Liebe Leserin, lieber Leser,
die Börsenwelt hatte auf den Tag gewartet – und am Mittwoch nach US-Börsenschluss war es so weit: Der US-Chip-Gigant Nvidia legte die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 vor, meldete einen Umsatzsprung um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden US-Dollar, der Gewinn schnellte auf 58,3 Milliarden Dollar. Und was macht die Nvidia-Aktie? Reagiert auf die erneuten Rekordzahlen mehr als verhalten. Auf der Handelsplattform Tradegate ging es mit den Papieren am Donnerstagfrüh sogar leicht zurück auf 191 Euro. Warum nur?
Nvidia übertrifft Analysten-Erwartungen
Denn auf den ersten Blick ist das Ergebnis mehr als zufriedenstellend: Nvidia habe am Mittwochabend starke Quartalszahlen vorgelegt und bei Umsatz sowie Gewinn je Aktie die Erwartungen „klar übertroffen“, heißt es etwa beim Börsenmagazin Der Aktionär. „Der KI-Boom treibt das Geschäft weiter an: Allein die Data-Center-Sparte erzielte 75,8 Milliarden Dollar Umsatz“, so der Bericht. Hinzu komme ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 80 Milliarden Dollar sowie eine Dividendenerhöhung um 2.400 Prozent.
Nvidia Aktie Chart
Nvidia-CEO spricht von „parabolischer Nachfrage“
Nvidia-Chef Jensen Huang zeigte sich bei der Vorlage der Zahlen entsprechend euphorisch. Für Huang sei das die Folge einer „parabolischen Nachfrage“. Damit meine er, dass das Wachstum sich nicht gleichmäßig fortsetze, sondern zunehmend selbst beschleunige, heißt es erklärend bei der WirtschaftsWoche: „Je mehr Rechenkapazität entsteht, desto größer werden die Modelle, desto mehr Kapazität wird gebraucht. Eine Spirale ohne erkennbares Ende.“ Das Wort „exponentiell“ habe der Nvidia-Chef bewusst vermieden. „Parabolisch“ klinge präziser, kühler, struktureller – „auch wenn es ebenfalls eine historische Übertreibung ist“.
Denn tatsächlich ist bei Nvidia nicht alles eitel Sonnenschein. Sicherlich: Der US-Konzern hat sich über Jahre ein kaum einholbar scheinendes Ökosystem im KI-Bereich aufgebaut. Wer ein großes KI-Modell trainieren wolle, lande fast automatisch beim Marktführer, heißt es in dem Bericht. Doch lauert dort auch die Gefahr: „Der Wandel vom Training der Modelle zur sogenannten Inferenz, dem eigentlichen Betrieb von KI-Anwendungen im Alltag“, heißt es. Beim Training zählt maximale Rechenleistung. Im Betrieba aber stünden Energieverbrauch, Kosten und Effizienz im Fokus.
- Und genau dort witterten andere Anbieter ihre Chance
- AMD und Intel wollen ebenfalls vom KI-Boom profitieren
Nvidia rechnet mit Chip-Engpässen
Noch aber läuft das Nvidia-Geschäft glänzend. Doch auch das hat offenbar seine Schattenseiten: Jensen Huang betonte im Rahmen einer Analystenkonferenz, dass die Nachfrage nach NVIDIA-Chips weiterhin ungebrochen hoch sei, wie finanzen.net vermeldet. „Bei der nächsten Generation der KI-Halbleiter mit dem Namen „Vera Rubin“ rechnet Huang nach eigenen Angaben sogar mit durchgehenden Engpässen“, heißt es. Ob sich das China-Geschäft wieder entwickelt, nachdem die USA jüngst eine Exportgenehmigung von Nvidias H200-KI-Chips für zehn große Firmen erteilt hatten, unter anderem an Alibaba, Tencent und ByteDance, bleibt zudem abzuwarten.
- Und so reagieren die Anleger trotz der hervorragenden Zahlen mit Zurückhaltung
- Und auch die exorbitant angestiegene Dividendenzahlung muss eingeordnet werden
Dividendenrendite bleibt extrem mager
Bislang nämlich hatte Nvidia seine Anleger mit einem einzigen Cent pro Anteilschein und Quartal abgespeist, trotz regelmäßiger Rekordgewinne. Nun steigt die Quartalsdividende von einem Cent auf 25 Cent je Aktie. Bei einem US-Dollar beträgt die Dividendenrendite aktuell also gerade einmal 0,45 Prozent.
Perspektivisch lukrativer erscheint die Ankündigung eines massiven, neuen Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 80 Milliarden US-Dollar. Dieser Schritt soll wohl das Vertrauen des Managements in die Zukunft des Unternehmens und die eigene Rekordliquidität unterstreichen, nachdem bereits in den Vorjahren Programme über 25 Milliarden und 50 Milliarden US-Dollar aufgelegt worden waren.
Was zudem nicht vergessen werden darf: Zwar notiert die Nvidia-Aktie aktuell unter ihrem Rekordhoch von 236 US-Dollar. Aufs Jahr gesehen hat sie sich damit aber noch immer um rund 70 Prozent im Wert gesteigert.
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