Novo Nordisk kommt nicht zur Ruhe. Nach den enttäuschenden Studienergebnissen und dem erhöhten Aktienrückkauf vor einigen Wochen rückt nun eine Analystenmeinung in den Fokus: Berenberg stufte das Papier am Mittwoch von „Buy“ auf „Hold“ zurück und senkte das Kursziel in Kopenhagen von 325 auf 305 dänische Kronen.
Die Begründung der Bank: Das Aufwärtspotenzial durch die orale Wegovy-Pille sei bereits eingepreist, während der Konkurrent Eli Lilly kontinuierlich Marktanteile gewinne.
Institutionelle Anleger bauen Engagement ab
Parallel zur Herabstufung zeigen aktuelle Meldepflichten, dass mehrere große Investoren ihre Positionen im zweiten Quartal reduziert haben. Saratoga Research & Investment Management verkaufte 200.320 Aktien und senkte damit sein Engagement um 5,8 Prozent, hält Novo Nordisk aber weiterhin als zweitgrößte Position im Portfolio.
Deutlicher fiel der Rückzug bei Exchange Traded Concepts aus: Der Fonds reduzierte seinen Bestand um 20,5 Prozent und hält nun noch 146.234 Aktien. Solche Bewegungen deuten darauf hin, dass institutionelle Anleger die Wachstumsstory des Unternehmens derzeit vorsichtiger bewerten als noch vor einigen Monaten.
Konkurrenzdruck durch Eli Lilly wächst
Die Herabstufung durch Berenberg fällt in eine Phase, in der Eli Lilly seine Marktposition offensiv ausbaut. Der US-Konkurrent reichte in dieser Woche sechs Bundesklagen gegen Apotheken und Peptid-Händler ein, denen er den Verkauf nicht zugelassener Versionen seines Adipositas-Wirkstoffkandidaten Retatrutid vorwirft.
Der aggressive juristische Kurs unterstreicht, wie hart der Wettbewerb im Milliardenmarkt für Abnehmspritzen mittlerweile geführt wird – ein Markt, in dem Novo Nordisk zunehmend um seine einstige Führungsrolle kämpft.
Vor diesem Hintergrund wirkt auch die kürzlich international ausgeweitete Verfügbarkeit der Wegovy-Pille wie ein Versuch, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Das orale Semaglutid-Präparat ist inzwischen auch außerhalb der USA erhältlich, was Novo Nordisk als strategischen Schritt zur Diversifizierung seines Portfolios positioniert.
Ob dieser Vorstoß jedoch ausreicht, um den von Berenberg beschriebenen Vorsprung von Eli Lilly aufzuholen, bleibt fraglich – die Bank sieht das Potenzial der Pille bereits im aktuellen Kurs abgebildet.
Aktienkurs spiegelt die Skepsis wider
Der Kursverlauf bestätigt die vorsichtige Grundstimmung. Am Freitag schloss die Aktie bei 39,40 Euro, ein Minus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 11 Prozent zu Buche, was den Abwärtstrend seit den enttäuschenden Studienergebnissen und der Kursziel-Senkung unterstreicht. Zum bisherigen Jahreshoch klafft mittlerweile eine deutliche Lücke von 28 Prozent.
Die Kombination aus Analysten-Skepsis, rückläufigem institutionellem Engagement und verschärftem Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly zeichnet ein Bild, in dem Novo Nordisk trotz operativer Fortschritte bei der Wegovy-Pille an Vertrauen bei Marktteilnehmern verliert. Für Anleger bleibt entscheidend, ob das Unternehmen mit neuen Produktinitiativen den verlorenen Boden gegenüber der Konkurrenz zurückgewinnen kann.
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