Novo Nordisk und Eli Lilly: Direktvertrieb ohne Zwischenhändler!

Die Pharmakonzerne verkaufen ihre Blockbuster-Medikamente Wegovy und Zepbound ab Januar direkt an US-Arbeitgeber über Waltz Health und umgehen damit Vermittler.

Auf einen Blick:
  • Direktvertrieb über digitale Plattform Waltz Health
  • Feste Vorabpreise ohne Zwischenhändler-Rabatte
  • Vier Unternehmen bereits für neues Modell gewonnen
  • Zweiter Versuch zur Erweiterung des Medikamentenzugangs

Novo Nordisk und Eli Lilly wagen einen ungewöhnlichen Schritt im Vertrieb ihrer Blockbuster-Medikamente. Wie Bloomberg am Freitag berichtete, werden die beiden Konzerne ab dem 1. Januar ihre Abnehmspritzen Wegovy und Zepbound in den USA direkt an Arbeitgeber verkaufen. Dabei umgehen sie die sogenannten Pharmacy Benefit Manager, kurz PBMs, die normalerweise als Vermittler zwischen Pharmaunternehmen und Arbeitgebern fungieren.

Die neue Vertriebsstruktur läuft über Waltz Health, ein digitales Gesundheitsunternehmen, das sich auf bezahlbare Medikamente für Arbeitgeber spezialisiert hat. Mark Thierer, Chef von Waltz Health, verspricht Unternehmen feste Vorabpreise ohne die üblichen Rabatte und Gebühren, die normalerweise an PBMs fließen. „Dies wird der absolut günstigste Weg sein“, für Mitarbeiter mit betrieblichen Gesundheitsplänen, so Thierer.

Vier Unternehmen bereits an Bord

Nach Angaben von Thierer haben sich bereits vier Unternehmen bereit erklärt, das neue Modell zu nutzen. Die Initiative richtet sich vor allem an Arbeitgeber, die bisher keine Abnehmmedikamente in ihren Gesundheitsplänen abdecken. Eine aktuelle Umfrage der Gesundheitspolitik-Organisation KFF zeigt, dass nur etwa 43 Prozent der Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern solche Medikamente überhaupt anbieten.

Der neue Ansatz könnte durchaus Wirkung zeigen. In den USA sind rund 165 Millionen Arbeitnehmer über betriebliche Gesundheitspläne versichert, die üblicherweise von großen PBMs wie Express Scripts von Cigna, Caremark von CVS Health, Optum Rx von UnitedHealth oder CarelonRx von Elevance Health verwaltet werden. Diese Vermittler verhandeln normalerweise die Arzneimittelpreise für die Arbeitgeber.

Novo Nordisk A/S Aktie Chart

Offener Marktplatz als Ziel

Thierer beschreibt die Vision als „Open-Source-Marktplatz, auf dem Medikamente aufgrund ihrer klinischen Vorzüge und ihres Preises konkurrieren“. Die Arzneimittelhersteller wünschten sich „gleiche Wettbewerbsbedingungen“, betont er. Für Novo Nordisk und Eli Lilly ist dies bereits der zweite Versuch, den Zugang zu ihren GLP-1-Medikamenten zu erweitern.

Beide Konzerne hatten zuvor bereits eigene Online-Plattformen gestartet: Novo Pharmacy und Lilly Direct bieten die begehrten Spritzen und andere Medikamente zu reduzierten Preisen direkt an zahlende Patienten an. Der neue Arbeitgeber-Kanal könnte nun eine deutlich größere Reichweite erzielen, wenn weitere Unternehmen dem Modell folgen. Bleibt abzuwarten, wie die etablierten PBMs auf diesen direkten Angriff auf ihr Geschäftsmodell reagieren werden.

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