Nvidia Aktie: Michael Burry stockt Short-Position auf

Nvidia verzeichnet Kursgewinne trotz Speicherknappheit und offener Fragen zu einer 250-Milliarden-Dollar-Finanzierungsgarantie für OpenAI. Insider verkaufen, Fonds kaufen.

Auf einen Blick:
  • Kursplus trotz Lieferkettenproblemen
  • 250-Milliarden-Finanzierungsgarantie für OpenAI
  • Insider verkaufen, Fonds kaufen
  • Quartalszahlen am 26. August erwartet

Es gibt Wochen, in denen ein Aktienkurs mehr über eine Branche erzählt als jeder Analystenbericht. Die vergangenen Tage bei Nvidia gehören dazu. Auf 193,68 Euro schloss das Papier am Freitag, ein Plus von 2,03 Prozent an diesem Tag allein – und dennoch liegt der Kurs noch 4,36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Zwischen Euphorie und Zweifel liegt bei Nvidia derzeit erstaunlich wenig Platz.

Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines größeren Musters: Der KI-Infrastruktur-Boom, den Nvidia mit seinen Chips befeuert, hat einen Punkt erreicht, an dem jede neue Partnerschaft gefeiert und jede neue Finanzierungsfigur misstrauisch beäugt wird. Beides passiert gerade gleichzeitig.

Wenn der Speicher knapp wird

Technisch gesehen ist die spannendste Geschichte derzeit der Rubin Ultra, Nvidias kommender KI-Beschleuniger. Berichten zufolge testet der Konzern inzwischen mehrere Speicherkonfigurationen mit weniger Hochbandbreitenspeicher als ursprünglich geplant – offenbar, weil sich nicht genug moderne Speicherchips beschaffen lassen. Eine der diskutierten Varianten käme auf rund ein Drittel weniger Speicherkapazität als der aktuelle Vera-Rubin-Chip. Nvidia selbst hat weder das eine noch das andere bestätigt. Doch allein die Tatsache, dass ausgerechnet der Marktführer an Lieferkettengrenzen stößt, sagt etwas über das Tempo der Nachfrage aus, mit dem die gesamte Halbleiterwelt kämpft.

Diese Nachfrage speist sich derzeit aus einem globalen Ausbauprogramm, das kaum ein Land ausschlägt. Erst launchte Nvidia gemeinsam mit der japanischen Regierung eine nationale KI-Infrastrukturinitiative, dann folgten binnen wenigen Tagen eine erweiterte Partnerschaft mit der SK Group zu KI-Fabriken und Speichertechnik der nächsten Generation, ein Ausbau der koreanischen KI-Infrastruktur mit NAVER und Brookfield, ein gemeinsames Forschungslabor mit der KAIST-Universität sowie eine strategische Kooperation mit Ilya Sutskevers Safe Superintelligence. Auch aus Korea meldete sich prominenter Besuch an: LG-Konzernchef Koo Kwang-mo wollte in der Woche nach dem 7. August zu Gesprächen mit Nvidia-Chef Jensen Huang in die USA reisen. Nvidia ist längst nicht mehr nur Zulieferer, sondern so etwas wie ein diplomatischer Knotenpunkt der KI-Weltwirtschaft.

Die Kehrseite: zirkuläre Finanzierung

Genau diese Zentralität wird nun zum Risiko. Ende Juli berichtete das Wall Street Journal, Nvidia verhandele über eine Finanzierungsgarantie von rund 250 Milliarden Dollar für OpenAIs geplanten Rechenzentrums-Campus in Ohio, ein Projekt, das insgesamt mehr als 500 Milliarden Dollar kosten könnte – zusätzlich zu möglichen weiteren 350 Milliarden Dollar an Finanzierung für Chip-Käufe. Der Markt reagierte unmittelbar: Am 27. Juli fiel die Nvidia-Aktie um rund 5 Prozent auf 196,51 Dollar, kostete den Konzern binnen eines Handelstags rund 250 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung und übergab den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt zurück an Apple.

Investor Michael Burry, bekannt aus der Finanzkrise, nannte das Konstrukt zirkuläre Finanzierung und stockte seine Nvidia-Short-Position bei einem Kurs von rund 210,28 Dollar weiter auf, ebenso seine Wetten gegen den Halbleiter-ETF SOXX und gegen Micron. Sein Argument trifft einen wunden Punkt: Nvidias eigene Quartalsmitteilung begrenzt das gesamte Volumen an Leasing-Garantien auf 3,5 Milliarden Dollar – eine Zusage von 250 Milliarden Dollar würde diesen Rahmen um das rund 71-Fache überschreiten. Ob und wie ein solches Volumen überhaupt strukturiert werden könnte, ist offen.

Insider verkaufen, die Aktie steigt trotzdem

Parallel dazu fällt ein anderes Signal auf: In den vergangenen 90 Tagen haben Nvidia-Insider 13 Transaktionen abgewickelt – ausschließlich Verkäufe, mit einem Gesamtvolumen von etwa 767,2 Millionen Dollar, darunter deutliche Positionsabbauten von Direktor Mark A. Stevens. Gleichzeitig zeigen Fondsdaten ein gemischtes Bild: SCS Capital Management reduzierte seine Position um 8.590 Aktien, während Antipodes Partners um 222.759 Aktien aufstockte. Cathie Woods ARK-Fonds sollen Nvidia bei Kursrückgängen zugekauft haben, während sie gleichzeitig Palantir verkleinerten.

Bleibt die Frage, wer am Ende recht behält – die Insider, die Kasse machen, oder die Fondsmanager, die jeden Rückschlag als Einstiegschance lesen? Eine Antwort dürfte sich am 26. August andeuten, wenn Nvidia die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal vorlegt, für das Konsensschätzungen ein Umsatzwachstum von rund 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwarten. Ungeklärt bleibt zudem, wie stark chinesische Restriktionen das Geschäft weiter belasten – Medienberichten zufolge stehen dort bis zu 5 Milliarden Dollar an Umsatz auf dem Spiel, sollte sich die Regulierung verschärfen. Der Kurs notiert derzeit 8,03 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der Markt trotz aller Fragezeichen noch an die Wachstumsgeschichte glaubt.

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