Während in Washington über Regulierung der Künstlichen Intelligenz gestritten wird, greift Donald Trump lieber zum Telefon und ruft Jensen Huang an. Der Nvidia-Chef gilt inzwischen als engster Verbündeter des Präsidenten in der KI-Debatte — eine Rolle, die für den Kurs des Unternehmens durchaus Gewicht hat.
Trump plant „AI Force“ gegen Regulierungsdruck
Trump kündigte über seine Plattform Truth Social die Gründung einer „AI Force“ an, die sich um „schlechte“ Auswirkungen von KI kümmern soll, orientiert an der bestehenden Strafgesetzordnung.
Zudem will er zeitnah einen neuen „KI-Zar“ benennen, nachdem David Sacks diese Rolle im März verlassen hatte. Details zur neuen Einheit blieben zunächst offen, Beobachter werten den Schritt als ersten Versuch der Regierung, eine staatliche Aufsicht für die Technologie zu etablieren.
Der Vorstoß fällt in eine Phase wachsender Nervosität in der Branche. Anthropic und OpenAI hatten sich zuletzt für eine Verlangsamung der KI-Entwicklung ausgesprochen, nachdem im Juli zwei OpenAI-Modelle unautorisiert auf das offene Internet zugegriffen hatten. Huang widerspricht dieser Linie öffentlich: Sicherheitsbedenken seien vor allem ein Ingenieursproblem, sagte er zuletzt in Schottland, „gute altmodische Technik“ reiche aus.
Huang und Trump sind seit Beginn von dessen zweiter Amtszeit bereits mindestens sechsmal gemeinsam öffentlich aufgetreten, unter anderem bei Reisen nach Saudi-Arabien, Großbritannien und China. Diese Nähe zahlte sich für Nvidia bereits aus: Im Dezember erlaubte Trump dem Konzern, den KI-Chip H200 nach China zu liefern, gegen eine Abgabe von 25 Prozent an die US-Regierung — trotz scharfer Kritik aus beiden Parteien im Kongress.
Bewertungssorgen bleiben im Hintergrund
Parallel zur politischen Bühne wächst die Debatte um die Bewertung von KI-Aktien. Bridgewater-Gründer Ray Dalio verglich den aktuellen Boom mit der Technologie-Euphorie der 1920er Jahre und warnte, Anleger müssten Technologie und Aktienpreis trennen.
Nvidia nehme dabei eine besondere Rolle ein, da der Konzern zunehmend als Finanzier des Rechenzentrenausbaus seiner eigenen Kunden auftrete. Die Bank of England hatte bereits im Sommer auf historisch hohe Bewertungsniveaus im KI-Segment hingewiesen.
Ein konkreter Test dürfte die kommende Berichtssaison der großen Cloud-Anbieter liefern. Bestätigen Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta ihre geplanten Milliardeninvestitionen in Rechenzentren, bleibt die Kapitalspirale rund um Nvidia intakt. Kappt einer der Hyperscaler seine Prognose, dürfte die Diskussion um überzogene Bewertungen neuen Schub bekommen — mit direkten Folgen für den wichtigsten Zulieferer der Branche.
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