Nvidia: Trotz 5 Billionen Dollar Marktkapitalisierung günstig?

Nvidia steht vor Rekordgewinnen, während die Aktie historisch günstig bewertet ist. KI-Investitionen treiben das Wachstum weiter an.

Auf einen Blick:
  • Historisch niedrige Bewertungskennzahlen
  • Rekordgewinne von über 190 Milliarden Dollar erwartet
  • KI-Infrastruktur-Investitionen steigen rasant
  • Analysten sehen Kurspotenzial von 20 Prozent

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Jensen Huang, CEO von Nvidia, begleitete US-Präsident Donald Trump diese Woche auf dessen Staatsbesuch in China. Das ist kein Zufall. Nvidia steht im Zentrum eines geopolitischen und wirtschaftlichen Wettrüstens, das die Welt verändert. Am 20. Mai legt das Unternehmen seine Quartalszahlen vor. Die Erwartungen sind enorm. Und trotzdem: Wer genau hinschaut, findet eine Aktie, die historisch günstig bewertet ist.

Das klingt paradox. Nvidia gehört heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt, mit einer Marktkapitalisierung von rund 5,4 Billionen US-Dollar. Die Aktie notiert nahe ihrem Allzeithoch. Und doch zeigen die Bewertungskennzahlen ein ungewöhnliches Bild.

Das Bewertungsparadox

Nvidia wird derzeit mit dem etwa 24-fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne gehandelt. Das entspricht einem Abschlag von rund 25 Prozent gegenüber dem historischen Durchschnittswert des Unternehmens. Zugleich notiert die Aktie etwa fünf Prozent unterhalb des PHLX Semiconductor Index. Das ist ein Branchenindex, der wichtige Chipwerte wie AMD, Micron, Taiwan Semiconductor und Intel bündelt.

Das ist bemerkenswert. Nvidia hat in den vergangenen Jahren typischerweise einen Aufschlag von rund 40 Prozent gegenüber diesem Index erzielt. Der Grund: Das Unternehmen wächst schneller als der Sektor im Schnitt. Dieser Aufschlag ist heute verschwunden. Seit Jahresbeginn 2025 hat Nvidia den Semiconductor-Index um mehr als 70 Prozentpunkte underperformt. Der Markt hat Nvidia vorübergehend aus dem Blick verloren, während andere Chip-Segmente in den Fokus rückten, etwa Prozessoren, Speicherchips und anwendungsspezifische Schaltkreise.

Rekordgewinne stehen bevor

Was die Fundamentaldaten angeht, sieht die Lage ganz anders aus. Nvidia dürfte im Kalenderjahr 2026 mehr als 190 Milliarden US-Dollar verdienen. Das wäre, laut Dow Jones Market Data, der höchste Jahresgewinn, den je ein Unternehmen erzielt hat. Den bisherigen Rekord hält Saudi Aramco mit rund 160 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2022.

Für das Geschäftsjahr 2027, das bei Nvidia im Januar endet und damit weitgehend dem Kalenderjahr 2027 entspricht, schätzen Analysten einen Umsatz von rund 370 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von etwa 204 Milliarden Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis dieser Schätzungen liegt bei 26,8. Das KGV ist eine der gängigsten Kennzahlen zur Aktienbewertung: Es beschreibt vereinfacht, wie viele Jahresgewinne aufgewendet werden müssten, um den aktuellen Aktienkurs zu bezahlen. Ein KGV von knapp 27 gilt für ein Technologieunternehmen mit zweistelligem Gewinnwachstum als durchaus vertretbar.

Das KI-Wettrüsten geht in die nächste Runde

Der entscheidende Treiber bleibt die Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz. Die vier großen Hyperscaler, also Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft, werden laut aktuellen Schätzungen im Jahr 2026 zusammen fast 700 Milliarden US-Dollar in den Aufbau ihrer KI-Infrastruktur investieren. Zu Jahresbeginn lag diese Zahl noch bei rund 500 Milliarden Dollar. Für 2027 könnten die Investitionen aller großen Technologiekonzerne, einschließlich Oracle, die Marke von einer Billion Dollar überschreiten.

Diese Ausgaben sind finanzierbar. Die vier Hyperscaler erwirtschaften zusammen ein Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 800 Milliarden Dollar. Ihre Bilanzen sind nahezu schuldenfrei. Sie könnten ihre Investitionen bei Bedarf auch durch Fremdkapital deutlich steigern.

Nvidia ist der zentrale Profiteur dieses Investitionsschubs. Die Grafikprozessoren des Unternehmens, kurz GPUs, sind für KI-Berechnungen besonders geeignet. Anders als ein herkömmlicher Prozessor kann eine GPU Tausende von Rechenschritten gleichzeitig ausführen. Das ist für das Training und den Betrieb von KI-Modellen entscheidend. Anwendungsspezifische Chips der großen Technologiekonzerne ergänzen dieses Ökosystem, ersetzen es aber nicht.

Noch viel Wachstum vor sich

Ein weiteres Argument dafür, dass der KI-Boom noch am Anfang steht: Analysten des Investmentmanagers ARK Investment schätzen, dass erst rund 20 Prozent der Smartphone-Nutzer weltweit eine KI-Agenten-Anwendung auf ihrem Gerät genutzt haben. In drei Jahren könnte dieser Anteil gegen 100 Prozent tendieren. KI-Agenten sind Programme, die eigenständig Aufgaben erledigen, indem sie kontinuierlich auf KI-Rechenkapazitäten zugreifen. Jeder Zugriff erzeugt Nachfrage nach Chips.

Die Angebotssituation bestätigt die Stärke dieser Nachfrage. Arm Holdings und Intel berichteten zuletzt, nicht alle Bestellungen termingerecht erfüllen zu können. Der KI-Infrastrukturanbieter Vertiv meldete für das vierte Quartal 2025 einen Auftragsanstieg von 252 Prozent. Der Technologiekonzern Zebra Technologies erwartet Engpässe bei Speicherchips bis mindestens 2027. GE Vernova, ein Hersteller von Stromversorgungstechnik für Rechenzentren, nimmt Aufträge bis weit in das nächste Jahrzehnt an. Elon Musk plant den Bau einer eigenen Chipfabrik, um die KI-Ambitionen seiner Unternehmen abzusichern. Selbst wer die Mittel hätte, sich unabhängig zu machen, tut dies, weil die Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigt.

Risiken nicht ausblenden

Eine nüchterne Betrachtung verlangt den Blick auf die Risiken. Die Sorge vor einer KI-Blase ist verbreitet. Suchanfragen nach dem Begriff „AI bubble“ haben sich im Jahresvergleich bei Google vervielfacht. Nvidias Quartalszahlen am 20. Mai müssen hohe Erwartungen erfüllen: Analysten rechnen mit einem Umsatzwachstum von fast 80 Prozent. Nvidia hat die Umsatzerwartungen in den vergangenen drei Quartalen im Schnitt um rund drei Prozent übertroffen. Ein deutlicher Fehltritt würde die Aktie unter Druck setzen.

Hinzu kommt der Wettbewerb. Die großen Technologiekonzerne entwickeln eigene, anwendungsspezifische Chips, sogenannte ASICs, die für definierte Aufgaben effizienter sind als Nvidias GPUs. Zudem arbeitet Intel an Prozessoren, die für sogenannte Agenten-KI gut geeignet sind. Diese Entwicklungen sind real. Allerdings handelt es sich derzeit um Ergänzungen, nicht um Ersatzprodukte. Die Gesamtnachfrage nach Rechenleistung steigt so stark, dass ein wachsender Wettbewerb den adressierbaren Markt für Nvidia bislang nicht schrumpfen lässt, sondern allenfalls teilt.

Was die Zahlen sagen

Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von 270 US-Dollar für die Nvidia-Aktie. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau von etwa 226 Dollar. Würde Nvidia lediglich auf das durchschnittliche Bewertungsniveau des Halbleitersektors angehoben, wäre ein Kurs von 290 Dollar gerechtfertigt. Auf Basis des historischen Bewertungsaufschlags, den Nvidia gegenüber dem Sektor über Jahre genossen hat, wäre sogar ein Kurs von 390 Dollar plausibel. Ein Anstieg auf 300 Dollar innerhalb der nächsten zwölf Monate, ein Plus von gut 30 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand, erscheint nach dieser Rechnung keineswegs unrealistisch.

Fazit: Der Markt unterschätzt Nvidia

Nvidia erzielt Gewinne auf historischem Rekordniveau, die KI-Infrastrukturinvestitionen der großen Technologiekonzerne steigen weiter, und die Aktie ist im historischen Vergleich günstig bewertet. Die Bewertungslücke gegenüber dem eigenen historischen Durchschnitt und gegenüber dem Sektor ist ungewöhnlich groß. Wer davon überzeugt ist, dass der KI-Boom seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat, findet in Nvidia eine der überzeugendsten Geschichten am Aktienmarkt.

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