Novo Nordisk hat einen wichtigen regulatorischen Meilenstein erreicht: Die EU-Kommission hat die orale Wegovy-Tablette des dänischen Pharmakonzerns am 15. Juli 2026 zugelassen. Die Tablette darf künftig Patienten mit einem Body-Mass-Index ab 30 oder ab 27 mit einer Begleiterkrankung verschrieben werden. Die Markteinführung in Deutschland soll nach Unternehmensangaben in wenigen Wochen erfolgen. In den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain ist das Präparat bereits erhältlich.
Starke Studiendaten, aber strenge Einnahmevorschriften
In der zugrunde liegenden Studie führte die 25-Milligramm-Dosis zu einem Gewichtsverlust von 17 Prozent gegenüber lediglich 3 Prozent unter Placebo. Jeder dritte Studienteilnehmer verlor sogar mehr als 20 Prozent seines Körpergewichts. Die Einnahme ist allerdings an strikte Vorgaben geknüpft: Patienten dürfen acht Stunden vor der Tablette nichts essen oder trinken und müssen danach 30 Minuten warten, bevor sie mehr als einen Schluck Wasser zu sich nehmen. Als Nebenwirkungen werden Übelkeit, Erbrechen und Schwindel genannt. Die britische Zulassungsbehörde hatte dem Präparat bereits zuvor grünes Licht gegeben, in der zugrunde liegenden OASIS-4-Studie lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei 16,6 Prozent. In den USA war die Tablette bereits im Dezember 2025 von der FDA freigegeben worden.
Eli Lilly drängt mit eigenem Präparat nach
Der Wettbewerbsdruck bleibt hoch. Novo Nordisk hatte seine orale Wegovy-Version bereits im Januar 2026 in den USA für 149 Dollar im Monat eingeführt und sich damit einen Vorsprung im weltweiten Adipositas-Markt gesichert, der bis 2034 auf ein Volumen von 73 Milliarden Dollar geschätzt wird. Eli Lilly wird eine eigene orale Option voraussichtlich erst im späteren Jahresverlauf 2026 in den USA anbieten – dafür ohne die strengen Nüchternheits-Vorgaben, die Novo Nordisks Präparat auferlegt sind.
Brisant für die Konkurrenzsituation: In einer Phase-3-Studie mit knapp 1.700 Teilnehmern über 52 Wochen senkte Lillys tägliche Pille Orforglipron den HbA1c-Wert um 1,71 bis 1,91 Prozentpunkte, während orales Semaglutid von Novo Nordisk nur auf 1,47 Prozentpunkte kam. Auch beim Gewichtsverlust lag Orforglipron mit 6,1 bis 8,2 Kilogramm vor den 5,3 Kilogramm des Konkurrenzpräparats. Allerdings fielen bei Lillys Wirkstoff die gastrointestinalen Nebenwirkungen mit 59 Prozent deutlich höher aus als bei Novo Nordisk mit 37 bis 45 Prozent, auch die Abbruchrate war mit 10 Prozent gegenüber 4 bis 5 Prozent spürbar höher.
Verschreibungen wachsen, Direktvertrieb dominiert
Novo Nordisk meldete zum 19. Juli 2026 drei Millionen Wegovy-Verschreibungen innerhalb von sechs Monaten. In den USA macht der Direktvertrieb inzwischen 90 Prozent des Wegovy-Absatzes aus, während Injektionen über klassische Apothekenkanäle nur noch 30 Prozent ausmachen. Über die unternehmenseigene NovoCare Pharmacy kostet das Präparat 499 Dollar im Monat. Allerdings verlangsamt sich das Verkaufswachstum von Wegovy und Ozempic in den USA zunehmend, da Konkurrenzprodukte und Alternativen Marktanteile gewinnen.
Auf der Bewertungsseite zeigt sich Novo Nordisk mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,08 weiterhin moderat bepreist, bei einer Dividendenrendite von 3,58 Prozent, einer Nettomarge von 37,2 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 71,4 Prozent. Rund 57,9 Prozent der Analysten sprechen aktuell eine Kaufempfehlung aus.
Kursreaktion trotz positiver Nachrichten verhalten
An der Börse fiel die Novo-Nordisk-Aktie am Freitag um 2,42 Prozent auf 43,95 Euro – ein Dämpfer trotz der positiven Zulassungsnachricht. Über die vergangenen 30 Handelstage hat das Papier dennoch um 15,69 Prozent zugelegt und damit einen Teil der Verluste aus dem laufenden Jahr wettgemacht. Zum bisherigen Jahreshoch von 60,95 Euro, erreicht im Juli des Vorjahres, beträgt der Abstand allerdings weiterhin knapp 28 Prozent. Die Aktie bleibt damit trotz der jüngsten Erholungsbewegung ein gutes Stück von ihren früheren Höchstständen entfernt.
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