Die Kursrally verdeckt aktuelle Risse im Fundament. Novo Nordisk kletterte auf Monatssicht um kräftige 17 Prozent. Soweit so gut. Hinter den Kulissen schwindet allerdings das Vertrauen. Ein prominenter Großinvestor kapitulierte. Er warf sein gesamtes Aktienpaket auf den Markt. Indes signalisieren US-Daten einen empfindlichen Nachfragerückgang.
Analysten warnen vor US-Schwäche
Die Deutsche Bank liefert den konkreten Grund für die Nervosität. Ein interner Daten-Tracker zeigt sinkende US-Rezepte für die Wegovy-Pille. Analysten prognostizieren für das laufende Geschäftsjahr einen einstelligen Umsatzrückgang.
Auch für die injizierbare Wegovy-Variante und das Präparat Rybelsus rechnen die Experten mit prozentual zweistelligen Einbußen. Lediglich das Diabetes-Mittel Ozempic dürfte deutlich wachsen. Die Investmentbank bleibt folglich bei ihrer Halteempfehlung. Das Kursziel liegt bei 290 Dänischen Kronen.
Investoren ziehen die Reißleine
Diese Aussichten schrecken langjährige Begleiter ab. Der britische Star-Investor Terry Smith verkaufte sein komplettes Novo-Nordisk-Paket. Er begründete den radikalen Schritt mit enttäuschenden Entwicklungen.
Andere Akteure stocken hingegen auf. Capstone Capital Management kaufte im Frühjahr gut 25.000 Aktien für rund 935.000 US-Dollar. Die Meinungen driften spürbar auseinander.
Hoffnungsträger Indien
Der dänische Pharmakonzern lenkt den Fokus derweil auf Asien. Am 9. Juli startete der Verkauf des neuen Insulins Awiqli in Indien. Es ist das weltweit erste Basalinsulin mit wöchentlicher Verabreichung.
Patienten benötigen damit nur noch 52 statt 365 Injektionen pro Jahr. Novo Nordisk positioniert das Mittel aggressiv. Der Preis liegt bei rund 261 Rupien pro Woche. Das Ziel: Die riesige Gruppe indischer Diabetiker zügig erschließen.
An der Börse ringt das Papier aktuell um Orientierung. Der Kurs liegt bei 42,80 Euro. Damit notiert die Aktie 8,7 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Der jüngste Anstieg treibt den 14-Tage-RSI auf knapp 64. Technische Analysten werten dieses Niveau langsam als überkauft. Seit Ende Juni drängen zudem erste Semaglutid-Generika auf den kanadischen Markt. Hält der wachsende Margendruck an, wird der indische Vorstoß die aufziehende Schwäche in Nordamerika kaum kompensieren können.
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