Novo Nordisk steht vor einer der wichtigsten klinischen Bühnen des Jahres. Auf den Scientific Sessions der American Diabetes Association präsentiert der dänische Pharmakonzern ab dem 5. Juni in New Orleans 40 Abstracts — darunter Phase-3-Ergebnisse für CagriSema, den wohl meistbeobachteten Wirkstoffkandidaten im Unternehmen.
CagriSema im Mittelpunkt
Das Herzstück der Präsentationen ist die REIMAGINE-Studienreihe. In REIMAGINE 2 erreichte CagriSema nach 68 Wochen eine HbA1c-Reduktion von 1,91 Prozentpunkten und einen Gewichtsverlust von 14,2 Prozent. Rund 43 Prozent der Teilnehmer verloren mindestens 15 Prozent ihres Körpergewichts.
CagriSema kombiniert den Amylin-Analogon Cagrilintide mit Semaglutid als einmal wöchentliche Fixdosiskombination. Novo Nordisk hat den Wirkstoff im Dezember 2025 bei der FDA eingereicht. Eine Zulassungsentscheidung erwartet das Unternehmen bis Ende 2026. Die ADA-Daten kommen damit genau zum richtigen Zeitpunkt — kurz vor dem regulatorischen Urteil.
Zenagamtide und Semaglutid-Neuigkeiten
Neben CagriSema zeigt Novo Nordisk Phase-2-Daten für Zenagamtide — früher unter dem Namen Amycretin bekannt. Der Wirkstoff ist ein einmal wöchentlich verabreichter GLP-1- und Amylin-Rezeptoragonist. Er soll sowohl bei Übergewicht als auch bei Typ-2-Diabetes eingesetzt werden, oral wie subkutan.
Ferner präsentiert der Konzern neue Daten für Ozempic und Wegovy. Am 7. Juni veranstaltet Novo Nordisk parallel ein Investoren-Event, das per Livestream übertragen wird.
Regulatorischer Rückenwind aus Europa
Kurz vor der Konferenz hat die europäische Zulassungsbehörde EMA gleich zwei positive Empfehlungen ausgesprochen. Der zuständige Ausschuss CHMP empfiehlt die Zulassung von Wegovy 7,2 mg als Einweg-Injektion — Markteinführung in der EU ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Außerdem empfiehlt der CHMP die Zulassung einer oralen Wegovy-Tablette mit 25 mg Semaglutid täglich. Das wäre die erste orale GLP-1-Therapie zur Gewichtsreduktion, die in der EU grünes Licht erhält.
Kursrally trotz schwierigem Jahr
Die Aktie notiert aktuell bei 38,40 Euro und liegt damit rund 9 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Seit dem Jahrestief von 30,48 Euro im März hat sich der Kurs erholt. Auf Jahressicht steht allerdings ein Minus von 37 Prozent — das 52-Wochen-Hoch von 70,13 Euro liegt weit zurück.
Die Geschäftszahlen spiegeln den Gegenwind wider. Umsatz und operatives Ergebnis sollen 2026 um fünf bis 13 Prozent sinken. Gründe sind niedrigere realisierte Preise, reduzierte Medicaid-Erstattungen für Adipositas-Therapien und das sogenannte Most-Favored-Nations-Preisabkommen in den USA. Hinzu kommt der Patentablauf für Semaglutid in einzelnen internationalen Märkten.
Die ADA-Konferenz ist damit mehr als ein wissenschaftliches Schaufenster. Positive CagriSema-Daten könnten die Markterwartungen für das zweite Halbjahr neu justieren — und das ausgerechnet in dem Moment, in dem die FDA ihre Entscheidung vorbereitet.
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