Novo Nordisk startet mit einer heiklen Nachricht in die neue Handelswoche. Brasilien hat den ersten heimischen Ozempic-Konkurrenten zugelassen — und damit öffnet sich ein weiterer großer Markt für günstigere Semaglutid-Produkte. Für den dänischen Pharmakonzern ist das mehr als ein lokales Problem: Der Patentschutz außerhalb der Kernmärkte bröckelt schneller.
An der Börse ist die Erholung zuletzt zwar sichtbar geworden. Die Novo-Nordisk-Aktie schloss am Freitag bei 39,05 Euro nahezu unverändert; auf Monatssicht steht ein Plus von 13,06 Prozent, über zwölf Monate bleibt aber ein Minus von 35,73 Prozent.
Brasilien lässt Ozempic-Alternative zu
Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa hat den Verkauf von Ozivy genehmigt. Das Produkt stammt vom lokalen Pharmakonzern EMS und ist das erste injizierbare Semaglutid-Analogon des Landes zur Behandlung von Diabetes bei Erwachsenen. Ozempic hatte den Patentschutz in Brasilien im März verloren.
EMS will Ozivy rund 30 Prozent günstiger anbieten als Ozempic und den Marktstart binnen 30 Tagen umsetzen. Produziert wird im Bundesstaat São Paulo.
In der ersten Phase plant EMS die Herstellung von 350.000 vorgefüllten Pens in drei Dosierungen. Für das erste Jahr peilt das Unternehmen 1,2 Millionen verkaufte Einheiten und mehr als 500 Millionen Reais Umsatz an.
Das trifft Novo Nordisk in einem Markt, der bei Diabetes- und Gewichtsreduktionsmitteln stark wächst. Günstigere Nachahmerprodukte können dort rasch Volumen verschieben, selbst wenn die USA und Europa vorerst besser geschützt bleiben.
Patentgraben wird schmaler
Brasilien ist kein Einzelfall. In Indien kamen Semaglutid-Generika bereits im März auf den Markt, worauf Novo Nordisk mit Preissenkungen reagierte. Kanada hat zuletzt ebenfalls Generika zugelassen.
Der Patentschutz läuft in mehreren wichtigen Märkten aus, darunter Indien, China, Brasilien, die Türkei, Südafrika und Kanada. Diese Länder stehen für einen großen Teil der Weltbevölkerung und damit für künftige Nachfrage bei Adipositas- und Diabetesbehandlungen. Genau deshalb wiegt der Patentdruck schwer: Er betrifft nicht nur einzelne Umsätze, sondern die globale Preisarchitektur rund um Semaglutid.
In den USA und Europa bleibt Novo Nordisk noch mehrere Jahre besser abgeschirmt. Die Lücke zwischen geschützten Premiummärkten und schneller öffnenden Schwellen- und Industrieländern wird damit aber größer.
Analysten bleiben vorsichtig
Die jüngsten Einschätzungen großer Häuser spiegeln diese Gemengelage wider. Deutsche-Bank-Analyst Emmanuel Papadakis bleibt bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 290 DKK. Jefferies-Analyst Michael Leuchten hält ebenfalls an „Neutral“ fest und sieht das Kursziel bei 270 DKK.
Im breiteren Analystenfeld dominieren zurückhaltende Einschätzungen. 13 von 19 Häusern führen die Aktie mit „Hold“ oder „Neutral“.
Dahinter steht kein Misstrauen gegenüber dem gesamten Geschäftsmodell. Viele Experten akzeptieren die Perspektive einer Wegovy-Tablette, bleiben aber wegen Preisdruck in den USA und der Sichtbarkeit der Pipeline nach CagriSema vorsichtig. Die sieben US-Häuser Bernstein, BMO Capital, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan, Citigroup und TD Cowen liegen im Schnitt bei einem Kursziel von 247 DKK und positionieren sich durchweg mit Halten- oder Verkaufsvoten.
Operativ lieferte das erste Quartal zumindest eine Stütze. Novo Nordisk erzielte einen bereinigten operativen Gewinn von 32,86 Milliarden DKK und lag damit klar über der Konsensschätzung von 28,74 Milliarden DKK.
Die Jahresprognose bleibt trotzdem defensiv. Der Konzern erwartet bei Umsatz und bereinigtem operativem Gewinn währungsbereinigt nun einen Rückgang von 4 bis 12 Prozent, der Korridor wurde lediglich etwas eingeengt.
Druck kommt auch aus den USA. Eli Lilly erhielt Anfang April die FDA-Zulassung für das orale Adipositas-Medikament Foundayo und beendete damit Novos kurze Phase als einziger Anbieter einer oralen Abnehm-Pille auf dem US-Markt.
Rückkäufe laufen weiter
Novo Nordisk hält parallel an der Kapitalrückführung fest. Das laufende Teilprogramm reicht vom 6. Mai 2026 bis 1. Februar 2027 und erlaubt Rückkäufe von gut 11,2 Milliarden DKK.
Es ist Teil eines Gesamtprogramms von bis zu 15 Milliarden DKK über zwölf Monate. Bis 22. Mai hatte Novo Nordisk seit Programmbeginn 17,05 Millionen B-Aktien erworben.
Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei 262,22 DKK je Aktie, der Transaktionswert bei rund 4,47 Milliarden DKK. Rückkäufe können die Aktie technisch stützen, lösen aber den Kernkonflikt nicht: Novo muss zeigen, dass Pipeline und Preissetzungskraft den Patentverlust in wichtigen internationalen Märkten abfedern.
Der nächste konkrete Prüfstein kommt schnell. Am 7. Juni präsentiert Novo Nordisk auf der ADA 2026 seine Forschungs- und Entwicklungsstrategie; am 5. August folgen die Zahlen zum ersten Halbjahr. Genau diese beiden Termine werden zeigen, ob der Konzern dem wachsenden Generikadruck mit neuen Daten und belastbaren Zielen etwas entgegensetzen kann.
Novo Nordisk-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Novo Nordisk-Analyse vom 31. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Novo Nordisk-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Novo Nordisk-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 31. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
