Starke Produktneuheiten, schwache Kurse. Bei Nvidia klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Der Konzern präsentiert seine bisher mächtigste Supercomputer-Plattform. Indes rotieren Investoren massiv Kapital aus dem KI-Liebling heraus.
Die Vera-Rubin-Generation startet
Nvidia hat auf der ISC in Hamburg seine neue Supercomputer-Plattform vorgestellt. Das System kombiniert Vera-CPUs und Rubin-GPUs. Es liefert die Leistung der weltgrößten Supercomputer direkt im Rack-Format.
Bereits im Herbst startet die Auslieferung an acht große Cloud-Partner. Darunter befinden sich Branchengrößen wie AWS, Azure und Google Cloud. Die neue Architektur senkt die Kosten für KI-Berechnungen drastisch. Ein neuer Speicherstandard verdreifacht parallel die Bandbreite pro Grafikprozessor.
Auch in Europa baut der Konzern seine Dominanz aus. Aktuell entstehen 35 neue KI-Supercomputer in 23 europäischen Ländern. Das Leibniz-Rechenzentrum in Deutschland plant den Einsatz der Rubin-Architektur für das Jahr 2027.
Kapital fließt in Speicher-Werte
Die Börse honoriert diese Meilensteine kaum. Im Gegenteil. Spekulatives Kapital verlässt den Halbleiter-Sektor. Investoren sorgen sich zunehmend über die gigantischen KI-Ausgaben der Tech-Konzerne. Sie schichten ihre Gewinne in Speicher- und Cloud-Aktien um.
Analysten von Goldman Sachs bestätigen diesen Trend. Sie sehen eine klare Rotation innerhalb der KI-Rallye. Dennoch bleibt die fundamentale Bedeutung des Unternehmens enorm. Nvidia und Micron sollen dieses Jahr rund ein Drittel des Gewinnwachstums im S&P 500 liefern.
Wall Street bleibt optimistisch
Die Analystenzunft ignoriert den jüngsten Kursrutsch weitgehend. Von 62 Experten raten die meisten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei knapp 299 US-Dollar. Morgan Stanley bestätigt sein Ziel von 288 US-Dollar.
Die Experten verweisen auf die günstige Bewertung im Vergleich zur Konkurrenz. Die nackten Zahlen stützen diesen Optimismus. Im Geschäftsjahr 2026 kletterte der Umsatz massiv auf knapp 216 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn stieg im gleichen Takt auf 120 Milliarden US-Dollar.
Technik und Ausblick
Der jüngste Abverkauf drückt die Aktie auf 168,80 Euro. Auf Wochensicht verlor das Papier über sieben Prozent. Damit nähert sich der Kurs einer kritischen Marke. Die 200-Tage-Linie verläuft bei 163,66 Euro.
Ein Test dieser Unterstützung rückt näher. Der RSI-Indikator steht bei 38,2 und signalisiert einen fast überverkauften Zustand.
Die zweite Jahreshälfte 2026 bringt nun die Entscheidung. Dann starten die großen Cloud-Anbieter mit der Installation der neuen Rubin-Systeme. Diese konkreten Aufträge müssen beweisen, ob die fundamentale Stärke die aktuelle Branchenrotation schlagen kann.
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