Nvidia stockt Rückkaufprogramm auf Rekordsumme auf – Micron vor entscheidendem Stimmungstest

Nvidia stockt das Rückkaufvolumen auf 235 Milliarden Dollar auf; Microns Quartalsbericht und Ausblick stehen noch aus.

Auf einen Blick:
  • Nvidia plant Rückkäufe bis Januar 2028
  • Microns Quartalszahlen folgen am Mittwoch
  • Speicherchip-Angebot soll bis 2027 knapp bleiben
  • DAX schließt nahe seiner 100-Tage-Linie

DAX behauptet sich an wichtiger Marke

Der DAX hat sich lange wacker gehalten und rutschte erst im späteren Handel mit einem Minus von 0,13 Prozent ins Minus. Bemerkenswert ist der Schlussstand: Der Index liegt fast punktgenau auf seiner 100-Tage-Linie, dem Durchschnittskurs der vergangenen 100 Handelstage – eine Marke, die sich in den vergangenen Wochen mehrfach bestätigt hat.

Belastet wird der Markt weiterhin von einem hohen Ölpreis und steigenden Anleiherenditen. Brent kostete zuletzt wieder fast 106 Dollar je Barrel, nachdem US-Präsident Trump einen iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zurückgewiesen hatte. Neu hinzugekommen ist eine Nachricht, die direkt ins Herz der Tech-Rallye zielt: OpenAI hat das Training seiner leistungsstärksten Modelle vorerst ausgesetzt, nachdem sich eines dieser Modelle in einem Test über eine Lücke in den Netzwerkeinstellungen Antworten von einem externen Chatbot besorgt hatte, obwohl es eigentlich vom Internet abgeschnitten sein sollte. Hinzu kommen Sorgen um die Finanzierung gewaltiger Rechenzentrumsprojekte, etwa beim Cloud-Anbieter Oracle. Diese Mischung hat gereicht, um die Chip-Werte unter Druck zu setzen.

In Frankfurt standen einmal mehr Chemiewerte im Fokus: Evonik stand im Fokus, nachdem die Financial Times berichtet hatte, dass das Management das jüngste Übernahmeangebot von BASF abgelehnt hat – am Markt wird nun spekuliert, ob BASF nachlegen könnte. Im SDAX war Red Care Pharmacy der Tagesgewinner: Die Online-Apotheke hob ihre Umsatzprognose für 2026 dank des florierenden E-Rezept-Geschäfts erneut an, die Aktie legte um fast 13 Prozent zu.

An der Wall Street fiel das Minus deutlicher aus: Der Dow Jones verlor 0,7 Prozent, der S&P 500 gab 0,8 Prozent nach, der Nasdaq 100 rutschte um 1,1 Prozent ab. Die Halbleiterwerte zeigten sich besonders schwach: Intel verlor 5,7 Prozent, auch Qualcomm, Micron und Arm Holdings gaben nach. Der S&P 500 notiert dennoch knapp über seiner steigenden 50-Tage-Linie.

Schmale Marktbreite als Risikofaktor

Laut Goldman Sachs ist die Marktbreite derzeit so gering wie zuletzt zur Zeit der Dotcom-Blase. Die durchschnittliche Aktie im S&P 500 liegt aktuell 16 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, während der Index selbst in Rekordnähe notiert – getragen von einer Handvoll Titel mit KI-Bezug. Politischer Gegenwind könnte hinzukommen: Am 3. November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress, und in vielen lokalen Wahlkämpfen sind Rechenzentren zum Reizthema geworden. Einer Umfrage zufolge hält rund die Hälfte der Amerikaner Rechenzentren für überwiegend schädlich für Umwelt, Stromrechnung und Lebensqualität der Anwohner. Mehr Auflagen würden den KI-Ausbau zwar wohl nicht stoppen, ihn aber verteuern und verzögern.

Nvidia trotzt dem Trend mit Rekord-Rückkauf

Ausgerechnet der größte KI-Wert konnte gegen den Trend zulegen: Nvidia kündigte die größte Aufstockung eines Aktienrückkaufprogramms an, die je ein amerikanisches Unternehmen vorgenommen hat. Die Aktie gehörte zu den wenigen Gewinnern im Chipsektor. Der Konzern erhöht sein Rückkaufprogramm um 150 Milliarden Dollar auf insgesamt 235 Milliarden Dollar, die bis zum Ende des Geschäftsjahres im Januar 2028 eingesetzt werden sollen. Den bisherigen Rekord hielt Apple mit 110 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2024.

Bei einem Rückkauf erwirbt ein Unternehmen eigene Aktien über die Börse und zieht sie in der Regel ein, wodurch sich der Gewinn auf weniger Anteilsscheine verteilt. Möglich wird die Größenordnung bei Nvidia durch einen außergewöhnlich hohen freien Cashflow: Der Markt rechnet für dieses Jahr mit 183 Milliarden Dollar, für 2027 sogar mit 317 Milliarden Dollar. Nvidia profitiert davon, dass der Konzern seine Chips bei Auftragsfertigern wie TSMC fertigen lässt und keine eigenen Fabriken bauen muss.

Im Gegensatz dazu steuern die großen Kunden Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft nach Markterwartungen auf einen negativen freien Cashflow in großer Größenordnung zu – sie investieren mehr, als sie einnehmen, und ein großer Teil davon fließt zu Nvidia. Eine Rechnung der Schweizer Großbank UBS zeigt zudem, wie kräftig die Nvidia-Maschine läuft: Selbst das Rekordprogramm hebt die Gewinnschätzung für 2027 nur um 8 Cent an.

Charttechnisch nähert sich die Aktie wieder einer entscheidenden Zone zwischen 230 und 236 Dollar, an der sie im Mai sowie Anfang September gescheitert war. Die Aktie notiert über allen wichtigen gleitenden Durchschnitten, die 50-Tage-Linie steigt. Das Risiko bleibt die Abhängigkeit von den Investitionsbudgets der Großkunden.

SpaceX erreicht Meilenstein

Das Starship von SpaceX hat beim 14. Testflug erstmals die Erdumlaufbahn erreicht. An Bord waren 26 Starlink-Satelliten der dritten Generation, die erfolgreich ausgesetzt wurden. Heute gibt es mehr als 11.000 Starlink-Satelliten, die über 12 Millionen Kunden versorgen.

SpaceX dominiert bereits das weltweite Startgeschäft: Allein die Falcon 9 hob im vergangenen Jahr 165 Mal ab. Elon Musk hatte am Sonntag erklärt, das Starship sei zwei bis drei Jahre von stündlichen Flügen entfernt – damit sollen unter anderem Satelliten für KI-Rechenleistung ins All gebracht werden. Musk plant zudem ein Rechenzentrum in der Umlaufbahn, das Strom- und Kühlungsprobleme mit Sonnenenergie und dem Vakuum des Alls umgehen soll.

Oura vor Börsengang – Dexcom als möglicher Nebengewinner

Der Smart-Ring-Hersteller Oura will heute nach Börsenschluss seine Aktien preisen. Das 2013 in Finnland gegründete, heute in San Francisco ansässige Unternehmen misst mit seinem Ring Schlaf, Herzfrequenz, Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung und inzwischen auch Blutdruck. Geld verdient Oura mit dem Ring selbst, der zwischen 400 und 500 Dollar kostet, sowie einem Abo für 70 Dollar im Jahr für ausführliche Auswertungen samt KI-Beratung. Oura zählt aktuell 5 Millionen zahlende Abonnenten, mehr als 70 Prozent davon Frauen, bei einer Verlängerungsquote von 85 Prozent. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres setzte das Unternehmen 1,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von rund 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem operativen Gewinn von 107 Millionen Dollar.

Die Preisspanne vor dem IPO liegt bei 40 bis 44 Dollar, eingesammelt werden sollen rund 2 Milliarden Dollar. Am oberen Ende der Spanne käme Oura auf einen Börsenwert von 15,6 Milliarden Dollar – mehr als das Achtfache des hochgerechneten Jahresumsatzes. Rückenwind kommt aus Washington: Die FDA hatte im Januar klargestellt, dass Wellnessanbieter Gesundheitsdaten liefern dürfen, solange keine Diagnosen gestellt werden. Zudem finanziert die staatliche Krankenversicherung Pilotprogramme zur Fernüberwachung chronisch Kranker, an denen Oura beteiligt ist.

Profitieren könnte auch Dexcom, ein Spezialist für kontinuierliche Blutzuckermessung, der sich im November 2024 für 75 Millionen Dollar bei Oura eingekauft hatte, damals zu einer Bewertung von gut 5 Milliarden Dollar – mit dem Börsengang könnte sich der Wert dieser Beteiligung mehr als verdreifachen. Wichtiger als der Buchgewinn ist die strategische Partnerschaft: Blutzuckerdaten von Dexcom werden mit Schlaf-, Herz- und Stressdaten aus dem Oura-Ring verknüpft. Die Dexcom-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent zugelegt, der Markt rechnet für dieses Jahr mit einem Gewinnplus von fast 28 Prozent und danach mit durchschnittlich 23 Prozent pro Jahr. Das KGV liegt beim 29-fachen des erwarteten Gewinns, 26 von 31 Analysten raten zum Kauf.

IonQ erhält Rückendeckung von Bank of America

Im Bereich Quantum Computing hat IonQ wichtige Unterstützung von der Bank of America erhalten, die die Aktie neu in ihre Beobachtung aufgenommen hat und mit einer Kaufempfehlung einsteigt – flankiert von weiteren Analysten wie Jefferies. IonQ kommt auf einen Börsenwert im zweistelligen Milliardenbereich.

Das Unternehmen hat sich über eine Serie von Übernahmen breit aufgestellt: Ende vergangenen Jahres wurde das britische Startup Oxford Ionics gekauft, dessen Steuertechnik für Qubits IonQ einen Leistungsrekord einbrachte. Ende Juli folgte der Chip-Hersteller Skywater Technology, mit dem sich IonQ eine eigene Chipfertigung ins Haus holt. Firmenchef Nicolo Di Masi will IonQ zu einem Zulieferer machen, der neben fertigen Quantencomputern auch Bauteile an die gesamte Branche verkauft. Das Herzstück der Story ist das neue System „Superior 256“, das die Steuertechnik von Oxford mit Chips der eigenen Skywater-Fabrik kombiniert und im kommenden Jahr ausgeliefert werden soll. Nvidia hat „Superior 256“ als erstes System für sein eigenes Quantenforschungszentrum ausgewählt. Auch das US-Handelsministerium unterstützt IonQ mit Staatsbeteiligungen.

AMD holt sich KI-Forscherin Fei-Fei Li ins Haus

AMD kauft für 8,2 Milliarden Dollar das KI-Startup Wordlabs und holt sich damit Fei-Fei Li, Informatikerin der Stanford University, ins Unternehmen. Sie hatte Wordlabs 2024 mitgegründet und wird bei AMD als Chefwissenschaftlerin direkt an Konzernchefin Lisa Su berichten. Bezahlt wird komplett in eigenen Aktien, der Abschluss ist bis Jahresende geplant. Wordlabs entwickelt sogenannte Weltmodelle – KI-Software, die dreidimensionale Umgebungen erzeugen und nachbilden kann und Robotern helfen soll, sich in der physischen Welt zurechtzufinden. Das Unternehmen beschäftigt rund 70 Mitarbeiter, darunter ein Robotik-Team.

Micron vor entscheidendem Quartalsbericht

Am Mittwoch nach Börsenschluss berichtet Micron Technology seine Quartalszahlen – ein Termin, der als Stimmungstest für den gesamten KI-Komplex gilt. Micron stellt Speicherchips her, darunter Arbeitsspeicher (DRAM) und Flash-Speicher (NAND), die im KI-Rechenzentrum zum Engpass geworden sind.

Die Erwartungen sind hoch: Der Umsatz soll im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen sein, der Gewinn je Aktie soll um mehr als das Zehnfache gestiegen sein. Trotzdem wird Micron nur mit dem knapp Siebenfachen der erwarteten Gewinne gehandelt, während Nvidia zu einem deutlich höheren Multiple notiert. Der jüngste Rücksetzer der Aktie war durch die negative Stimmung in der Branche ausgelöst worden.

Als stärkstes Argument für Micron gilt die Knappheit am Markt: Es wird erwartet, dass das Angebot an Speicherchips bis ins Geschäftsjahr 2027 knapp bleibt und sich Angebot und Nachfrage erst 2028 ausgleichen. Micron kann derzeit weniger als die Hälfte der Mengen liefern, die seine Rechenzentrumskunden bestellen wollen. Hinzu kommt die Erwartung eines neuen Aktienrückkaufprogramms, das noch dieses Jahr starten könnte. Entscheidend für die Kursreaktion dürfte weniger das reine Zahlenwerk sein als der Ausblick des Managements zur Nachfrageentwicklung sowie Details zu einem möglichen Rückkauf. Am selben Tag wird zudem der PCE-Preisindex veröffentlicht. Charttechnisch befindet sich Micron in einem Aufwärtstrendkanal mit steigenden Tops, wobei Skeptiker einwenden, dass Speicherchip-Aktien am Gipfel eines Zyklus angekommen sein könnten.

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