Nvidia-Aktie: Wie lange noch?

Nvidia übertrifmt erneut die Prognosen, doch der Aktienkurs reagiert verhalten. Analysten sehen die hohen Erwartungen bereits eingepreist.

Auf einen Blick:
  • Q1-Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar, plus 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr
  • Q2-Prognose von 91 Milliarden Dollar übertrifft Analystenschätzungen von rund 87 Milliarden Dollar
  • Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar angekündigt
  • Quartalsdividende von 0,01 auf 0,25 Dollar je Aktie angehoben

Es gibt Momente, da liefert ein Unternehmen Zahlen, die in jedem anderen Quartal für Jubelstürme gesorgt hätten. Bei Nvidia ist das halt anders. Umsatz um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden Dollar gesteigert, Rechenzentrumserlöse nahezu verdoppelt auf 75,2 Milliarden Dollar, bereinigter Gewinn je Aktie bei 1,87 Dollar gegenüber Schätzungen von 1,76 Dollar. Dazu ein Rückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar und eine Dividendenerhöhung von 0,01 auf 0,25 Dollar. Nachbörslich gab die Nvidia-Aktie zunächst rund 3 Prozent nach, zuletzt schwankte sie um -1%.

Eingepreist, eingepreist, eingepreist

Jacob Bourne von eMarketer brachte es auf den Punkt: „Nvidia hat wieder übertroffen, aber an diesem Punkt ist das im Grunde bereits eingepreist, weil das Unternehmen Quartal für Quartal liefert.“ Das ist die eigentliche Geschichte. Nicht die Zahlen selbst, sondern die Tatsache, dass Rekordergebnisse bei Nvidia längst zur Erwartung geworden sind, nicht zur Überraschung.

Dabei lief der Markt zuletzt ausgesprochen freundlich für die Aktie. In den vier Wochen vor den Zahlen war der Kurs um gut 10 Prozent gestiegen, hatte am vergangenen Donnerstag bei 236,54 Dollar ein Rekordhoch markiert. UBS, Morgan Stanley, Bank of America, alle hatten zuletzt ihre Erwartungen angehoben. Die BofA schraubte ihr Kursziel sogar auf 320 Dollar.

Nvidia Aktie Chart

Die eigentliche Frage: Wie lange noch?

Jensen Huang, Gründer und Chef des mit rund 5,3 Billionen Dollar wertvollsten Konzerns der Welt, sprach vom größten Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Menschheit, das sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit entfalte. Für das laufende Quartal peilt er 91 Milliarden Dollar Umsatz an, plus oder minus 2 Prozent. Analysten hatten knapp 87 Milliarden erwartet.

Doch genau da liegt der Knackpunkt, den Bourne anspricht: Ob Nvidia die Anleger davon überzeugen kann, dass der KI-Ausbau auch 2027 und 2028 noch trägt. Denn Google, Amazon, AMD und Intel bauen längst eigene Chips, vor allem für Inferencing, also den laufenden Betrieb von KI-Modellen. Das ist der weitaus größere Markt als das Training.

Nvidia ohne China-Umsatz im Q2

Ein Detail, das im Zahlenwerk fast unterging: Für das zweite Quartal erwartet Nvidia keinen Umsatz aus China. Details nannte das Unternehmen nicht. Finanzchefin Colette Kress immerhin betonte, man sehe Sichtbarkeit auf knapp 20 Milliarden Dollar CPU-Umsatz im laufenden Geschäftsjahr, bei einem adressierbaren Markt von rund 200 Milliarden Dollar.

Im Februar, als der Nettogewinn um 94 Prozent sprang, fiel die Nvidia-Aktie am Tag darauf um mehr als 5 Prozent. Diesmal blieb es bei einem Zucken um den Nullpunkt. Vielleicht ist das sogar die bessere Reaktion. 5,3 Billionen Dollar Börsenwert und kein Absturz nach Rekordergebnissen, das ist zumindest kein Rückschritt.

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