Drei gute Nachrichten an einem Tag — das ist selten. Für Novo Nordisk trafen am Freitag ein Analyst-Upgrade, eine Japan-Zulassung und ein milliardenschweres Forschungsprogramm zusammen. Die Aktie legte 3,21 Prozent zu und schloss bei 38,90 Euro.
Wegovy erhält Japan-Zulassung für Lebererkrankung
Der wichtigste Kurstreiber kam aus Tokio. Die japanischen Gesundheitsbehörden genehmigten Wegovy am 20. Juni zur Behandlung von MASH — einer ernsthaften Lebererkrankung, die im Volksmund als Fettleber bekannt ist. Grundlage war die Phase-3-Studie ESSENCE. Darin verbesserte sich bei 36,8 Prozent der Patienten mit der 2,4-mg-Dosis die Leberfibrose, ohne dass sich MASH verschlechterte. In der Placebogruppe lag dieser Wert bei 22,4 Prozent.
Japan ist damit ein weiterer großer Markt, in dem Wegovy über die Gewichtsreduktion hinaus therapeutisch eingesetzt werden kann. Das verbreitert die Umsatzbasis erheblich.
Nordea steigt auf „Buy“ um
Einen Tag vor der Japan-Entscheidung hatte Nordea das Rating für Novo Nordisk von „Hold“ auf „Buy“ angehoben. Das Kursziel liegt bei DKK 350. Die Bank begründet den Schritt mit einem positiv ausgerichteten Nachrichtenfluss und dem Potenzial der oralen Wegovy-Variante. US-Verschreibungen für die Pille haben bereits die Drei-Millionen-Marke überschritten — ein Tempo, das viele Marktbeobachter überrascht.
Hinzu kommt die FDA-Zulassung einer höheren Wegovy-Dosis von 7,2 mg, die im März erteilt wurde. Klinische Daten zeigen, dass Patienten damit über 72 Wochen im Schnitt 20,7 Prozent ihres Körpergewichts verloren. Novo Nordisk will diese Variante, intern „Wegovy HD“ genannt, ab April 2026 in den USA vermarkten.
Forschungsprogramm mit 60 Millionen Euro
Die Novo Nordisk Foundation — Mehrheitseigentümerin des Konzerns — kündigte parallel das Programm „CardioMetabolic Bridge“ an. Über sechs Jahre fließen rund 60 Millionen Euro in ein pan-europäisches Forschungs- und Inkubatorprogramm. Das erste Labor soll im Juni 2026 in London öffnen, weitere Standorte in Italien und Deutschland folgen. Ziel ist es, akademische Forschung zu Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen in marktfähige Produkte zu überführen.
Das Programm stärkt das Ökosystem rund um Novo Nordisk — und signalisiert, dass die Foundation trotz schwieriger Börsenmonate langfristig auf das Therapiefeld setzt.
Erholung, aber noch weit vom Hoch entfernt
Der Kurssprung vom Freitag ändert nichts daran: Die Aktie notiert seit Jahresbeginn noch immer rund 13 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 65,20 Euro ist sie mehr als 40 Prozent entfernt. Immerhin hat sie sich seit dem Tief im März um knapp 29 Prozent erholt und liegt nun deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 36,99 Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Novo Nordisk einen bereinigten Umsatzrückgang von vier bis zwölf Prozent — leicht besser als die ursprüngliche Prognose. Der Preisdruck in den USA bleibt das zentrale Problem. Ob die Zulassungserfolge und das wachsende Verschreibungsvolumen die Margenbelastung kompensieren können, wird sich spätestens mit den nächsten Quartalszahlen zeigen.
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