Nvidia hat am Wochenende die bislang größte Kooperationsrunde mit südkoreanischen Technologiekonzernen besiegelt – und steht damit zugleich im Zentrum einer Debatte über die Finanzierbarkeit des globalen KI-Baubooms. Während in San Francisco milliardenschwere Lieferverträge unterzeichnet wurden, warnte die Ratingagentur Moody’s parallel vor den wachsenden Schuldenlasten der Branche.
Südkorea bündelt fast eine Billion Dollar für KI-Infrastruktur
Beim AI-Gipfel in San Francisco am Freitag, den südkoreanische Präsident Lee Jae Myung ausrichtete, verkündeten Nvidia und südkoreanische Konzerne Vereinbarungen im Gesamtvolumen von 950 Milliarden Dollar. Kernstück ist die Allianz zwischen Nvidia und der SK Group über mehr als 500 Milliarden Dollar: SK Telecom baut demnach eine 2-Gigawatt-KI-Fabrik, die auf Nvidias kommender Vera-Rubin-Plattform sowie auf HBM4-Speicherchips von SK Hynix basiert. Die erste Anlage soll 2027 in Betrieb gehen. SK Hynix und Nvidia vereinbarten zudem eine langfristige Partnerschaft zur gemeinsamen Entwicklung der nächsten HBM-Generation.
Samsung Electronics wiederum schloss mit Broadcom eine Absichtserklärung über bis zu 200 Milliarden Dollar für Speicher, Foundry-Fertigung und Advanced Packaging. Der Internetkonzern Naver erhält gemeinsam mit dem Investor Brookfield eine Milliarde Dollar von Nvidia, um sein KI-Rechenzentrum auf 200 Megawatt und rund 100.000 GPUs auszubauen – nach Angaben von Nvidia-Chef Jensen Huang, der die Erweiterung auf dem Gipfel persönlich ankündigte. Der Autobauer Hyundai Motor Group skizzierte parallel eine Strategie für „physische KI“ mit 50.000 Blackwell-Grafikprozessoren von Nvidia, zudem starteten Nvidia und die Universität KAIST ein gemeinsames Forschungslabor für Künstliche Intelligenz. Der südkoreanische SK-Konzernchef Chey verwies darauf, dass KI-Kunden zunehmend mehr Speicherkapazität nachfragen; OpenAI habe SK bereits gedrängt, Chips künftig direkt zu liefern.
Die Ankündigungen reihen sich in eine Serie ähnlicher Nvidia-Vereinbarungen der vergangenen Wochen ein und unterstreichen, wie sehr sich der Chipkonzern als zentraler Ausrüster für staatlich geförderte KI-Infrastruktur in Asien positioniert. Für die Zulieferkette bedeutet das vor allem eines: gesicherte Abnahme über Jahre hinweg, solange die HBM-Kapazitäten mit der Nachfrage Schritt halten.
Moody’s warnt vor Schuldenlast der Branche
Dem Optimismus rund um neue Aufträge steht eine deutliche Warnung gegenüber. Die Ratingagentur Moody’s bezifferte die direkten Schulden der großen KI-Investoren – darunter Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta, Oracle und CoreWeave – auf rund 460 Milliarden Dollar, hinzu kommen Leasingverpflichtungen von 1,2 Billionen Dollar, davon 820 Milliarden Dollar allein für noch unfertige Rechenzentren. Die KI-Investitionen der Branche sollen laut Moody’s 2026 auf 785 Milliarden Dollar steigen und 2027 die Marke von einer Billion Dollar überschreiten. Oracle trägt inzwischen einen negativen Ausblick bei der Bonitätsstufe Baa2, CoreWeave wird nur noch als Ba3 und damit im Ramschbereich geführt. Moody’s sieht zudem ein zirkuläres Risiko, weil viele Investitionen letztlich in dieselben Partnerunternehmen wie OpenAI oder Anthropic zurückfließen.
Diese Finanzierungssorgen zeigten bereits Wirkung an den Märkten: Nach schwachen Kennzahlen bei Alphabet und Tesla verloren die „Magnificent Seven“ an einem einzigen Handelstag rund 797 Milliarden Dollar an Marktwert. Zulieferer wie Micron und Nvidia selbst profitierten davon jedoch, da Anleger weiterhin auf die Hardware-Lieferanten des KI-Booms setzen statt auf die hochverschuldeten Betreiber der Rechenzentren.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse spiegelte sich die Nachrichtenflut zunächst nur gedämpft wider. Die Nvidia-Aktie schloss am Freitag bei 182,00 Euro und gab um 0,80 Prozent nach, nachdem der Kurs zuvor auf ein Jahreshoch von 202,50 Euro geklettert war. Der aktuelle Kurs liegt damit rund zehn Prozent unter diesem Rekordniveau, gleichzeitig aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,11 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt. Für Anleger bleibt die Gemengelage ambivalent: Auf der einen Seite sichern milliardenschwere Lieferverträge aus Asien Nvidias Auslastung über Jahre ab, auf der anderen Seite mahnt Moody’s zur Vorsicht bei der Frage, wie tragfähig die Schuldenfinanzierung der gesamten KI-Infrastruktur langfristig ist.
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