Nvidia: Absolute Ausnahmezahlen – und die Statistik spricht für mehr

Nvidia pulverisiert erneut die Erwartungen. Rekordumsätze, KI-Boom und massive Rückkäufe sprechen dafür, dass die Rally noch nicht vorbei ist.

Auf einen Blick:
  • Rekordumsatz trotz hoher Erwartungen
  • KI-Boom beschleunigt sich weiter
  • Rechenzentrum bleibt Wachstumsmotor
  • Massive Aktienrückkäufe angekündigt
  • Statistik spricht für Kursgewinne

Liebe Leserinnen und Leser,

der weltweit größte KI-Profiteur Nvidia hat am vergangenen Mittwoch Quartalszahlen vorgelegt, die mit Spannung erwartet wurden und wieder einmal besser als der Markt berechnet hatte, ausfielen. Geschlagene Erwartungen sind bei Nvidia inzwischen fast schon zur Routine geworden, und doch lohnt es sich, die jüngsten Zahlen genau anzuschauen. Denn was der Konzern aus dem Silicon Valley da wieder einmal ablieferte, hat in der Unternehmens- und Börsengeschichte kaum einen Vergleich.

Trotz hoher Erwartungen wieder einmal „besser als erwartet“

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 meldete Nvidia einen Umsatz von 81,4 Mrd. US-Dollar – ein Plus von rund 85% gegenüber dem Vorjahresquartal und gleichzeitig rund 3 Mrd. US-Dollar mehr als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Zur Einordnung: Noch vor drei Jahren lag der Quartalsumsatz bei rund 7 Mrd. US-Dollar.

Der freie Cashflow erreichte einen Rekordwert von 49 Mrd. US-Dollar, die Bruttomarge lag bei 74,9%. Der Nettogewinn von 45,6 Mrd. US-Dollar oder 1,87 US-Dollar je Aktie übertraf die Schätzungen ebenfalls klar.

Der KI-Boom beschleunigt sich

Das Herzstück des Geschäfts bleibt das Rechenzentrum-Segment. Mit einem Umsatz von 75,8 Mrd. US-Dollar – ein Anstieg von 92% gegenüber dem Vorjahr – ist es die mit Abstand wichtigste Erlösquelle des Konzerns. Große Cloudanbieter und Technologiekonzerne weltweit investieren in Recheninfrastruktur in einem Tempo, das noch vor zwei Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Nvidia profitiert davon wie kein zweites Unternehmen. Und der KI-Boom beschleunigt sich offenbar weiter: Für das laufende zweite Quartal kündigte das Management einen Umsatzanstieg auf 91 Mrd. US-Dollar an – spürbar über dem Analystenkonsens von rund 87 Mrd. US-Dollar.

Dazu kommt ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 80 Mrd. US-Dollar – ein klares Signal des Managements, dass man die eigene Aktie für gut investiertes Geld hält. Wer in einem Unternehmen steckt, das gleichzeitig rekordverdächtige Gewinne einfährt und massiv eigene Aktien zurückkauft, sitzt an einer der attraktivsten Stellen, die der Aktienmarkt gerade zu bieten hat.

Vera Rubin: Nächste Chip-Generation steht in den Startlöchern

Strategisch gab es ebenfalls Wichtiges zu vermelden. Mit den neuen Vera-CPUs und Rubin-GPUs bereitet Nvidia die nächste Chip-Generation vor. Die aktuelle Blackwell-Plattform, die den Umsatz heute antreibt, wird damit in absehbarer Zeit von Rubin abgelöst – und die Erwartungen an diese neue Architektur sind enorm.

CEO Jensen Huang sprach in der Analysten-Telefonkonferenz davon, dass der sogenannte Agentic-AI-Inflektionspunkt erreicht sei: Unternehmen weltweit beginnen, KI-Agenten, die selbstständig Aufgaben übernehmen, in großem Maßstab einzusetzen. Die Nachfrage nach Rechenleistung, die das erfordert, ist gewaltig. Normalerweise klingt das nach US-amerikanischem Superlativ – aber die Zahlen erzählen dieselbe Geschichte.

China bleibt Risiko – aber auch eine Chance

Ein Risiko bleibt das China-Geschäft. Exportbeschränkungen der US-Regierung begrenzen den Zugang zum chinesischen Markt erheblich, und auch vom jüngsten Trump-Xi-Gipfel, an dem Huang teilnahm, kam kein Impuls in diese Richtung. Das Management nannte geopolitische Risiken im Call explizit als Herausforderung.

Auf der anderen Seite gilt: Sollte sich die Lage zwischen Washington und Peking entspannen, wäre das für Nvidia eine zusätzliche Wachstumsoption, die im aktuellen Kurs kaum eingepreist ist – eher ein Upside-Szenario als ein echtes Damoklesschwert.

Statistik spricht für sich

Nachbörslich gab die Aktie trotz aller Stärke zunächst leicht nach – ein Phänomen, das Nvidia-Investoren kennen sollten und das erfahrungsgemäß eher Gelegenheit als Warnsignal ist. Eine Auswertung der historischen Kursbewegungen nach Nvidia-Quartalszahlen über die vergangenen zehn Jahre zeigt ein klares Muster: Kurzfristig war die Reaktion oft verhalten oder sogar negativ, der durchschnittliche Kursgewinn nach einem Tag lag bei gerade einmal 0,3%. Kurzfristige Zocks lohnen sich also nicht.

Doch wer ein Quartal abwartete, erzielte im Median bereits 11,1% – und wer ein Jahr lang investiert blieb, kam auf einen Zuwachs von durchschnittlich 87,6%. Die Trefferquote für positive Renditen lag bei einem Jahr Haltedauer bei 84%. Es war also historisch fast egal, wann man kurz vor den Zahlen eingestiegen war – drei Monate später hatte man in der überwältigenden Mehrheit der Fälle gewonnen.

Allzeithoch sollte kein Grund zur Zurückhaltung sein

Die Aktie notiert nahe ihres Allzeithochs. Das schreckt manche Anleger ab – zu Unrecht, wie ich finde. Denn Nvidia ist kein Momentum-Trade, der von Stimmungen lebt, sondern ein Unternehmen, das Quartal für Quartal liefert und dabei einen Investitionszyklus bedient, der noch Jahre andauern dürfte.

Die kurzfristige Unsicherheit nach Zahlen liefert zumindest statistisch betrachtet gute Einstiegspunkte und beim aktuell größten Profiteur des KI-Zeitalters einzusteigen, erscheint nicht die schlechteste Idee zu sein.

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