Die Reaktionen der Wall-Street-Analysten auf die jüngsten Geschäftszahlen von Novo Nordisk fallen in dieser Woche deutlich unterschiedlich aus. Während Citi sein Kursziel für die Aktie senkte, traute BMO Capital dem Papier mehr zu – ein Bild, das die gespaltene Stimmung rund um den dänischen Insulin- und Adipositas-Konzern derzeit gut widerspiegelt.
Kursziele gehen in unterschiedliche Richtungen
Citi kappte am Freitag das Kursziel für Novo Nordisk auf 310 dänische Kronen, nachdem zuvor 330 Kronen aufgerufen worden waren. BMO Capital bewegte sich in die entgegengesetzte Richtung und hob sein Kursziel am Donnerstag auf 47 US-Dollar von zuvor 45 Dollar an. Mehrere weitere große Häuser, darunter Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Barclays, beließen ihre Einschätzung in der ersten Augustwoche unverändert bei einem neutralen Rating. Das Bild ist damit uneinheitlich: Keine der großen Adressen sieht aktuell klaren Kaufdruck, doch die Bandbreite der Kurszielanpassungen zeigt, wie unterschiedlich die künftige Wachstumsdynamik der GLP-1-Sparte eingeschätzt wird.
Am Freitag legte die Novo-Nordisk-Aktie um 2,69 Prozent auf 40,99 Euro zu. Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro, notiert im Januar, ist das Papier trotz der jüngsten Erholung noch etwa ein Viertel entfernt. Der Kontrast zwischen den Analystenmeinungen erklärt sich zum Teil aus den widersprüchlichen Signalen der vergangenen zwei Wochen: Auf enttäuschende Studienergebnisse folgte ein durchwachsener, aber nicht durchweg negativer Quartalsbericht.
Aktienrückkauf läuft unbeirrt weiter
Unabhängig von der Analystendebatte setzt Novo Nordisk sein Rückkaufprogramm fort. Bis zum 3. August hatte der Konzern seit dem 4. Februar insgesamt 27.064.179 B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 278,35 dänischen Kronen zurückgekauft, was einem Transaktionswert von rund 7,53 Milliarden Kronen entspricht. Damit hielt Novo Nordisk zuletzt 44.249.480 eigene B-Aktien, etwa ein Prozent des Grundkapitals. Das Programm ist Teil eines auf zwölf Monate angelegten Rückkaufs von bis zu 15 Milliarden Kronen, der am 4. Februar 2026 begann; die aktuelle Tranche läuft seit dem 6. Mai 2026 bis zum 1. Februar 2027 und deckt bis zu 11,2 Milliarden Kronen ab. Ein Konzern, der trotz gesenkter Umsatzprognose und milliardenschwerer Abschreibungen unbeirrt eigene Aktien vom Markt nimmt, signalisiert damit zumindest ein gewisses Vertrauen in die eigene Bewertung.
Eine Woche mit gemischten Vorzeichen
Die aktuelle Kurszieldebatte lässt sich nicht losgelöst von den Ereignissen der vergangenen Tage betrachten. Vor gut einer Woche hatte Novo Nordisk seine Halbjahreszahlen vorgelegt und die Jahresprognose angehoben – die Aktie legte seither um 6,6 Prozent zu, obwohl der US-Handel zunächst mit einem deutlichen Kursrückgang auf die zugleich eingeräumte schwächere Entwicklung im US-Geschäft reagiert hatte. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte der Konzern zudem ein Scheitern der ZEUS-Studie zu ziltivekimab bekanntgegeben, was eine Wertminderung im dritten Quartal nach sich ziehen wird – seither steht die Aktie mit 2,7 Prozent im Plus.
Vor diesem Hintergrund wirkt die aktuelle Kurszielspreizung zwischen Citi und BMO wie eine späte Reaktion der Analysten auf zwei Nachrichten, die den Markt bereits verarbeitet hat: eine verbesserte, aber weiterhin vorsichtige Umsatzprognose einerseits, einen klinischen Rückschlag mit finanziellen Folgen andererseits. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob das GLP-1-Geschäft trotz wachsendem Wettbewerbsdruck aus den USA – dort belasten sinkende Verschreibungszahlen und geringere Medicaid-Erstattungen die Umsätze – genug Substanz behält, um die verhaltenen Wachstumsaussichten zu rechtfertigen. Die Bandbreite der aktuellen Kursziele deutet darauf hin, dass die Wall Street darauf noch keine einheitliche Antwort gefunden hat.
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