Novo Nordisk Aktie: Lilly eilt bei Abnehmpillen davon

Novo Nordisk erhält Chinas Prüfungsfreigabe für die Wegovy-Pille, während Eli Lilly in Großbritannien bereits mit Foundayo gestartet ist.

Auf einen Blick:
  • China akzeptiert Wegovy-Pillenantrag
  • Lilly bringt Foundayo in Großbritannien
  • OASIS-5-Studie läuft bis 2028
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn zehn Prozent

Zwei Pillen, ein Markt, und ein Wettlauf gegen die Uhr: Während Novo Nordisk in dieser Woche einen wichtigen bürokratischen Etappensieg feiern konnte, hat Eli Lilly in Europa bereits die Startlinie überschritten. Die Geschichte der Abnehmspritzen wird gerade zur Geschichte der Abnehmpillen umgeschrieben – und wer hier zuerst liefert, dürfte über Jahre den Ton angeben.

Chinas Arzneimittelbehörde hat den Zulassungsantrag für die orale Wegovy-Formulierung angenommen, wie Reuters berichtete. Ein Termin für die endgültige Entscheidung steht nicht fest, doch allein die Annahme öffnet Novo Nordisk die Tür zum größten Adipositas-Markt der Welt. Für ein Unternehmen, dessen Wachstumstempo zuletzt ins Stocken geraten ist, ist das mehr als eine Randnotiz.

Lilly ist schon da, wo Novo erst hinwill

Der eigentliche Stachel im Fleisch sitzt aber woanders. Eli Lilly hat sein orales Abnehmmittel Foundayo in dieser Woche in Großbritannien eingeführt – als erstes Land Europas überhaupt.

Novo Nordisk kämpft dort noch mit der eigenen Pillen-Version von Wegovy, während der Rivale bereits Patienten versorgt. Es ist ein Muster, das sich durchzieht: Kaum hat Novo einen regulatorischen Fortschritt zu vermelden, zieht Lilly mit einer Marktneuheit nach.

Erst am Freitag meldete Reuters, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA Lillys Mounjaro zur Senkung des kardiovaskulären Risikos zugelassen hat – ausgerechnet in einer Indikation, die auch Novo Nordisk ins Visier nimmt.

Man könnte fragen: Verliert Novo Nordisk den Kampf um die Pille, bevor er richtig begonnen hat? Ganz so einfach ist es nicht. Das Unternehmen hat Mitte August die Phase-3-Studie OASIS-5 gestartet, die am 12. August begann und bis 2028 laufen soll.

Ziel ist es, die niedrigste wirksame Erhaltungsdosis der Wegovy-Pille zu finden – ein Detail, das banal klingt, aber über Nebenwirkungsprofil, Herstellungskosten und letztlich Marktanteile entscheiden kann.

Parallel arbeitet die Tochtergesellschaft Novonesis gemeinsam mit Novo Nordisk an Mikrobiom-Präparaten, die GLP-1-Medikamente ergänzen sollen; Ergebnisse werden für die zweite Hälfte 2027 erwartet.

Der Gegenwind kommt nicht nur von der Konkurrenz

Die eigentliche Bedrohung für die Branche liegt vielleicht gar nicht in Lillys Vorsprung, sondern in einer Entwicklung, die Reuters diese Woche aufgriff: US-Arbeitgeber planen zunehmend, GLP-1-Medikamente 2027 aus ihren Gesundheitsplänen zu streichen, weil die Kosten explodieren. Das trifft Novo Nordisks Kerngeschäft mit Abnehm- und Diabetesmitteln direkt dort, wo es bislang am profitabelsten war – im US-Markt. Wenn ausgerechnet die Kostenträger zurückrudern, nützt auch die beste Pipeline wenig.

Hinzu kommt ein Rückschlag mit Symbolcharakter: Scholar Rock zog seinen Europa-Zulassungsantrag für ein Mittel gegen spinale Muskelatrophie zurück, nachdem an einer Novo Nordisk-eigenen Produktionsanlage in Bloomington, Indiana, Probleme aufgetreten waren.

Solche Qualitätsfragen an Fertigungsstätten werfen ein Schlaglicht darauf, wie sehr Novo Nordisk mittlerweile zum industriellen Zulieferer für andere Pharmaunternehmen geworden ist – und wie fragil dieses Geflecht sein kann.

An der Börse hat sich das Bild zuletzt eingetrübt. Die Aktie notiert bei 39,41 Euro, ein Fünftel unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 41,81 Euro liegt sie damit nicht, wohl aber knapp sechs Prozent darunter.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von zehn Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es 18 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro, erreicht im Januar, trennen das Papier mittlerweile 28 Prozent.

Die Investoren scheinen also längst eingepreist zu haben, dass der Wettlauf um die Pille kein Selbstläufer wird. Novo Nordisk kauft derweil weiter eigene Aktien zurück – seit Anfang Februar wurden fast 27,9 Millionen B-Aktien für rund 7,78 Milliarden dänische Kronen erworben, wie das Unternehmen mitteilte. Das ist ein Vertrauenssignal nach innen.

Ob es reicht, um gegen einen Rivalen zu bestehen, der in Europa bereits liefert, während man selbst noch auf Zulassungen wartet, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.

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