Während Anlegerinnen und Anleger noch über das Tempo der KI-Entwicklung streiten, rechnet Bank of America bereits in deutlich größeren Dimensionen. Das Institut hat seine Wachstumsprognose für die US-Halbleiterindustrie kräftig angehoben — und Nvidia bleibt darin der bevorzugte Titel.
Höhere Ausgaben, größerer Markt
Bank of America erwartet für die Chipbranche bis 2030 nun ein durchschnittliches jährliches Plus von 18 Prozent, zuvor waren es 14 Prozent. Der adressierbare Markt soll dadurch auf 3,2 Billionen Dollar wachsen, statt der vorherigen Schätzung von 2,7 Billionen Dollar.
Die Bank verweist darauf, dass die Branche 50 Jahre brauchte, um einen Umsatz von einer Billion Dollar zu erreichen — die aktuelle Marktgröße von 1,7 Billionen Dollar soll sich nun binnen vier Jahren verdoppeln.
Auch bei den Fertigungsausgaben schraubt das Institut nach oben. Für 2026 kalkuliert BofA nun mit 156 Milliarden Dollar für die Wafer-Herstellung statt zuvor 144 Milliarden Dollar. Getrieben wird die Anhebung vor allem von der Nachfrage nach Speicher-Fertigungsanlagen, wo für 2027 bereits 85 Milliarden Dollar an DRAM-Investitionen erwartet werden.
Neben Nvidia nennt Bank of America auch AMD, Marvell, Analog Devices und ON Semiconductor als bevorzugte Titel im Sektor. Ein konkretes Signal für die Nachfrage nach Rechenkapazität liefert die Mietpreisentwicklung: Nvidias B200-GPU kostete Mitte September rund 5,72 Dollar pro Stunde.
Insider verkauft, Kurs nahe Rekordhoch
Parallel zu den optimistischen Branchenprognosen hat Timothy Teter, General Counsel und Executive Vice President bei Nvidia, Ende September Aktien im Gegenwert von rund 6,79 Millionen Dollar verkauft. Die Transaktion erfolgte über einen zuvor eingerichteten automatisierten Handelsplan und betraf Anteile aus einem Familientreuhandvermögen. Nach dem Verkauf hält Teter weiterhin direkt und indirekt Millionen Aktien.
Die Verkäufe fielen in eine Phase, in der die Nvidia-Aktie nahe ihrem Jahreshoch notierte — der Kurs legte binnen sechs Monaten um 35 Prozent zu. Insiderverkäufe über automatisierte Pläne gelten grundsätzlich als planmäßige Portfoliodiversifikation und nicht als Signal für eine veränderte Unternehmenseinschätzung.
Risiken bleiben im Blick
Trotz der optimistischen BofA-Prognose bleiben Unsicherheiten bestehen. Die Debatte um das Tempo der KI-Entwicklung, angestoßen durch Anthropic-Chef Dario Amodei, sorgt weiter für Nervosität. Steigende Anleiherenditen belasten zinssensitive Technologiewerte zusätzlich, und ein zuvor enttäuschender Ausblick von Broadcom hatte die Sektorstimmung bereits gedämpft.
Als nächsten wichtigen Datenpunkt für die Speicherchip-Preise nennt Bank of America die Quartalszahlen von Micron am 30. September 2026. Die Zahlen dürften zeigen, ob die höheren Wachstumserwartungen für den Speichermarkt tatsächlich durch die Auftragslage gedeckt sind.
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