1,5 Milliarden Dollar für mehr Chip-Fertigung in Arizona: Nvidia baut seine Lieferkette in den USA aus. Der Deal mit dem Zulieferer Amkor Technology kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Anleger genauer hinschauen, ob das Wachstumstempo des Chipkonzerns noch das alte ist.
Amkor-Partnerschaft wächst
Amkor und Nvidia haben ihre bestehende Zusammenarbeit bei fortschrittlicher Chip-Verpackung deutlich erweitert. Der Deal umfasst 1,5 Milliarden Dollar, inklusive einer Vorauszahlung in bar. Amkor entwickelt künftig Verpackungs- und Testtechnologien für die nächste Generation von KI- und Hochleistungs-Rechenchips.
Die Vorauszahlung von Nvidia soll den Ausbau der heimischen Fertigungskapazitäten bei Amkor beschleunigen. Konkret profitiert der Standort Arizona davon. Nvidia-Manageri Debora Shoquist erklärte, KI treibe einen „generationenübergreifenden Wandel“ an und schaffe die Chance, US-Fertigung und Lieferketten neu zu beleben.
UBS-Analyst Randy Abrams reagierte mit einer Hochstufung von Amkor. Er sieht die Partnerschaft als Bestätigung für Amkors wachsende Rolle bei Nvidias Vera-CPU, wo er einen Marktanteil von rund 60 Prozent schätzt. Auch bei den Chip-Linien GB10 und N1X sowie potenziell künftigen Produkten wie Rosa rechnet Abrams mit einer Ausweitung der Zusammenarbeit.
Kurs unter Druck, Geschäft läuft weiter
Nvidia-Aktien schlossen zuletzt bei 182,00 Euro, ein Minus von 0,80 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 2,70 Prozent zu Buche. Zum bisherigen Rekordhoch von 202,50 Euro aus dem Mai fehlen aktuell rund 10 Prozent.
Diese Verlangsamung fällt auf, weil Nvidia in den Vorjahren deutlich stärker zugelegt hatte. Eine aktuelle Analyse von Motley Fool bringt es auf den Punkt: Die Aktie liege 2026 bisher nur 12 Prozent im Plus – kaum mehr als der S&P 500. Die Sorge dahinter: Ist das schwächere Tempo ein Vorbote für die kommenden Jahre?
Das operative Geschäft zeichnet allerdings ein anderes Bild. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. April 2026 endete, meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Wall-Street-Analysten erwarten zwischen den Geschäftsjahren 2026 und 2029 dennoch nur noch ein Umsatzwachstum von 219 Prozent – deutlich weniger als die 700 Prozent der vorangegangenen drei Jahre.
Kundenabhängigkeit und China-Geschäft
Neben der Wachstumsdebatte richten Analysten den Blick auf strukturelle Risiken. Große Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft, Google und Meta entwickeln eigene Chips, um ihre Abhängigkeit von Nvidias Grafikprozessoren zu verringern. Die Nachfrage ist aktuell hoch, langfristig entsteht dadurch aber ein Risiko: Nvidias wichtigste Kunden suchen selbst nach Ausstiegsstrategien.
Das China-Geschäft bleibt durch US-Exportregeln eingeschränkt, hat sich zuletzt aber teilweise geöffnet. US-Behörden bestätigten, dass Nvidia inzwischen begrenzte Mengen des H200-KI-Chips nach China liefert. Genehmigungen erhielten unter anderem Alibaba, Tencent, ByteDance und ZTE. Laut Reuters-Berichten hatten chinesische Kunden zuvor Interesse an mehr als zwei Millionen H200-Chips signalisiert, bei einem Stückpreis von etwa 27.000 Dollar. Die aktuelle Unternehmensprognose klammert China-Umsätze im Rechenzentrumsgeschäft komplett aus – jede Belebung dort wäre somit zusätzliches Potenzial, kein eingepreister Faktor.
Die nächsten Quartalszahlen von Nvidia stehen erst Ende August an. Bis dahin liefert der Amkor-Deal ein frühes Signal dafür, dass der Ausbau der KI-Lieferkette weitergeht. Parallel dazu blicken Investoren auf die anstehenden Quartalsberichte von Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet – sie zeigen, ob die angekündigten KI-Investitionen der Hyperscaler tatsächlich in neue Chip-Bestellungen münden.
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