Novo Nordisk hat eine Phase-3-Studie zur Wegovy-Pille begonnen, die eine der zentralen Fragen im Abnehmpräparate-Geschäft beantworten soll: Wie wenig Wirkstoff braucht es tatsächlich? Die am 12. August gestartete Untersuchung läuft bis 2028 und schließt 450 erwachsene Teilnehmer mit einem Body-Mass-Index von mindestens 30 oder ab 27 mit einer Begleiterkrankung ein.
Niedrigere Dosen als Wachstumshebel
Im Zentrum der Studie stehen zwei niedrig dosierte Varianten der Tablette, die über 60 Wochen gegen Placebo getestet werden. Primäres Ziel ist der Gewichtsverlust, sekundär prüfen die Forscher, wie viele Patienten fünf, zehn oder fünfzehn Prozent ihres Körpergewichts verlieren.
Aktuell reicht die Dosisspanne der Pille von 1,5 bis 25 Milligramm. Bemerkenswert: Mehr als zwei Drittel der US-Patienten nehmen bereits heute die niedrigsten verfügbaren Dosen. Diese kosten für Selbstzahler nur etwa halb so viel wie die höheren Stufen — ein Preisargument, das angesichts der Diskussion um Zugänglichkeit an Gewicht gewinnt.
Die Wegovy-Pille selbst ist längst kein Nebenprodukt mehr. Im zweiten Quartal erzielte sie einen Umsatz von 3,22 Milliarden dänischen Kronen, umgerechnet knapp 500 Millionen Dollar – nach rund 350 Millionen Dollar im ersten Quartal. Wöchentlich werden in den USA mehr als 265.000 Rezepte für die Pillenform ausgestellt, bei sämtlichen Wegovy-Darreichungsformen sind es rund 575.000 pro Woche.
Konkurrenzdruck durch Eli Lilly bleibt hoch
Der Markt für Adipositas-Medikamente soll Prognosen zufolge bis 2030 ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen. Novo Nordisk konkurriert dabei direkt mit Eli Lilly, dessen Präparate Zepbound und Mounjaro in Studien ähnlich hohe Gewichtsverluste zeigen.
Eli Lillys Dreifach-Wirkstoff Retatrutide erzielte in Phase-3-Studien Gewichtsreduktionen von bis zu 22,6 Prozent bei schwerer Adipositas mit kardiovaskulärer Vorerkrankung; eine Zulassungseinreichung ist für 2027 geplant.
Deutsche Bank bestätigte am Mittwoch ihre neutrale Einschätzung für Novo Nordisk mit einem Kursziel von 290 dänischen Kronen. Auch andere Analysehäuser bleiben zurückhaltend: Der Marktkonsens läuft derzeit überwiegend auf „Halten“-Empfehlungen hinaus.
Belastend wirkt zudem, dass Analysten ihre Umsatzerwartungen für das Diabetes- und Adipositasmittel Cagrisema für das Jahr 2030 deutlich gekürzt haben – auf einen Bruchteil der ursprünglichen Spitzenprognose von 400 Milliarden Kronen.
Firmenchef Mike Doustdar, der erste ausländische Konzernchef an der Spitze von Novo Nordisk, zeigte sich im Gespräch mit der Financial Times trotzdem überzeugt von der Strategie und kündigte an, das Unternehmen risikofreudiger aufstellen zu wollen, auch mit Blick auf größere Übernahmen, um die Abhängigkeit vom Abnehmgeschäft zu verringern.
Aktie bleibt unter Druck
Der Aktienkurs spiegelt die Skepsis der Anleger wider: Mit 39,88 Euro notiert das Papier rund 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus dem Januar. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 9,4 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 15 Prozent.
Die neue Studie zur niedrigeren Dosierung könnte mittelfristig sowohl die Kosten für Patienten senken als auch die Marge pro verkaufter Einheit verschieben – ein zweischneidiges Signal, das die Investoren vorerst mit Zurückhaltung quittieren. Novo Nordisk hält für den 21. September einen Kapitalmarkttag ab, Zahlen zum dritten Quartal folgen am 4. November.
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