Der Wettbewerb mit Eli Lilly verschärft für Novo Nordisk den Druck, eigene Wachstumsperspektiven zu belegen. Lillys angehobene Umsatzprognose unterstreicht die starke Nachfrage nach seinen Abnehmmedikamenten. Für Novo rückt damit die Frage in den Vordergrund, wie überzeugend das eigene Entwicklungsportfolio diesem kommerziellen Erfolg gegenübersteht.
Lilly erhöht die Umsatzprognose
Reuters berichtete am Donnerstag, dass Eli Lilly seine Umsatzprognose für 2026 auf 91–92 Milliarden $ angehoben hat. Ausschlaggebend war die starke Nachfrage nach injizierbaren Medikamenten zur Gewichtsreduktion. Reuters ordnete die Entwicklung als weiteren Ausbau des Vorsprungs gegenüber Novo Nordisk ein.
Für Novo ist das ein anspruchsvoller Vergleichsmaßstab. Die Konkurrenz meldet nicht nur Fortschritte in der Entwicklung, sondern hebt bereits ihre Geschäftserwartungen an. Positive Studiendaten aus Novos Portfolio sind deshalb wichtig. Sie sind allerdings noch kein Nachweis für entsprechende Umsätze.
Auch auf juristischem Weg konnte Novo die umstrittene Werbung des Wettbewerbers nicht vorläufig stoppen. Am 26. Oktober lehnte US-Bezirksrichter Zahid Quraishi den Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen Eli Lilly & Company und Lilly USA, LLC ab.
Die Entscheidung erlaubt Lilly, die angegriffene Werbung für Abnehmmedikamente während des laufenden Rechtsstreits fortzusetzen. Sie beendet Novos Klage nicht. Für Anleger sind damit zwei Ebenen zu trennen: Der Rechtsstreit läuft weiter, während der Wettbewerb um die Nachfrage unabhängig davon fortbesteht.
Entwicklungsdaten müssen wirtschaftlich überzeugen
Einen wissenschaftlichen Gegenpunkt lieferte Novo vor rund zwei Wochen mit nachträglichen Auswertungen der Studie REDEFINE 1. Bei Frauen insgesamt war das Prüfpräparat CagriSema nach 68 Wochen mit einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 25,0 Prozent verbunden.
Novo kennzeichnete die Analysen ausdrücklich als nachträglich. CagriSema bleibt ein Prüfpräparat. Die Ergebnisse liefern damit Hinweise auf das Entwicklungspotenzial, sind aber weder eine Zulassung noch ein Beleg für einen künftigen Markterfolg.
Die angekündigten Kongressbeiträge sollen weitere Einblicke ermöglichen. Für The Liver Meeting vom 5. bis 9. November sind Beiträge zu Semaglutid und dem Prüfpräparat Efruxifermin vorgesehen. Daten aus dem Adipositasportfolio folgen bei der ObesityWeek vom 14. bis 17. November.
Zuvor stehen am 4. November die angekündigten Ergebnisse für die ersten neun Monate an. Sie bilden den nächsten finanziellen Prüfstein. Entscheidend für die Einordnung von Novo bleibt die Trennung zwischen wissenschaftlichem Potenzial und wirtschaftlicher Umsetzung: Lilly hat seine Umsatzerwartungen erhöht; Novos Entwicklungsfortschritte müssen sich erst in kommerziellen Ergebnissen niederschlagen.
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