Novo Nordisk reagiert im europäischen Markt mit einem deutlichen Preisnachlass auf die anhaltende Debatte um die Kostenübernahme seiner Adipositas-Therapien. Am heutigen Donnerstag tritt in Schweden eine Preissenkung von 20 Prozent für das Flaggschiffmedikament Wegovy in Kraft. An den Finanzmärkten sorgte der Vorstoß zunächst für verhaltene Reaktionen: Im europäischen Handel notiert die Aktie mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 33,20 Euro.
Der dänische Pharmakonzern versucht damit, den Zugang für Patienten zu erleichtern, während das Papier seit Jahresbeginn bereits rund 25 Prozent an Wert eingebüßt hat. Die Maßnahme unterstreicht den zunehmenden Spagat der Dänen zwischen hoher Nachfrage und wachsendem Preisdruck in Märkten ohne flächendeckende staatliche Subventionierung.
Rabattoffensive im Kampf um Erstattung
Die Preissenkung gilt für die höheren Wegovy-Dosierungen von 1,7 und 2,4 Milligramm. Nach Angaben des Unternehmens können betroffene Personen monatlich rund 500 Schwedische Kronen oder mehr einsparen. Da schwedische Apotheken ihre Endverbraucherpreise eigenständig festlegen, appelliert der Konzern an den Handel, den Nachlass vollständig an die Endkunden weiterzugeben.
Hintergrund des Schrittes ist das Fehlen einer staatlichen Kostendeckung. Bislang müssen Betroffene in Schweden die Behandlung komplett selbst finanzieren. Eine frühere Anfrage auf Aufnahme in das Erstattungssystem hatte die zuständige Behörde TLV abgelehnt.
Novo Nordisk zog die daraufhin eingelegte Berufung zurück und reichte stattdessen einen neuen Antrag ein. Der Konzern führt derzeit Gespräche mit der TLV und den regionalen Gesundheitsbehörden, um zumindest für eine eng umgrenzte Risikogruppe mit schwerer Adipositas und gravierenden Begleiterkrankungen eine Erstattung durchzusetzen.
Wachsender Wettbewerb im globalen Markt
Die Preiszugeständnisse spiegeln auch den schärfer werdenden globalen Wettbewerb wider, allen voran mit dem US-Rivalen Eli Lilly. Branchenanalysten schätzen das weltweite Volumen des Marktes für Adipositasmedikamente bis zum Ende des Jahrzehnts auf rund 100 Milliarden US-Dollar jährlich. Novo-Chef Mike Doustdar rechnet damit, dass künftig vor allem orale Verabreichungsformen bis zu 50 Prozent dieses globalen Marktes abdecken könnten.
Um die führende Rolle langfristig zu verteidigen, investiert Novo Nordisk massiv in die Weiterentwicklung der Pipeline. Nach Angaben von Forschungschef Martin Holst Lange fasst das Unternehmen für eine künftige, wöchentlich einzunehmende Abnehmpille ein Marktdebüt zwischen 2029 und 2031 ins Auge. Bis dahin muss der Konzern jedoch beweisen, dass er seine Marktanteile auch in einem zunehmend preissensiblen Umfeld profitabel verteidigen kann.
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