Juli 2026 von der Europäischen Kommission die Zulassung für die orale Wegovy-Tablette erhalten. Damit steht Europa erstmals ein orales GLP-1-Präparat zur Gewichtskontrolle zur Verfügung. Die Entscheidung folgt auf ein positives Votum des CHMP-Ausschusses der Europäischen Arzneimittel-Agentur im Mai 2026 und markiert einen wichtigen Meilenstein für den dänischen Pharmakonzern.
Die Aktie reagiert deutlich: Der Kurs steht bei 44,14 Euro und legt am Handelstag um 2,88 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 42,91 Euro am Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen summiert sich das Plus auf 3,19 Prozent, über 30 Tage sind es sogar 16,40 Prozent. Der Titel notiert damit 10,88 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 39,81 Euro und 8,95 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,52 Euro. Der RSI-Wert von 68 signalisiert eine bereits recht dynamische Erholung. Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit -1,21 Prozent allerdings noch im Minus, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 60,95 Euro vom 25. Juli 2025 beträgt weiterhin -27,58 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 30,25 Euro, markiert am 2. März 2026, hat sich der Kurs bereits um 45,92 Prozent gelöst.
Zulassungsstudie und Produktdetails
Grundlage der EU-Genehmigung ist die OASIS-4-Studie, in der Patienten unter der oralen 25-mg-Semaglutid-Dosis im Schnitt 17 Prozent Gewicht verloren, gegenüber 3 Prozent unter Placebo. Parallel genehmigte die Kommission auch einen neuen, gebrauchsfertigen Einzeldosis-Pen für die höhere Wegovy-Injektionsdosis von 7,2 Milligramm, mit dem in Studien ein Gewichtsverlust von 21 Prozent erzielt wurde. Die Wegovy-Pille war zuvor bereits in den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain zugelassen worden. Weitere Markteinführungen sind für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Marktführerschaft in den USA
In den Vereinigten Staaten, wo die Wegovy-Pille bereits im Januar 2026 eingeführt wurde, dominiert Novo Nordisk das noch junge Segment oraler GLP-1-Präparate. In der Woche zum 3. Juli 2026 entfielen 153.050 Verschreibungen auf Wegovy, verglichen mit nur 19.550 für Eli Lillys Konkurrenzpräparat Foundayo – ein Marktanteil von 89 Prozent. Für 2026 wird der Umsatz mit Wegovy auf 2,2 Milliarden US-Dollar geschätzt, während Foundayo mit 1,3 Milliarden US-Dollar kalkuliert wird. Zusätzlich vertreibt Novo Nordisk die Tablette in den USA seit dem Launch für 149 US-Dollar im Monat an Selbstzahler, erhältlich unter anderem über CVS, Costco und Telemedizin-Anbieter.
Analysten uneins, Pipeline liefert Fantasie
Die Einschätzungen der Analysten fallen derzeit auseinander. Zacks Research stufte die Aktie am 15. Juli 2026 von „Hold“ auf „Strong Sell“ herab. Andere Häuser sehen das Papier deutlich positiver: Nordea hat die Einstufung auf „Buy“ angehoben, HSBC votiert mit „Hold“, und Sanford C. Bernstein bestätigt „Outperform“ mit einem Kursziel von 175 US-Dollar. Der Analystenkonsens lautet derzeit „Hold“ bei einem Kursziel von 65,56 US-Dollar. Im ersten Quartal hatte Novo Nordisk einen Gewinn je Aktie von 1,03 US-Dollar bei einem Umsatz von 10,85 Milliarden US-Dollar ausgewiesen.
Für weitere Wachstumsfantasie sorgt die Pipeline: Der Dreifach-Agonist UBT251 lieferte in einer Phase-2-Studie positive Ergebnisse. Zudem hat Novo Nordisk mit Vivani Medical eine nicht-exklusive Evaluierungsvereinbarung geschlossen, um das Semaglutid-Implantat NPM-139 zu prüfen. Finanzielle Konditionen wurden dazu nicht offengelegt, eine Kapitalbeteiligung ist nicht Teil der Abmachung.
Trotz der jüngsten Kurserholung bleibt der Wettbewerbsdruck hoch: Eli Lilly meldete zuletzt starke Phase-3-Daten zu seinem Präparat Retatrutide bei Schlafapnoe, was den eigenen Kurs zeitweise um 4 Prozent nach oben trieb, während Novo Nordisk trotz Verschreibungsrekorden bei Wegovy in europäischen Handelsstunden zeitweise nachgab. Die Marktkapitalisierung von Novo Nordisk liegt aktuell umgerechnet bei 190,75 Milliarden Euro, bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 28,09 Prozent.
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