Nvidia geriet am Freitag unter Druck: Die Aktie schloss mit einem Minus von 4,1 Prozent bei 187,78 Euro. Auslöser war ein Bericht des Wall Street Journal, wonach das Unternehmen Teile seines „AI Compute Partnership“-Programms zur Umsatzbeteiligung ausgesetzt hat. Grund seien interne kartellrechtliche und regulatorische Bedenken sowie Einwände von Partnern gegen Kundenbeschränkungen im Rahmen des Programms.
Der Rücksetzer traf Nvidia in einer eigentlich starken Woche. Erst am Mittwoch hatte der Konzern Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt, die die Erwartungen deutlich übertrafen.
Der Umsatz kletterte auf 96,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Data-Center-Geschäft wuchs sogar um 117 Prozent auf 89,0 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,22 Dollar und damit über dem Konsens von 2,09 Dollar.
Regulatorische Fragen überschatten starke Prognose
Für das dritte Quartal stellte das Management einen Umsatz von 108,0 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 2 Prozent. Für das kommende Geschäftsjahr 2028 nannte Nvidia eine vorläufige Wachstumsrate von rund 70 Prozent und verwies dabei auf Lieferengpässe bei der neuen Vera-Rubin-Plattform.
Der Vorstand beschloss zudem ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar sowie eine Quartalsdividende von 0,25 Dollar je Aktie, zahlbar am 1. Oktober an Aktionäre, die am 10. September im Register stehen.
Dass ausgerechnet die Nachricht über das gestoppte Partnerprogramm die starken Zahlen überlagerte, zeigt, wie sensibel der Markt auf regulatorische Risiken rund um Nvidias Geschäftsmodell reagiert.
Verschärft wurde der Druck durch Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh beim Jackson-Hole-Symposium, der vor anhaltender Inflation warnte und die Erwartungen an eine Zinserhöhung im September schürte – eine Belastung insbesondere für hoch bewertete Technologiewerte wie Nvidia.
Übernahme von Hugging Face und Analystenreaktionen
Parallel zu den regulatorischen Turbulenzen wurde bekannt, dass Nvidia die quelloffene KI-Plattform Hugging Face für rund 12,9 Milliarden Dollar übernehmen will, um sein Software- und Modell-Ökosystem auszubauen. Der Schritt passt zur Strategie des Konzerns, sich über die reine Chip-Fertigung hinaus als Infrastruktur- und Softwareanbieter für Künstliche Intelligenz zu positionieren.
Nach der Vorlage der Quartalszahlen reagierten mehrere Analysehäuser mit angehobenen Kurszielen. Wedbush erhöhte sein Kursziel auf 345 Dollar, Truist Securities auf 346 Dollar und JPMorgan auf 320 Dollar, während Benchmark seine Kaufempfehlung mit einem Ziel von 335 Dollar bestätigte.
Geschäftsausbau trotz Gegenwind
Operativ baute Nvidia sein Partnernetzwerk weiter aus. Amazon Web Services will im Rahmen einer erweiterten Kooperation bis zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2029 zusätzlich zwei Millionen Nvidia-Grafikprozessoren einsetzen und die Nemotron-Modellfamilie über Amazon Bedrock anbieten.
Der Inferenzbeschleuniger Groq 3 LPX, Teil der Vera-Rubin-Plattform, ging mit Nebius als erstem Cloud-Partner in die Serienproduktion. Zudem kündigte SpaceXAI an, Nvidias Vera-CPUs für agentische KI-Anwendungen einzusetzen.
Auch personell gab es eine Veränderung: Ajay K. Puri, Executive Vice President für die weltweiten Vertriebsaktivitäten, verließ das Unternehmen zum 24. August. Die nächsten Quartalszahlen werden für den 18. November erwartet – bis dahin dürfte die Frage, wie weit die Kartellbedenken das Partnerprogramm tatsächlich einschränken, im Zentrum des Anlegerinteresses stehen.
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