Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk sieht sich mit einem juristischen Vorstoß gegen sein wichtiges Abnehmmedikament Wegovy konfrontiert. Das US-Pharmaunternehmen Viatris greift über seine Tochtergesellschaft Mylan Pharmaceuticals ein Schutzrecht des Herstellers an. Ziel der Klage ist es, den Weg für eine generische Version des Blockbusters freizumachen.
Mylan zielt auf Injektionspens ab
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, reichte Mylan Pharmaceuticals gestern eine Klage an einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Delaware ein. Die Viatris-Tochter fordert eine gerichtliche Feststellung, dass ihr geplantes Wegovy-Generikum ein Patent von Novo Nordisk nicht verletzt. Das betreffende Patent umfasst die Verabreichung des Präparats über spezielle Einzeldosis-Pens.
Mit diesem juristischen Schritt versucht der Generikahersteller, regulatorische und patentrechtliche Hürden frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Wegovy bildet zusammen mit verwandten Diabetes-Präparaten das finanzielle Rückgrat der Dänen, gerät im Zuge des rasant wachsenden Marktes für GLP-1-Präparate aber zunehmend in den Fokus von Nachahmern und Wettbewerbern.
Ablaufender Patentschutz zwingt zu neuen Therapien
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Novo Nordisk seine langfristige Produktpipeline absichern muss. CEO Mike Doustdar verwies am Montag darauf, dass für wichtige Adipositas- und Diabetesmedikamente in den Vereinigten Staaten im Jahr 2031 der Patentschutz ausläuft. Das Unternehmen plant daher, bis 2030 mehr als fünf neue Blockbuster-Medikamente auf den Markt zu bringen, um wegbrechende Erlöse auszugleichen.
Dazu setzt der Konzern verstärkt auf Nachfolgepräparate und alternative Darreichungsformen. Nach Angaben von Doustdar könnten Tabletten bis 2030 bis zu die Hälfte des weltweiten Marktes für Adipositas-Therapien ausmachen.
Zudem treibt Novo Nordisk das Kombinationspräparat CagriSema voran, das in einer späten Diabetes-Studie einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent erzielte und den Wirkstoff Tirzepatid des Konkurrenten Eli Lilly bei den getesteten Dosierungen übertraf.
Verhaltene Kursreaktion an der Börse
Am Aktienmarkt löste der Schritt von Mylan zunächst keine Panikverkäufe aus. Die Novo-Nordisk-Aktie ging am Freitag mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent bei 34,05 Euro aus dem Handel.
Gleichwohl steht das Papier seit Monaten unter Druck: Seit Jahresanfang summiert sich der Kursrückgang auf 23 Prozent, was die wachsende Skepsis der Investoren mit Blick auf den zunehmenden Wettbewerb und den langfristigen Patentschutz widerspiegelt. Ob die Klage von Mylan die Markteinführung von Nachahmerprodukten tatsächlich beschleunigen kann, bleibt nun Gegenstand des Verfahrens in Delaware.
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