Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Nvidia war in den vergangenen Tagen massiv unter Druck geraten. Eine Meldung, wonach bei OpenAI (ChatGPT) die annualisierte Umsatzrate wohl deutlich niedriger ausfällt als zuletzt vielfach angenommen, ließ die gesamte Chip-Branche einknicken. Für die Nvidia-Aktie bedeutete dies, dass es vom Rekordhoch von 243 US-Dollar noch am Dienstag der Vorwoche bis auf 223 Dollar zurückging. Nun aber hat sie sich wieder auf 228 Dollar vorangekämpft. Eine Nachricht aus Europa hat den Anlegern offenbar wieder neue Zuversicht gegeben.
Nvidia steigt jetzt bei Doctolib ein
Denn laut übereinstimmender Medienberichte steigt der US-Chiphersteller bei der französischen Ärzteplattform Doctolib als Minderheitsaktionär ein. Das teilte Doctolib-Chef Stanislas Niox-Chateau demnach in Paris mit, wie unter anderem das Handelsblatt meldet. „Diese Investition wird es uns ermöglichen, schneller KI-Talente zu gewinnen und unsere Entwicklung voranzutreiben“, wird er zitiert.
Wie viele Anteile Nvidia übernimmt, sei zunächst offengeblieben. Durch den Einstieg von Nvidia will Doctolib dem Bericht zufolge vor allem die eigenen auf KI basierenden Lösungen und Modelle in Europa weiterentwickeln.
- Doctolib ist hierzulande vor allem für seine Online-Plattform bekannt, über die Patienten Termine in Arztpraxen buchen können
- Das Unternehmen bietet darüber hinaus Lösungen für administrative und buchhalterische Aufgaben in Praxen an
Nvidia seit langem auf Einkaufstour
Doctolib wolle mit Nvidias Hilfe nun eigene KI-Modelle trainieren, etwa für den Telefonassistenten, heißt es beim Anlegermagazin Der Aktionär. Wie viel Nvidia zahle, sei offen. „Teuer war der Einstieg kaum: Bei einem Anteilsverkauf im April wurde Doctolib laut Bloomberg mit 3,60 Milliarden Euro bewertet, im Jahr 2022 waren es noch 5,80 Milliarden Euro“, so der Bericht.
Und es ist nur ein weiterer Schritt für den US-Chip-Giganten: Erst Anfang September habe Nvidia die Übernahme der KI-Plattform Hugging Face für 12,93 Milliarden Dollar vereinbart. Kritiker sähen in derartigen Beteiligungen einen Kreislauf: Nvidia finanziere Unternehmen, die später seine Chips kaufen. Doctolib sei für Nvidia entsprechend Kleingeld, „strategisch zählt der Schritt trotzdem“, so die Einschätzung. CEO Huang positioniere sich als Partner „für souveräne KI in Europa“.
Aktie mit neun Prozent im Monatsplus
Für die Aktie von Nvidia war das möglicherweise der entscheidende Impuls, nachdem die Papiere zuletzt wieder gut acht Prozent unter das Rekordhoch vom Dienstag vergangener Woche gefallen war. Davor allerdings hatten die Papiere einen echten Lauf, verbesserten sich von 209 US-Dollar noch am 14. September binnen weniger Wochen bis auf besagte 243 Dollar. Noch immer beläuft sich das Monatsplus somit auf rund neun Prozent.
Nvidia Aktie Chart
Fast alle Analysten würden Nvidia kaufen
Geht es nach den Analysten, muss es das nicht gewesen sein: Vor dem Wochenende hatte die Schweizer Großbank UBS die Einstufung für Nvidia auf „Buy“ mit einem Kursziel von 300 US-Dollar belassen, gut 30 Prozent über dem aktuellen Kursstand. Damit war die Bank sogar ausgesprochen konservativ unterwegs. Laut aktien.guide liegt das durchschnittliche Kursziel für die Aktie aktuell bei 321,30 Dollar. Entsprechend lauten die Empfehlungen:
- 65 Analysten empfehlen Nvidia zum Kauf
- drei raten aktuell zum Halten der Papiere
- nur einer würde sie im Moment verkaufen
Bernstein Research beließ Kursziel auf 400 Dollar
Definitiv nicht dazu zählt Stacy Rasgon vom US-Analysehaus Bernstein Research: Er hatte die Nvidia-Aktie nach einer Bustour mit Halbleiter-Investoren durch das Silicon Valley Ende September mit einem Kursziel von sogar 400 US-Dollar auf „Outperform“ belassen. Beim KI-Chip-Branchenprimus hob der Analyst nach Gesprächen mit Finanzchefin Colette Kress das weiter enorme Potenzial im Bereich Rechenzentren hervor. Um seine Prognose zu erreichen, müsste Nvidia seinen Börsenwert um nicht weniger als 75 Prozent steigern.
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