Nvidia übertrifft Erwartungen deutlich – Ausblick auf 2028 sorgt für Kursdreh

Nvidia übertrifft Umsatz- und Gewinnprognosen, stellt jedoch sinkende Margen in Aussicht. Der Blick auf 2028 lässt die Aktie drehen.

Auf einen Blick:
  • Umsatz im zweiten Quartal mehr als verdoppelt
  • Drittes Quartal mit 108 Milliarden Dollar erwartet
  • Steigende Speicherchippreise belasten die Bruttomarge
  • 2028 soll das Wachstum rund 70 Prozent erreichen

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am gestrigen Handelstag nahe seinem Rekordhoch gehalten. Der DAX schloss mit einem Plus von 0,08 % und blieb damit in Tuchfühlung zu seinen Höchstständen. Gestützt wurde der Markt zunächst von deutlich gesunkenen Ölpreisen, die einen Teil der Inflationssorgen nahmen. Ein Gutteil dieser Verluste wurde jedoch zum Handelsende wieder aufgeholt, was den Index von seinen Tageshöchstständen wieder etwas nach unten drückte.

Das galt auch für einzelne Aktien, die im Handelsverlauf in die Verlustzone rutschten. SAP verlor fast 3 %, nachdem die Schweizer Großbank UBS ihre Kaufempfehlung für den Softwarekonzern gestrichen hatte. Deutlich fester zeigte sich dagegen die Deutsche Bank mit einem Plus von 4 % auf dem höchsten Niveau seit Jahren. Auslöser war die Aussage eines Direktoriumsmitglieds der Europäischen Zentralbank, das sich für höhere Leitzinsen ausgesprochen hatte – eine Entwicklung, die Banken im klassischen Einlage- und Kreditgeschäft tendenziell zugutekommt. Heidelberg Materials gehörte zu den großen Tagesgewinnern.

In den USA kamen die großen Indizes kaum von der Stelle. Der Dow Jones schloss mit minus 0,21 %, der S&P 500 gab minimal nach, während der technologielastige Nasdaq 100 ein hauchdünnes Plus von 0,05 % verzeichnete.

Nvidia liefert Rekordquartal

Im Mittelpunkt des Marktgeschehens stand nach Börsenschluss die Zahlenvorlage von Nvidia, das seit Wochen und Monaten als eine Art Fieberthermometer für die gesamte Branche der künstlichen Intelligenz gilt. Der Chiphersteller erzielte im zweiten Geschäftsquartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar – mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahreswert von 46,7 Milliarden Dollar und deutlich über den Analystenschätzungen, die im Schnitt bei rund 92 Milliarden Dollar gelegen hatten. Selbst die zuvor kursierenden Flüsterschätzungen von 95 Milliarden Dollar wurden damit übertroffen. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 2,22 Dollar, nach 1,05 Dollar im Vorjahresquartal, und lag ebenfalls über den Erwartungen.

Für das laufende dritte Quartal stellte Finanzchefin Colette Kress einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent. Der Markt hatte im Vorfeld im Durchschnitt lediglich mit 105 Milliarden Dollar gerechnet.

Margendruck sorgt zunächst für Verunsicherung

Trotz der auf den ersten Blick makellosen Zahlen gab die Aktie nachbörslich zunächst nach, phasenweise um bis zu 3 %. Grund dafür war die Entwicklung der Bruttomarge, die im zweiten Quartal bei 75 Prozent lag und damit nahezu unverändert zum Vorquartal blieb. Für das dritte Quartal stellte Kress einen Rückgang auf rund 74 Prozent in Aussicht, mit der weiteren Perspektive, dass die Marge im vierten Geschäftsquartal, das bis Ende Januar läuft, sogar auf 71 bis 72 Prozent sinken könnte. Als Ursache nannte die Finanzvorständin explizit die stark gestiegenen Preise für Speicherchips, die derzeit die gesamte Branche belasten. Erst mit eigenen Preiserhöhungen, die ab dem ersten Quartal des kommenden Geschäftsjahres greifen sollen, rechnet Nvidia mit einer Stabilisierung der Marge im Bereich von 72 bis 73 Prozent.

Ausblick auf 2028 dreht die Stimmung

Im Verlauf der anschließenden Telefonkonferenz drehte die Stimmung deutlich: Der Kurs, der zunächst kaum verändert notierte, lag zuletzt mehr als 5 % über dem regulären Schlusskurs. Auslöser war ein erstmals konkret formulierter Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr 2028. Kress sprach von einem erwarteten Umsatzwachstum von rund 70 %, während der Markt bislang im Schnitt lediglich mit etwa 45 % gerechnet hatte. Nvidia ergänzte, man könnte sogar noch schneller wachsen, sollten mehr Lieferkapazitäten zur Verfügung stehen – die Nachfrage der Kunden übersteige die eigenen Wachstumsraten weiterhin deutlich.

Auch operativ untermauerten die Zahlen die robuste Nachfragesituation. Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft lag bei 89 Milliarden Dollar, wovon die großen Cloud-Anbieter, die sogenannten Hyperscaler, rund 49 Milliarden Dollar beisteuerten. Amazon kündigte an, über seine Cloud-Sparte AWS in den Jahren 2027 und 2028 zusätzlich 2 Millionen Grafikprozessoren einzusetzen – zusätzlich zu der bereits im Frühjahr angekündigten Bestellung von rund 1 Million Einheiten. Konzernchef Jensen Huang äußerte sich ebenfalls zuversichtlich und sprach davon, dass der Ausbau der KI-Infrastruktur mit voller Kraft weiterlaufe. Die neue Chip-Generation Vera Rubin befinde sich nun in voller Produktion.

Bemerkenswert ist zudem, was im Ausblick für das dritte Quartal noch nicht eingerechnet ist: das China-Geschäft. Dort erzielte Nvidia zuletzt weniger als ein Prozent seines gesamten Rechenzentrumsumsatzes. Das Unternehmen hat inzwischen wieder begonnen, Prozessoren an chinesische Kunden auszuliefern, wenngleich es sich dabei nur um die älteren H200-Modelle handelt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die anfänglich negative Kursreaktion vor allem auf die Margenentwicklung zurückzuführen war, während das übergeordnete Bild aus Wachstum, Nachfrage und langfristigem Ausblick deutlich positiver ausfiel. Der Stimmungsumschwung im Verlauf der Pressekonferenz unterstreicht die zentrale Bedeutung, die Nvidia für das Thema künstliche Intelligenz weiterhin einnimmt.

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