Nvidia Aktie: Huawei soll 2026 auf 50 Prozent kommen

Symbolbild, KI-generiert

Mit dem 12,9-Milliarden-Dollar-Kauf von Hugging Face erweitert Nvidia sein KI-Geschäft, während Lieferketten- und China-Risiken wachsen.

Auf einen Blick:
  • Hugging-Face-Übernahme für 12,9 Milliarden Dollar
  • H100-Mietpreise steigen um 22 Prozent
  • Nvidia erwartet 70 Prozent Umsatzwachstum
  • Huawei könnte Chinas KI-Markt anführen

Wer verstehen will, wohin die künstliche Intelligenz in den nächsten Jahren treibt, sollte nicht auf den Nvidia-Kurs schauen, sondern auf die Einkaufsliste des Konzerns. Und die ist in diesen Tagen lang.

12,9 Milliarden Dollar zahlt Nvidia für Hugging Face, jene Plattform, auf der 18 Millionen Entwickler und mehr als drei Millionen KI-Modelle zusammenkommen. Es ist fast doppelt so teuer wie die Mellanox-Übernahme von 2020, mit der Nvidia einst sein Rechenzentrumsgeschäft aufbaute.

Das Kalkül ist diesmal ein anderes: Nvidia kauft nicht Hardware, sondern die Verteilerebene für offene Modelle. Wer bestimmt, wie KI-Software verteilt wird, sichert sich am Ende auch, worauf sie läuft.

Eine Wette gegen die eigene Verwundbarkeit

Genau hier wird die Geschichte interessant. Manche Beobachter lesen den Hugging-Face-Deal als defensiven Schachzug gegen eine mögliche KI-Blase und fallende Preise für Rechenleistung – Nvidia sichert sich ab, falls die großen Cloud-Anbieter irgendwann selbst zu Konkurrenten werden. Firmenchef Jensen Huang betont dagegen die Offenheit: Hugging Face solle Plattform bleiben, keine Nvidia-Pflicht für die Nutzer.

Ob das reicht, um das Vertrauen der Entwickler-Community zu halten, ist die eigentlich unbequeme Frage hinter der Meldung. Es gibt keine bindenden Zusagen zur Unternehmensführung, und Beobachter halten eine Abwanderung von Maintainern für möglich. Ein Konzern, der die Infrastruktur einer offenen Bewegung kauft, bleibt immer angreifbar für den Vorwurf, sie am Ende zu vereinnahmen.

Der Kaufpreis von rund 86-mal dem annualisierten Umsatz von Hugging Face – über 150 Millionen Dollar im August – zeigt, wie viel Nvidia bereit ist zu zahlen, um Kontrolle über eine Ebene zu bekommen, die sich nicht in Chips messen lässt.

Firmenchef Huang selbst hat die Denkweise dahinter zuletzt so formuliert: Rechenleistung sei „fungibel, langlebig“, ein Gut, das man wie einen Vermögenswert behandeln müsse.

Passend dazu steigen auch die Mietpreise für die drei Jahre alte H100-GPU weiter – zuletzt um 22 Prozent auf 3,28 Dollar pro Stunde. Ein altes Produkt, das noch immer knapp ist: Das sagt mehr über die Nachfragelage als jede Prognose.

Zwischen AGI-Rhetorik und Lieferkettenrisiken

Und die Prognosen sind ambitioniert. Nvidia rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit rund 70 Prozent Umsatzwachstum – deutlich über den Analystenschätzungen, die zuvor bei etwa 44 Prozent lagen. Das Rechenzentrumsgeschäft allein trug im jüngsten Quartal 89 Milliarden Dollar zum Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar bei.

Firmenchef Huang erklärte parallel, das „Zeitalter der AGI“ habe begonnen, nachdem OpenAIs neues Modell auf über 100.000 Nvidia-Grace-Blackwell-Systemen trainiert wurde – 400.000 weitere GPUs sollen folgen. Nicht alle teilen diese Einschätzung; Kritiker wie Gary Marcus halten die Aussage für verfrüht, und selbst innerhalb von OpenAI gibt es unterschiedliche Töne.

Wer nur auf die großen Zahlen schaut, übersieht die kleineren Risse. Der Zulieferer Wistron musste am Montag einen Kursrutsch von über sechs Prozent hinnehmen, nachdem er einen Aktienverkauf über 1,47 Milliarden Dollar ankündigte, um Rohstoffe zu finanzieren.

Gleichzeitig verschiebt Nvidia offenbar die Speicherarchitektur seines kommenden Rubin-Ultra-Beschleunigers auf einfacher gestapelten Speicher – ein Zugeständnis an steigende Speicherkosten.

Und in China rückt Huawei mit seinen Ascend-Chips nach: Bernstein rechnet für 2026 mit einem Marktanteilssprung von Huawei auf 50 Prozent im chinesischen Markt, während Nvidias Anteil dort von 40 auf 8 Prozent fallen soll.

Was das für die Aktie bedeutet

An der Börse kommt von all dem bislang vor allem eines an: Vertrauen. Der Kurs notiert bei 199,76 Euro, nur 1,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, und liegt 18 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt.

Analysehäuser wie Cantor Fitzgerald bekräftigen ihre positive Einschätzung mit einem Kursziel von 350 Dollar und verweisen darauf, dass Nvidia größter Kunde von TSMC sei und gemessen an den erwarteten Gewinnen für 2028 vergleichsweise günstig bewertet bleibe. JPMorgan sieht ein Kursziel von 320 Dollar.

Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Nvidia weiter wächst – die Zahlen sprechen für sich. Sie lautet, ob ein Konzern, der gleichzeitig Chiphersteller, Infrastrukturkäufer und nun auch Hüter einer offenen Entwickler-Community sein will, all diese Rollen auf Dauer glaubwürdig zusammenhalten kann.

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