Mike Doustdar sieht die Investoren falsch liegen. In einem Interview mit Reuters sagte der Novo-Nordisk-Chef am Donnerstag vergangener Woche, Anleger unterschätzten die Nachfrage nach differenzierten Adipositas-Medikamenten. Neue Behandlungsoptionen wie Tabletten würden verhindern, dass der Markt zu einem reinen Duell mit Eli Lilly werde, in dem nur ein Anbieter gewinnt.
Die Aussage fällt in eine Phase, in der die Aktie unter Druck steht. Das Papier notiert aktuell bei 38,83 Euro und hat in den vergangenen 30 Tagen elf Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, erreicht im Januar, klafft inzwischen ein Abstand von 29 Prozent.
CagriSema soll trotz schwächerer Daten kommen
Doustdar bekräftigte im selben Gespräch, dass Novo Nordisk den Kombinationswirkstoff CagriSema im kommenden Jahr auf den Markt bringen wolle – obwohl die Studienergebnisse zum Gewichtsverlust hinter denen von Lilly’s Zepbound zurückblieben. Das Management setzt damit auf ein breiteres Portfolio statt auf ein einzelnes Vorzeigepräparat.
Bereits Anfang des Monats hatte der Manager gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, er bleibe offen für kleinere Zukäufe, schließe aber transformative Übernahmen aus – ein Signal, dass Novo Nordisk organisches Wachstum über große Fusionen stellt.
Die Halbjahreszahlen, die das Unternehmen vor rund zwei Wochen vorgelegt hatte, lieferten dafür bereits einen ersten Beleg: Der bereinigte operative Gewinn lag bei 33.389 Millionen dänischen Kronen, und Novo Nordisk hob die Jahresprognose für das bereinigte Umsatzwachstum sowie das operative Ergebnis an.
Die Aktie reagierte darauf zunächst mit einem Plus von 1,1 Prozent, ehe enttäuschende Studiendaten sie rund zwei Wochen später wieder um 2,7 Prozent drückten.
Rechtliche Front bleibt ruhig
Auf der juristischen Seite kann sich Novo Nordisk über zwei Erfolge freuen. Ein US-Bundesrichter wies Anfang des Monats eine Kartellklage eines Compounding-Herstellers ab, der Novo Nordisk und Eli Lilly vorgeworfen hatte, den Zugang zu individualisierten GLP-1-Präparaten blockiert zu haben.
Kurz darauf erwirkte das Unternehmen vor einem niederländischen Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die Ceban Ziekenhuisfarmacie wegen Patentverletzung bei einem nachgeahmten Semaglutid-Nasenspray. Das Gericht ordnete an, die Verletzungshandlungen zu stoppen, Produktlistungen zu entfernen und Lieferketteninformationen offenzulegen.
Parallel dazu treibt Novo Nordisk seine Digitalstrategie voran: Mit Amazon Web Services vereinbarte das Unternehmen eine Partnerschaft, um die Medikamentenforschung mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu beschleunigen.
Kurs bleibt technisch angeschlagen
Trotz der operativen Fortschritte bleibt das Chartbild schwach. Mit einem RSI von 38,5 gilt die Aktie als überverkauft, notiert aber weiterhin unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 41,44 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,26 Euro.
Der laufende Aktienrückkauf, über den zuletzt vor gut drei Wochen berichtet wurde, konnte den Kurs seither nicht stützen – das Papier verlor in diesem Zeitraum 14,1 Prozent. Anleger warten offenbar auf handfestere Signale, dass Doustdars Zuversicht bei der Nachfrage nach Adipositas-Präparaten sich auch in den Absatzzahlen niederschlägt.
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