Nvidia-Woche endet mit Dämpfer: Ein Satz von Jensen Huang kostet mehr als vier Prozent

Sorgen um die Finanzierung von KI-Investitionen belasteten Technologiewerte; drei von fünf Nvidia-Stresstest-Indikatoren stehen nun auf Gelb.

Auf einen Blick:
  • Nvidia-Aktie gab gut vier Prozent nach
  • Nasdaq verlor am Donnerstag 2,6 Prozent
  • Drei von fünf Indikatoren stehen auf Gelb
  • Meta meldete negativen freien Cashflow

Fünf Handelstage lang stand die Technologiebranche im Zeichen von Nvidia und künstlicher Intelligenz – mit einer Keynote von Firmenchef Jensen Huang in Berlin als Höhepunkt. Am Ende der Woche zeigt sich: Nicht die große Bühne hat die Märkte bewegt, sondern ein Nebensatz in einem Interview.

Der Satz, der mehr bewegte als die Keynote

Am Mittwoch hatte Jensen Huang zwei Stunden lang im Berliner Tempodrom gesprochen – über Roboter, neue Rechenzentren im Container und Partnerschaften außerhalb Europas. Am Donnerstag, einen Tag später, gab es einen deutlich unspektakuläreren Auftritt: ein Interview mit dem US-Sender CNBC am Rande der Konferenz, ohne Scheinwerfer und Applaus. Dort äußerte sich Huang zu spezialisierten KI-Cloud-Anbietern wie CoreWeave oder Nebius, die Rechenzentren voller Nvidia-Chips betreiben und Rechenleistung vermieten. Die Nachfrage nach diesen Anbietern gehe durch die Decke, so Huang. Problematisch sei jedoch das fehlende Betriebskapital, um dieses Wachstum zu finanzieren – die Nachfrage nach Kapital sei deutlich größer als das verfügbare Kapital. Huang fügte beruhigend hinzu, das werde gelöst werden; seine Botschaft sollte positiv verstanden werden.

Die Börse interpretierte die Aussage jedoch anders: Sie hörte heraus, dass es Nvidias Kunden an Geld mangelt. Laut CNBC verwiesen Händler der Bank Wells Fargo ausdrücklich auf diese Aussage, als es um die Nervosität an den Märkten ging. Die Nvidia-Aktie fiel um gut 4 Prozent.

Ein schwarzer Tag für die Technologiebörse

Die Nasdaq verlor am Donnerstag 2,6 Prozent – der schlechteste Tag seit Juni. Der S&P 500 gab gut 1,2 Prozent nach, so viel wie seit Juli nicht mehr. Der Dow Jones schloss dagegen nahezu unverändert, was zeigt, dass der Ausverkauf vor allem Technologie- und KI-Werte traf. AMD verlor mehr als 8 Prozent, Micron 6 Prozent, CoreWeave deutlich. Auch GE Vernova, ein Hersteller von Kraftwerkstechnik und Energiepartner von Nvidia für Rechenzentren, brach um mehr als 11 Prozent ein.

Auch Meta, der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp, geriet unter Druck. Das Unternehmen hatte zuvor einen Umsatz von 64,6 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 26 Prozent und mehr als erwartet. Die Aktie stieg zunächst nachbörslich, fiel im regulären Handel am Donnerstag dann aber um fast 7 Prozent. Grund war der freie Cashflow, der bei minus 2,12 Milliarden Dollar lag – Meta hatte im Quartal also mehr Geld ausgegeben, als hereinkam. Gleichzeitig hob der Konzern die Untergrenze seiner geplanten Investitionen für das laufende Jahr auf 135 bis 145 Milliarden Dollar an. Die Kreditausfallversicherung für Meta-Anleihen stieg auf ein Rekordhoch; laut Dow Jones Market Data kostete die Absicherung bereits am Dienstag rund 62 Prozent mehr als noch vor sechs Monaten.

Laut Morgan Stanley wurden in diesem Jahr weltweit deutlich mehr an KI-bezogenen Schulden aufgenommen als im gesamten Vorjahr – die Verschuldung hat sich damit deutlich erhöht.

Bemerkenswert: Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen fiel am Donnerstag auf 4,97 Prozent, den tiefsten Stand seit fast einem Monat. Noch am Montag hatte sie zeitweise deutlich höher gelegen und galt als Auslöser der damaligen Verkaufswelle. Dass die Technologiewerte trotz fallender Zinsen erneut nachgaben, deutet darauf hin, dass sich der Fokus der Anleger verschoben hat – weg von den Zinsen, hin zur Frage, ob sich die gigantischen KI-Investitionen überhaupt finanzieren lassen. Zusätzlich belastete ein wegen geopolitischer Spannungen auf rund 113 Dollar gestiegener Ölpreis der Sorte Brent.

Es gab allerdings auch Gegenstimmen: Ein Analyst der US-Bank Needham bestätigte in dieser Woche seine Kaufempfehlung für Nvidia mit einem Kursziel von 300 Dollar – vom Schlusskurs des Vortags aus ein Potenzial von rund 40 Prozent.

Zweiter Krisenherd: Sicherheitslücken in PHP

Unabhängig vom Börsengeschehen sorgte eine zweite Entwicklung für Aufsehen: In der weitverbreiteten Programmiersprache PHP wurden gravierende Sicherheitslücken bekannt. Das Unternehmen Cloudflare dokumentierte, wie schnell sich Angriffe daraufhin ausbreiteten: Vor der Bekanntgabe zählte man einige tausend Angriffsversuche, danach stieg die Zahl rasant an – inzwischen geht es um ein Vielfaches davon.

Mehrere Regierungen und Unternehmen schalteten vorsorglich Websites ab. In Japan nahmen Banken, eine Fluggesellschaft und die Bahn Teile ihrer Online-Dienste vom Netz, auch in Deutschland waren Seiten von Bundesministerien zeitweise nicht erreichbar. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnte vor akuter Gefahr. Laut dem Digitalverband Bitkom kann praktisch jedes Unternehmen mit eigener Webseite betroffen sein. Microsoft-Chef Satya Nadella äußerte bei einer Veranstaltung in Deutschland, so etwas habe er lange nicht mehr gesehen; Digitalminister Carsten Wildberger sprach vom Beginn eines neuen Zeitalters der Cybersicherheit.

Die Verbindung zur KI-Debatte: Die Sicherheitslücken steckten jahrelang unentdeckt im Code und wurden erst mithilfe künstlicher Intelligenz entdeckt, unter anderem durch die Sicherheitsfirma Wizz. Experten erwarten jedoch, dass Angreifer künftig ebenfalls KI einsetzen werden, um solche Lücken schneller auszunutzen, als Betreiber sie schließen können. Für den Kursrückgang an der Nasdaq machen Marktbeobachter allerdings die Sorgen um die KI-Finanzierung und den Ölpreis verantwortlich, nicht die PHP-Problematik.

Der Ampel-Check: Zwei Warnleuchten springen auf Gelb

Fünf zuvor definierte Stresstest-Indikatoren für das Nvidia-Ökosystem wurden am Ende der Woche erneut bewertet:

Schulden der Kunden: Stand zuvor auf Gelb, bleibt Gelb mit Tendenz zu Rot. Die CoreWeave-Aktie verlor am Donnerstag weiter deutlich, Huangs Aussage zum fehlenden Kapital betrifft genau diese Kundengruppe.

Rendite-Lücke: Von Grün auf Gelb – der wichtigste Farbwechsel der Woche. Der negative freie Cashflow von Meta trotz Rekordumsatz lässt Zweifel aufkommen, ob auch große Kunden ihre KI-Investitionen ohne Weiteres tragen können.

Eigene Chips der Kunden: Bleibt Grün. Google Cloud kündigte an, seine Rechenzentren auf bis zu 960.000 Rubin-Chips von Nvidia auszubauen.

Klumpenrisiko: Bleibt Grün für Nvidia, allerdings mit verschärfter Beobachtung. Am Donnerstag verlor die Nasdaq 2,6 Prozent, Nvidia gut 4 Prozent – wer die Aktie zusätzlich über einen S&P-500-ETF oder einen Technologiefonds hält, war von derselben Bewegung mehrfach betroffen.

Kreislauffinanzierung: Bleibt Gelb, die Auflage ist aber schärfer geworden. Huangs Aussage zum fehlenden Kapital bei Kunden wirft die Frage auf, ob Nvidia selbst in diese Finanzierungslücke springt – was die Kette verlängert und zusätzliche Bruchstellen schafft.

In der Gesamtbilanz standen zuvor drei grüne und zwei gelbe Ampeln, nun sind es zwei grüne und drei gelbe. Eine rote Ampel gibt es weiterhin nicht.

Deutsche Nvidia-Partner: Auf dem Gruppenfoto, aber noch nicht vorn

Bei den deutschen Unternehmen rund um Nvidia lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Konkrete Zahlen und Termine liefern bislang Agile Robots aus München, das gemeinsam mit Nvidia 1.000 bis 2.000 humanoide Roboter plant, Mercedes-Benz mit einem Fahrassistenten sowie die Deutsche Telekom mit einer KI-Fabrik in München.

Eine zweite Gruppe – Siemens, Siemens Healthineers, VW-Nutzfahrzeuge, KUKA und Neura Robotics – ist zwar an realen Projekten beteiligt, konkrete Angaben zu Umsatz und Zeitplan fehlen hier jedoch bislang. Eine dritte Gruppe spannender Namen wie Agile Robots, Neura Robotics oder Black Forest Labs ist gar nicht börsennotiert; KUKA wiederum gehört dem chinesischen Konzern Midea.

Deutschland steht damit zwar auf dem Gruppenfoto der Nvidia-Partner, aber noch nicht in der ersten Reihe. Deutsche Ingenieurskunst ist zwar vorhanden, benötigt jedoch Rechenleistung – und diese wiederum bezahlbaren Strom.

Was die Woche für Anleger bedeutet

Die Turbulenzen der vergangenen Tage lassen sich in drei Lehren zusammenfassen: Nicht die Nachfrage nach KI-Chips ist der Engpass, sondern Fertigung, Strom und Kapital. Wichtiger als die Frage, wer kauft, ist die Frage, wer am Ende bezahlt. Und eine starke Bühnenshow ist nicht gleichzusetzen mit einer soliden Bilanz.

Für die kommenden Wochen bis zu den nächsten Quartalszahlen am 18. November ergibt sich daraus eine Beobachtungsliste: die Rendite der CoreWeave-Anleihe, der freie Cashflow der großen Nvidia-Kunden Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon, das Zahlungsziel bei Nvidia sowie neue Finanzierungszusagen des Unternehmens an seine Kunden. Das endgültige Urteil über die Entwicklung bei Nvidia soll erst mit den Zahlen am 18. November fallen.

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