Der kanadische Düngemittelkonzern Nutrien baut sein Vertriebsnetz in Südamerika um und zieht sich schrittweise aus Teilen des brasilianischen Agrareinzelhandels zurück. Das Unternehmen bestätigte die Schließung seiner Filialen in den Bundesstaaten São Paulo und Mato Grosso do Sul.
Zudem ruht nach Branchenberichten das entsprechende Endkundengeschäft im Bundesstaat Goiás. Am Markt sorgte der strategische Schritt für Verkaufsdruck. Die Aktie von Nutrien gab am Freitag um 3,8 Prozent auf 62,60 Euro nach.
Strategische Bereinigung in Südamerika
Der Rückzug markiert eine deutliche Zäsur für das Südamerika-Geschäft. Im Jahr 2022 hatte der Konzern für rund 1,5 Milliarden Reais den Händler Casa do Adubo übernommen, um im brasilianischen Markt zu expandieren. Inzwischen steht der dortige Agrarsektor jedoch unter erheblichem finanziellem Druck. Konkurrenten wie AgroGalaxy befinden sich im Gläubigerschutz, während andere Branchenvertreter wie Lavoro außergerichtliche Sanierungen anstreben.
Konzernchef Ken Seitz hatte bereits im Mai angekündigt, die Zukunft des brasilianischen Einzelhandelsgeschäfts bis Ende 2026 festzulegen. Die nun eingeleiteten Filialschließungen treiben diesen Prozess voran.
Neben den Schließungen im Filialnetz trennte sich das Unternehmen bereits von drei seiner fünf Düngemisch-Anlagen in den Regionen Itapetininga, Araxá und Cristalina. Parallel dazu wird für das zweite Halbjahr 2026 der Verkauf des Soja-Saatgutgeschäfts Sementes Goiás erwartet.
Fokus auf Kostendisziplin und Kaliumgeschäft
Mit den Bereinigungen in Lateinamerika schärft der Konzern sein operatives Profil. Für die weltweite Einzelhandelssparte peilt das Management für das Gesamtjahr 2026 ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 1,75 und 1,95 Milliarden US-Dollar an.
Zugleich senkte das Unternehmen seine Prognose für die Investitionsausgaben von zuvor 2,0 bis 2,1 Milliarden US-Dollar auf nun 1,95 bis 2,05 Milliarden US-Dollar.
Das Kerngeschäft mit Düngemitteln zeigt sich unterdessen robust. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte das Unternehmen beim Kalium-Absatz mit 7,45 Millionen Tonnen einen Rekordwert. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Absatzvolumen von 14,2 bis 14,8 Millionen Tonnen Kalium. Die Straffung der verlustträchtigen Vertriebsstrukturen in Brasilien soll nun dazu beitragen, die Profitabilität der Gruppe weiter abzusichern.
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