Während die Welt über Wegovy spricht, rückt ein anderer Teil des Novo-Nordisk-Portfolios in den Vordergrund. Ab dem 11. Juli präsentiert der dänische Pharmariese auf dem ISTH-Kongress in Paris neue Daten zu zwei Hämophilie-Programmen — und eines davon liegt bereits beim US-Regulator zur Prüfung.
Denecimig: Erstes seiner Art
Das Mittel denecimig ist ein bispezifischer Antikörper, der das Gerinnungsprotein FVIIIa nachahmt. Es soll Blutungsepisoden bei Hämophilie-A-Patienten verhindern — bei Erwachsenen und Kindern, mit oder ohne Inhibitoren. Seit September 2025 prüft die FDA den Zulassungsantrag.
Was denecimig besonders macht: Es wäre das erste FVIIIa-Mimetikum mit einem vorgefüllten Einmalpen. Patienten könnten zwischen wöchentlicher, zweiwöchentlicher oder monatlicher Dosierung wählen. In Paris stehen Langzeitdaten der Phase-3-Studie FRONTIER4 im Mittelpunkt — quer über alle Altersgruppen und Dosierungsintervalle.
Hinzu kommen erstmals Daten der Explorer10-Studie zu Concizumab. Diese Phase-3-Studie untersucht das Mittel bei Kindern bis elf Jahren mit Hämophilie A oder B mit Inhibitoren.
Sichelzellkrankheit: Nächste Einreichung geplant
Novo Nordisk hat noch einen weiteren seltenen Krankheitsbereich im Blick. Die Phase-3-Studie HIBISCUS zu Etavopivat — einer einmal täglich einzunehmenden Tablette — traf beide co-primären Endpunkte. Im Vergleich zu Placebo sank die jährliche Rate vasookklusiver Krisen um 27 Prozent. Die Studie umfasste 385 Patienten ab zwölf Jahren.
Auf Basis dieser Ergebnisse plant Novo Nordisk die erste regulatorische Einreichung für Etavopivat in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Aktie erholt, aber noch weit vom Hoch
Die Aktie schloss am Freitag bei 42,19 Euro — ein Plus von 8,44 Prozent in sieben Tagen. Vom Jahrestief bei 30,25 Euro Anfang März hat sich der Kurs um rund 39 Prozent erholt und liegt nun knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,94 Euro. Vom Jahreshoch bei 61,20 Euro trennen die Aktie allerdings noch gut 31 Prozent.
Parallel läuft das Aktienrückkaufprogramm weiter. Bis Mitte Juni hatte Novo Nordisk im Rahmen des laufenden Programms rund 21 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 266 dänischen Kronen zurückgekauft — ein Gesamtvolumen von knapp 5,6 Milliarden Kronen. Das Gesamtprogramm ist auf 15 Milliarden Kronen ausgelegt.
Was diese Woche zählt
Der ISTH-Kongress vom 11. bis 15. Juli ist der unmittelbare Kurstreiber. Die Denecimig-Daten dürften besondere Aufmerksamkeit erhalten, weil die FDA-Prüfung läuft und Paris das Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil schärfer zeichnen könnte.
Daneben laufen weitere Programme: Novo Nordisk testet seit Mai 2026 Cagrilintide als eigenständige Therapie — ein wöchentliches Amylin-Analogon für Patienten, die GLP-1-Therapien wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen nicht vertragen. Die achtmonatige Studie läuft noch. Den nächsten großen Finanztest liefert der Quartalsbericht am 5. August.
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