Ein Kapitalmarkttag sollte eigentlich Vertrauen schaffen. Bei Novo Nordisk hat er am Montag in London das Gegenteil bewirkt: Die Aktie brach zeitweise um fast acht Prozent auf 260 Kronen ein, das tiefste Niveau seit April. Grund war nicht ein Rückschlag, sondern zu wenig Zukunftsmusik.
Wachstumsplan ohne Zündstoff
CEO Mike Doustdar präsentierte einen Fahrplan bis 2030: mindestens fünf neue „Multi-Blockbuster“, ebenso viele Medikamente gegen Adipositas und Diabetes in später Studienphase und ein Vorstoß in neue Felder wie Blut-, Endokrin-, Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bis 2035 soll allein die Entwicklungspipeline über 150 Milliarden Kronen Umsatz bringen – zur Einordnung: 2025 lag der Gesamtumsatz bei 309 Milliarden Kronen.
„Wir müssen härter arbeiten, und das werden wir auch“, sagte Doustdar. Konkrete Details, was das Wachstum tatsächlich ankurbeln soll, blieb die Präsentation aber schuldig.
Genau das monierten auch Marktteilnehmer: Das durchschnittliche Wachstumstempo bis 2030 soll zwar mit der Konkurrenz mithalten, doch das sind die Jahre vor der Patentklippe bei Semaglutid – dem Wirkstoff hinter Ozempic und Wegovy, dessen Schutz in Europa und den USA Anfang der 2030er-Jahre ausläuft.
Goldman sieht Korrekturbedarf
Goldman Sachs beließ die Einstufung bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 285 Kronen. Analyst James Quigley kritisierte, die bis 2030 avisierte stabile Marge liege unter den Markterwartungen und bedeute Korrekturbedarf nach oben – sprich, der Markt hatte mehr erwartet. Zudem fehle Klarheit darüber, wie schnell der Patentauslauf tatsächlich durchschlagen wird.
Die Skepsis trifft eine Aktie, die ohnehin schon gebeutelt ist. Seit dem Rekordhoch von über 1.000 Kronen im Sommer 2024 – als Novo Nordisk mit mehr als 500 Milliarden Euro Börsenwert kurzzeitig das wertvollste Unternehmen Europas war – hat das Papier fast 75 Prozent verloren.
Verfehlte Forschungsergebnisse, Preisdruck in den USA und eine aufholende Konkurrenz drückten den Kurs auf zuletzt rund 160 Milliarden Euro Marktkapitalisierung. Konkurrent Eli Lilly legte im selben Zeitraum um mehr als ein Viertel zu und bringt inzwischen knapp 940 Milliarden Euro auf die Waage.
Novo Nordisk hat mit dem Kapitalmarkttag einen Fünfjahresplan vorgelegt, aber noch keine Details dazu, wie er die verlorene Führungsrolle im Abnehmmittel-Markt zurückholen soll. Ob Übernahmen oder die eigene Pipeline den Unterschied machen, wird sich frühestens an den nächsten Studienergebnissen und möglichen Zukäufen zeigen.
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