinigtem Wachstum. Beim bereinigten EBITDA rechnet Oatly nun nur noch mit 16 bis 20 Millionen Dollar, zuvor waren 25 bis 35 Millionen Dollar angepeilt. CEO Jean-Christophe Flatin erklärte, die jüngste Welle bei Logistik- und Kraftstoffkosten habe die Möglichkeiten zum Ausgleich überschritten. Gegenmaßnahmen greifen demnach erst mit Verzögerung, das vierte Quartal leidet also noch.
Die Bilanz erhöht den Druck. Den 23,3 Millionen Dollar Barmittel stehen Schulden von 523,2 Millionen Dollar gegenüber. Der Free Cashflow der ersten neun Monate lag bei minus 30,7 Millionen Dollar. Der Börsenwert bewegt sich nach dem Kursrutsch im Bereich von rund 375 Millionen Dollar, wie es in der Quartalspräsentation hieß.
Fasern und Preiserhöhungen als Hebel
Strategisch setzt Oatly auf eine neue Faser-Produktlinie. In Europa ist sie bereits am Markt, Nordamerika soll im ersten Quartal 2027 folgen. Für 2027 plant das Management zudem selektive Preiserhöhungen, besonders in den USA. Sie sollen laut Unternehmen die Kostensteigerungen decken, nicht die Marge ausweiten. Ob das reicht, zeigt sich erstmals mit den Zahlen zum vierten Quartal, in die die höheren Frachtkosten voll eingehen.
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