Nvidia verliert in China an Boden, während der Markt für KI-Aktien insgesamt nervöser wird. Neue Marktdaten zeigen, wie schnell heimische Rivalen aufholen. Hinzu kommen Warnungen namhafter Ökonomen vor einer Korrektur an der Technologiebörse.
Huawei und Cambricon holen auf
Im ersten Halbjahr 2026 sank Nvidias Marktanteil bei KI-Beschleunigern für chinesische Rechenzentren auf 34 Prozent. Das geht aus Zahlen des Marktforschers IDC hervor. Huawei kommt demnach auf 28 Prozent, auch Cambricon und Hygon gewinnen Anteile.
Die Ursache liegt in der Politik. Die USA haben Chinas Zugang zu hochentwickelten KI-Chips und wichtigen Halbleitertechnologien in den vergangenen Jahren zunehmend beschränkt. Peking reagiert mit dem Aufbau einer eigenen Chipindustrie.
Das Kapital folgt bereits. Ein neuer VanEck-ETF bündelt ausschließlich chinesische Halbleiterwerte, darunter Cambricon, Hygon und die Ausrüster NAURA und Advanced Micro-Fabrication Equipment. Er ist der erste europäische UCITS-ETF mit diesem Fokus. Etablierte Branchenfonds setzen dagegen vor allem auf Nvidia, TSMC, Broadcom oder ASML.
Warnungen vor einer Korrektur
Auch die Stimmung gegenüber dem KI-Sektor insgesamt trübt sich ein. Jeremy Siegel, Senior Economist bei WisdomTree, hält einen Rückgang des Nasdaq Composite um bis zu 30 Prozent für möglich. Voraussetzung wäre allerdings, dass KI-Investitionen dauerhaft keine stabilen Gewinne abwerfen. Seine langfristige Zuversicht für KI stellt er nicht infrage.
In der Woche vom 19. bis 23. Oktober erlebte der Nasdaq einen der größten Ausverkäufe der jüngeren Vergangenheit. Value-Indizes erreichten dagegen Rekordhochs. Siegel sieht in dieser Rotation die Unsicherheit über Ausmaß und Dauer des KI-Investitionsbooms. Die Parallele zur Blase von 2000 lehnt er ausdrücklich ab.
Ähnlich vorsichtig äußern sich andere Häuser. BlackRock verweist auf den enormen Bedarf an Kapital, Energie und Infrastruktur. StoneX hält einen Rückschlag des S&P 500 von zehn Prozent oder mehr für denkbar. Laut UBS haben Hedgefonds zuletzt Teile ihrer KI-Infrastruktur-Positionen reduziert. Citadel Securities sieht nach dem Abbau spekulativer Positionen dagegen Raum für eine Erholung.
Nächster Fixpunkt im Dezember
Siegel verweist auf die Fed-Sitzung im Dezember. Der Markt preiste dafür Ende Oktober weiterhin eine mögliche Zinserhöhung ein. Sinkende Realzinsen würden KI-Werten helfen. Verlangsamt sich der Ausbau der Rechenzentren, rechnet Siegel jedoch mit geringerem Kapitalbedarf und niedrigeren Zinsen. Für Nvidia bedeutet das ein Spannungsfeld aus Marktanteilsverlusten in China und einer hohen Abhängigkeit vom Investitionszyklus der Cloud-Konzerne.
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